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Politik A49-Proteste halten Behörden auf Trab: Weitere Aktionen
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16:53 08.11.2020
A49 Ausbaugegner haben auf der Rudolfswiese eine Trutzburg aus Hochsitzen und Gehölzen errichtet. Quelle: Andreas Arnold/dpa/Archivbild
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Schwalmstadt/Kirtorf

Die Proteste gegen den umstrittenen Weiterbau der Autobahn 49 in Mittelhessen haben die Polizei auch am Wochenende auf Trab gehalten. Während die Bundesstraße 62 nach tagelanger Sperrung wegen eines über die Fahrbahn gespannten Stahlseils, an das sich Aktivisten gehängt hatten, am Sonntag wieder für den Verkehr freigegeben werden konnte, protestierte die Umweltschutzorganisation Greenpeace mit einem Schriftzug auf einem noch nicht freigegebenen Abschnitt der Autobahn gegen das Verkehrsprojekt.

In acht Meter großen Lettern hätten sechs Aktivisten das Wort "Autobahn" auf eine Talbrücke der A49 geschrieben, wobei der erste Wortteil "Auto" rot durchgestrichen sei, wie Greenpeace am Sonntag mitteilte. "Statt das Land immer weiter mit umwelt- und klimaschädlichen Autobahnen zu durchziehen, muss die Bundesregierung konsequent in Alternativen wie die Bahn investieren", erklärte Greenpeace-Verkehrsexperte Benjamin Stephan. "Die katastrophale Klimabilanz im Verkehr zeigt, dass wir dringend eine Verkehrsplanung brauchen, die eine Antwort auf die Klimakrise gibt statt sie zu befeuern."

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Derweil wurde unter das Seil über der B 62 eine Art Gerüst gebaut, so dass es nicht mehr auf die Straße fallen könne, sagte eine Polizeisprecherin am Sonntag. Die seit Donnerstag bestehende Sperrung zwischen Stadtallendorf-Niederklein und Kirtorf-Lehrbach sei aufgehoben worden. Das etwa 300 Meter lange Seil überspannt nach Polizeiangaben in 15 bis 20 Metern Höhe die B62. Weil es unter Spannung steht, hatte die Polizei darauf hingewiesen, dass es nicht ungefährlich sei, das Seil abzumontieren. Es zieht sich vom Dannenröder Forst auf der einen Seite der Bundesstraße zum Herrenwald auf der anderen Seite. Dabei handelt es sich um Waldstücke, in denen für die A49 gerodet wurde oder die Arbeiten kurz bevorstehen.

Vor Beginn der Rodungsarbeiten für den umstrittenen Weiterbau der A49 im Dannenröder Forst bei Homberg/Ohm tauchte unterdessen ein gefälschter Aufruf auf, in dem Bürger um die Bereitstellung von Privatunterkünften für die Einsatzkräfte gebeten werden. Via Twitter wies die Polizei am Sonntag darauf hin, dass es sich bei den Flyern, die unter anderem den Briefkopf des Polizeipräsidiums Mittelhessen enthielten, um eine Fälschung handele. Zuvor hatte die "Fuldaer Zeitung" darüber berichtet.

In dem Schreiben, das in Kirtorf nahe Homberg/Ohm (Vogelsbergkreis) verteilt wurde, hieß es unter anderem, die Einsatzkräfte aus mehreren Bundesländern seien seit Ende September in der Herrenwaldkaserne in Stadtallendorf (Landkreis Marburg-Biedenkopf) untergebracht. Die in dem Landkreis steigenden Corona-Fallzahlen stellten die Polizei vor große Herausforderungen. "Eine Stationierung von mehreren tausend Polizeikräften in der Kaserne ist riskant und unverantwortlich." Daher sei man auf die Hilfe der Bürger in Kirtorf angewiesen.

Wie viele der Flyer verteilt wurden, stehe bisher nicht fest, sagte eine Polizeisprecherin am Sonntag, es liefen Ermittlungen zu den Motiven und Urhebern des Schreibens.

Die Proteste gegen die A49 beschäftigen Hessens Behörden und Gerichte auch in Dutzenden Verfahren. Das Verwaltungsgericht Gießen zählte bislang rund 40 - teils abgeschlossene - Verfahren mit einem unmittelbaren Bezug zur A49, wie ein Sprecher mitteilte. Die weit überwiegende Zahl betreffe das Versammlungsrecht, gestritten wird aber auch in Grundstücksfragen oder um den Bau von Baumhäusern.

Seit dem 1. Oktober laufen die Rodungsarbeiten für den Lückenschluss der Autobahntrasse, für die bereits seit längerem Baurecht besteht. Umwelt- und Klimaschützer protestieren gegen den Weiterbau mit Demos, Mahnwachen, Protestcamps und der Besetzung von Bäumen und Waldstücken. Mehrfach zogen sie in den vergangenen Wochen gegen behördliche Auflagen oder Verbote vor Gericht. Die Befürworter hingegen versprechen sich von dem Projekt eine geringere Verkehrsbelastung in den Dörfern und eine bessere Anbindung für Pendler und Unternehmen.

dpa