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Politik Antisemitismusprävention an Schulen: Hoffnung auf Schuljahr
Mehr Hessen Politik Antisemitismusprävention an Schulen: Hoffnung auf Schuljahr
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09:07 05.06.2021
Der Spruch «Gegen jeden Antisemitismus!» prangt an einer Toilettenwand der Philipps-Universität.
Der Spruch «Gegen jeden Antisemitismus!» prangt an einer Toilettenwand der Philipps-Universität. Quelle: Arne Dedert/dpa/Symbolbild
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Frankfurt/Main

Die Coronapandemie hat vieles an den Schulen gebremst oder zum Stillstand gebracht - auch das im Frühjahr 2019 ins Leben gerufene Projekt zu Antisemitismusprävention an hessischen Schulen ist betroffen. Dabei ist es dringender denn je, das Thema an den Schulen zu diskutieren, meint Meron Mendel, Direktor der Bildungsstätte Anne Frank in Frankfurt, die Partner des Kultusministeriums bei dem Fortbildungsprogramm "Antisemi-Was?" ist. Es soll bei Schülern und Lehrkräften den Blick für antisemitische, rassistische und allgemein menschenfeindliche Tendenzen schärfen.

"Das Thema ist durch Corona natürlich nicht verschwunden, im Gegenteil", sagte Mendel der Deutschen Presse-Agentur. "Durch die Querdenken-Bewegung nehmen die Jugendlichen antisemitische Verschwörungstheorien etwa in sozialen Medien wahr." Zum anderen hätte in den vergangenen Wochen der jüngste Konflikt im Nahen Osten auch die Diskussionen in Deutschland überschattet. "Das wurde auch hier über Demonstrationen und soziale Medien ausgetragen", sagte Mendel. Gerade muslimische Jugendliche seien dabei oft in Echoräumen gewesen, in denen sie "sehr gefilterte und sehr einseitige Bilder des Konflikts vermittelt bekamen", sagte Mendel über Antisemitismus, der sich als Kritik an Israel tarne. "Da ist es ziemlich verheerend, dass das Schulsystem durch Corona nicht in der Lage war, ein differenziertes Bild zu vermitteln."

Ein Teil der Arbeit des Präventionsprogramms sei auch in der Pandemie fortgesetzt worden, so Mendel. "Wir haben sehr schnell ins Digitale umgeschaltet, vor allem in der Zusammenarbeit mit Lehrkräften." Im vergangenen Jahr habe es sieben Lehrerfortbildungen gegeben. "In diesem Jahr haben auch schon fünf Fortbildungen digital stattgefunden, einige weitere sind noch in der Planung", sagte Mendel. "Die Arbeit mit Schulklassen war deutlich schwieriger." Zwar habe es auch digitale Unterrichtsangebote gegeben oder Unterrichtseinheiten mit den "Schulen ohne Rassismus" mit etwa 300 Schülern, die digital aus ganz Hessen dabei waren. "Aber das lässt sich natürlich nicht vergleichen mit der Arbeit mit und in der Klasse", betonte der Pädagoge.

Denn die Workshops seien so angelegt, dass sie die Jugendlichen auch spielerisch mitnehmen und Mitmachcharakter haben. Die Methoden ließen sich nur teilweise in den digitalen Raum übertragen, wodurch gezwungenermaßen ein großer Teil der Maßnahmen reduziert werden musste, sagte Mendel.

Nun seien auch Präsenzveranstaltungen langsam wieder eine Möglichkeit. "Allerdings stehen die Schulen vor großen Herausforderungen, verlorenen Stoff nachholen zu müssen - und gerade die "soft skills" fallen dann leicht hinunter", fürchtete Mendel. "Wir gehen aber davon aus, dass mit dem neuen Schuljahr im September auch wieder die normale Nachfrage kommt und bereiten uns darauf vor."

© dpa-infocom, dpa:210605-99-871005/2

dpa