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Politik Waldrodung für Autobahn: Polizei und Protest im Herrenwald
Mehr Hessen Politik Waldrodung für Autobahn: Polizei und Protest im Herrenwald
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12:37 01.10.2020
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Stadtallendorf

Begleitet von einem Großaufgebot der Polizei und Protesten von Umweltschützern haben die ersten Rodungen von Bäumen begonnen, die für den Weiterbau der Autobahn 49 in Mittelhessen weichen müssen. Die Polizei sperrte das betroffene Areal im Herrenwald bei Stadtallendorf am Donnerstag ab. Vorgesehen sei, das Waldstück zu räumen, in denen Bäume gefällt werden sollen, sagte ein Polizeisprecher. Die ersten Rodungen waren am Vormittag vorübergehend unterbrochen worden, konnten laut Polizei dann aber weitergehen.

Aus Protest gegen die geplanten Rodungen im Herrenwald sowie in dem in der Nähe gelegenen Dannenröder Forst haben sich dort Aktivisten in Baumhäusern eingerichtet und Plattformen sowie Barrikaden errichtet. Bei der Räumung rechnet die Polizei mit einem wochenlangen Großeinsatz und massivem Widerstand der Aktivisten.

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Die Projektgesellschaft Deges teilte mit, dass mit dem Start der Fällsaison am Donnerstag auch die Rodungsarbeiten für den geplanten Lückenschluss der A49 umgesetzt würden. Die rechtlichen Voraussetzungen für den Bau liegen vor, sagte ein Sprecher. "Auf dieser Basis haben wir heute im Herrenwald planmäßig mit den notwendigen Fällarbeiten begonnen." Die Arbeiten sollen der Deges zufolge in den nächsten Tagen und Wochen an verschiedenen Stellen entlang der geplanten Trasse fortgesetzt werden.

Die Polizei war am Donnerstag nach eigenen Angaben mit mehreren Aktivisten im Gespräch. "Ziel der Gespräche ist das freiwillige Verlassen des Waldes", schrieben die Beamten auf Twitter. Einige Personen hätten daraufhin das Gebiet verlassen, sagte ein Polizeisprecher.

Viele Aktivisten wollen aber nicht weichen. Sie verschanzten sich in Baumhäusern, einige riefen Parolen in Richtung der Beamten. Eine Sprecherin der Initiative "Wald statt Asphalt" sprach von einem "Skandal", dass Deutschland im Jahr 2020 alte Wälder und Schutzgebiete für eine Autobahn abholzen lasse, "deren Nutzen nicht bewiesen ist".

Vor dem hessischen Landtag wollte die Umweltorganisation Greenpeace am Donnerstag gegen die geplante Rodung protestieren. Vor dem Parlament solle ein sechs Meter langer Stamm aus dem Wald platziert werden, kündigte Greenpeace am Morgen an. "Der Baum aus dem Dannenröder Forst steht symbolisch für die Zerstörung der Natur im Kontext veralteter Verkehrspolitik", teilte Alex Wenzel von Greenpeace Frankfurt mit.

Die A49 soll nach der Fertigstellung Kassel und Gießen miteinander verbinden. Umwelt- und Klimaschützer halten das Projekt für überholt, weil es einer Verkehrswende entgegenstehe. Die Befürworter erhoffen sich weniger Verkehrslärm in den umliegenden Dörfern, kürzere Wege für Pendler und eine direktere Anbindung ans Straßennetz für die Unternehmen.

dpa