Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Politik Baustelle für A49 wird vorbereitet: Blockade von Aktivisten
Mehr Hessen Politik Baustelle für A49 wird vorbereitet: Blockade von Aktivisten
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:11 21.09.2020
Eine Aktivistin hängt im Dannenröder Forst in einem Tripod aus Baumstämmen. Quelle: Boris Roessler/dpa/Archivbild
Anzeige
Homberg/Ohm

Begleitet von Protesten von Aktivisten sind am Montag im Dannenröder Forst bei Homberg/Ohm Vorbereitungen für den Weiterbau der Autobahn 49 in Mittelhessen angelaufen. Dabei gab es auch Auseinandersetzungen mit der Polizei. Zum Ende des Einsatzes blockierten mehrere Aktivisten Polizeifahrzeuge und hinderten die Beamten so daran, wieder aus dem Wald abzuziehen, wie eine Polizeisprecherin sagte. Zuvor waren im Tagesverlauf vier Menschen vorübergehend festgenommen worden.

Am Vormittag hatten drei Aktivisten eine Planierraupe besetzt. Die Beamten nahmen zunächst zwei von ihnen für die Identifizierung vorläufig fest, der dritte setzte sich auf das Dach des Fahrzeugs, so dass die Polizisten zunächst nicht an ihn herankamen, ohne ihn zu gefährden. Nach mehreren Stunden zogen Beamte ihn "unter Anwendung von einfacher körperlicher Gewalt" vom Fahrzeugdach herunter, wie die Polizei mitteilte. Auch er wurde vorläufig festgenommen. Alle drei Aktivisten müssten mit einem Verfahren wegen Nötigung rechnen, so die Polizei. Mehrere der Protestierenden blockierten zudem sitzend die Planierraupe. Eine weitere Person wurde nach Polizeiangaben festgenommen, weil sie ein Messer dabei hatte.

Anzeige

Umwelt- und Klimaschützer halten den Dannenröder Forst seit rund einem Jahr besetzt, um Rodungen für das Autobahn-Projekt zu verhindern. Dafür haben sie auf Waldwegen Barrikaden aus Baumstämmen, Ästen und Gegenständen errichtet und sich in Baumhäusern eingerichtet.

Die am Montag gestarteten Vorbereitungen dienen nach Angaben der Projektgesellschaft Deges dazu, auf der sogenannten Rudolfswiese im Dannenröder Wald eine Fläche für eine Baustelleneinrichtung vorzubereiten. Außerdem sollen Wirtschaftswege in dem Wald mit einer Schotterschicht versehen werden. Kritik an den Arbeiten kam vom Aktionsbündnis "Keine A49!": Die Wiese werde "mit schwerem Gerät abgeschoben und somit unwiederbringlich zerstört", erklärte Barbara Schlemmer von dem Bündnis. Es handele sich um ein geschütztes Biotop im Wasserschutzgebiet und um eine artenreiche Blühwiese. Das Gebiet liege zudem "außerhalb der Planfeststellung für die A49", so Schlemmer.

Die Deges widersprach dieser Darstellung. Bei der Rudolfswiese handele es sich nicht um eine geschützte Biotopfläche, sondern um eine intensiv genutzte Frischwiese. Die Arbeiten stünden im Einklang mit der geltenden Schutzgebietsverordnung und verstießen nicht gegen die in dieser Verordnung genannten Verbote. Sie erfolgten zudem mit Zustimmung des Eigentümers der Fläche und in Abstimmung mit der Oberen Naturschutzbehörde des Regierungspräsidiums Gießen. "Nach der Nutzung wird die Wiese voraussichtlich in ihren ursprünglichen Zustand versetzt", hieß es. Dies erfolge voraussichtlich im Frühjahr 2021 und werde durch die ökologische Baubegleitung kontrolliert.

Zugleich rief die Deges die Waldbesetzer zu friedlichem Verhalten während der Arbeiten auf und betonte, dass es sich dabei nicht um eine Räumung von Barrikaden oder Baumhäusern handele.

Mit dieser Räumung und dem Beginn der Rodung wird für Oktober gerechnet. Dann könnte es nach Einschätzung von Beobachtern auch zu einer Eskalation des Konflikts zwischen Aktivisten und Ordnungsbehörden kommen. Den Protesten gegen das Verkehrsprojekt hatten sich zahlreiche auch bundesweit agierende Gruppen angeschlossen, so etwa Attac Deutschland, Robin Wood und Extinction Rebellion.

Der klimapolitische Sprecher der Linken im Bundestag, Lorenz Gösta Beutin, appellierte am Montag an Polizei und die hessische Landesregierung, alles zu unternehmen, um eine Eskalation zu vermeiden. "Die Klimaaktivist*innen nehmen angesichts der voranschreitenden Klimakrise ihr Recht auf zivilen und friedlichen Ungehorsam wahr, der Autobahnbau ist klimapolitisch und verkehrspolitisch falsch", so Beutin.

Die A49 soll nach der Fertigstellung Kassel und Gießen verbinden. In der vergangenen Woche hattees im Zuge der Räumung einer Barrikade eine erste größere Auseinandersetzung gegeben. Eine Aktivistin war auf einen sogenannten Tripod geklettert - ein dreibeiniges Gestell aus Baumstämmen - und hatte stundenlang darauf verharrt, bis Spezialeinsatzkräfte der Polizei sie herunterholten.

dpa