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Politik Polizei und Aktivisten erwarten verschärften Konflikt um A49
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15:52 06.11.2020
Einsatzkräfte der Polizei stehen um einen Harvester im Herrenwald bei den einsetzenden Rodungsarbeiten. Quelle: Andreas Arnold/dpa/Archivbild
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Stadtallendorf

Angesichts der anstehenden Räumungen und Rodungen im Dannenröder Forst für den A49-Weiterbau in Mittelhessen rechnen sowohl Polizei als auch Aktivisten mit einer Ausweitung des Konflikts um das Autobahnprojekt. "Wir rechnen damit, dass sich die Lage im Dannenröder Forst verschärfen wird", sagte Hessens Landespolizeipräsident Robert Ullmann der Deutschen Presse-Agentur. "Wir bereiten uns intensiv auf die zweite Phase vor, wo es dann um den Dannenröder Forst an sich geht."

Man rechne mit Störerinnen und Störern, die Gewalt als legitimes Mittel ansähen. "Wir werden weiter darauf setzen, dass die Situation nicht eskaliert, aber wir werden auch immer konsequent einschreiten, sobald Straftaten begangen werden", kündigte Ullmann an. Zugleich zog er eine positive Bilanz zum bisherigen Polizeieinsatz bei den Protesten. "Es ist ein schwieriger Einsatz und ein Kraftakt für die Polizei, aber ich bin zufrieden mit der ersten Phase", sagte der Landespolizeipräsident.

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Es sei gut gelungen, in zwei Waldstücken die Rodungsarbeiten abzusichern, "trotz des großen Spannungsfeldes, mit dem wir es da zu tun haben - zwischen friedlichem Protest und Menschen, die massive Gewalt gegen Polizisten ausüben". Zuletzt seien bis zu 2000 Polizisten eingesetzt worden. Am kommenden Montag (9. November) will die Polizei Mittelhessen bei einer virtuellen Pressekonferenz über den Einsatz informieren.

Umwelt- und Klimaschützer bekräftigten am Freitag unterdessen ihre Forderungen nach einem Stopp des Autobahnprojekts und kündigten verstärkte Proteste an. Man werde sich auch von Frost und Schnee nicht abhalten lassen und "noch viel lauter und präsenter sein", wenn der "Tag X" im Dannenröder Forst komme, kündigte eine Sprecherin des Bündnisses "Wald statt Asphalt" bei einer via Twitter übertragenen Pressekonferenz an.

Dabei erneuerten die Teilnehmer auch die Forderung nach einer umweltfreundlichen Verkehrswende. Es gehe nicht nur um eine Autobahn oder einen lokalen Konflikt, sagte Marion Tiemann von Greenpeace. "Dieser Konflikt hier steht für die Frage: Wie schaffen wir ein neues Verkehrssystem, das nicht mehr die Natur zerstört, das nicht mehr die Klimakrise befeuert?"

Bei der anstehenden Überprüfung des Bundesverkehrswegeplanes, der Hunderte weitere Autobahn-Kilometer vorsehe, müssten die Pariser Klimaziele zugrunde gelegt werden, forderte Tiemann. Sollten nach den Rodungen im Herrenwald bei Stadtallendorf (Landkreis Marburg-Biedenkopf) die Bäume im Dannenröder Forst gefällt werden, werde sich der Protest verlagern und sich gegen die nächste Autobahn wenden, so die Greenpeace-Vertreterin.

Aktivisten halten das Waldstück bei Homberg/Ohm (Vogelsbergkreis), in dem Bäume auf einer Fläche von 27 Hektar für den Bau der Trasse weichen sollen, seit gut einem Jahr besetzt und haben sich in zahlreichen Baumhäusern eingerichtet. Sie haben zudem Barrikaden gebaut. Nach der Fertigstellung soll die A49 Kassel und Gießen direkter miteinander verbinden.

Bereits Ende vergangener Woche hatte die Projektgesellschaft Deges verkündet, dass die Rodungen im Herrenwald bei Stadtallendorf (Landkreis Marburg-Biedenkopf) für das Autobahnprojekt weit fortgeschritten seien und dort nur noch Restarbeiten anstünden. Deshalb wird zeitnah mit Räumungen und dem Beginn der Fällarbeiten im Dannenröder Forst gerechnet.

Derweil war die Fahrbahn der B62 wegen der Protestaktion zwischen Stadtallendorf-Niederklein und Kirtorf-Lehrbach am Freitagmittag noch immer gesperrt, wie ein Polizeisprecher sagte. Aktivisten hingen nicht mehr am Seil. Aus Protest gegen die Rodungsarbeiten hatten diese ein 300 Meter langes Seil gespannt, über der Bundesstraße 62 in Mittelhessen befestigt und sich darangehängt. Ein zweites von den Aktivisten gespanntes Seil sei von der Polizei entfernt worden, sagte der Polizeisprecher.

Die Aktion hatte am Donnerstag Autofahrer auf der Bundesstraße ausgebremst. Nach einer kleinen Demonstration von Umweltschützern am Vormittag waren einer Mitteilung der Polizei zufolge bis zum frühen Abend drei Aktivisten abwechselnd in die Mitte des Seiles geklettert, das in 15 bis 20 Metern Höhe über die B62 gespannt war. Das Seil zog sich laut Polizei vom Dannenröder Forst zum Herrenwald bei Stadtallendorf - beides Waldstücke, in denen für die A49 gerodet wurde oder die Arbeiten kurz bevorstehen.

dpa