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Politik Angeklagter in NSU 2.0-Prozess lebte zurückgezogen in Berlin
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17:01 31.03.2022
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Frankfurt/Main

Eine der Frauen beschrieb den Mann darin als "manipulativ", eine andere sagte aus, von ihm übel beleidigt worden zu sein. Alexander M. sei immer alleine gewesen, von Partys in seiner Wohnung habe keine Rede sein können. Gegenüber der Polizei hatte der Mann angegeben, es seien oft viele Leute bei ihm gewesen, etwa bei Feiern.

Er war am 3. Mai 2021 in seiner Wohnung festgenommen worden, den Beamten bot sich bei der Durchsuchung ein chaotisches Bild. So berichtete eine Polizistin nun im Gericht unter anderem von einer toten Maus, viel Müll und einem stinkenden Bad. Die Beamten hatten in der Wohnung neben Computern, Laptops und Datenträgern auch NS-Literatur sowie Waffen wie Macheten, Schlagstöcke, Säbel und Elektroschocker gefunden. Diese Waffen seien legal, meinte dazu der Angeklagte, der sich lautstark darüber mokierte, dass Fotos aus seiner Wohnung im Prozess gezeigt wurden. "Ich soll durch den Dreck gezogen werden", sagte er. Polizeibeamte hätten die Gegenstände in seiner Wohnung verändert.

Der Berliner bestreitet die Vorwürfe der Anklage. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm unter anderem Beleidigung in 67 Fällen, versuchte Nötigung und Bedrohung vor. Außerdem geht es um die öffentliche Aufforderung zu Straftaten, Volksverhetzung, den Besitz kinder- und jugendpornografischer Schriften sowie einen Verstoß gegen das Waffengesetz. Die Serie der Drohschreiben hatte im August 2018 mit Todesdrohungen gegen die Frankfurter Rechtsanwältin Seda Basay-Yildiz und ihre Familie begonnen. Die Schreiben waren mit "NSU 2.0" unterzeichnet in Anspielung auf die rechtsextreme Terrorzelle Nationalsozialistischer Untergrund (NSU). Unter den Adressaten waren auch Prominente wie der Fernsehmoderator Jan Böhmermann, der bereits als Zeuge ausgesagt hat. Besonders häufig betroffen und heftigen Beleidigungen sowie Drohungen ausgesetzt waren Frauen, die öffentlich engagiert und erfolgreich sind.

© dpa-infocom, dpa:220331-99-748258/2

dpa