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Politik Corona-Zahlen steigen: Auch Verstöße gegen Maskenpflicht
Mehr Hessen Politik Corona-Zahlen steigen: Auch Verstöße gegen Maskenpflicht
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17:42 24.08.2020
Ein Mitarbeiter hält in einem Abstrichzentrum einen Coronatest-Abstrich in der Hand.
Ein Mitarbeiter hält in einem Abstrichzentrum einen Coronatest-Abstrich in der Hand. Quelle: Sebastian Gollnow/dpa/Symbolbild
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Offenbach/Wiesbaden/Hanau

Trotz der steigenden Zahl von Corona-Neuinfektionen im Land halten sich etliche Hessen nicht an die vorgeschriebene Maskenpflicht zum Schutz vor einer Erkrankung. In der Stadt Offenbach, in der die Neuinfektionen weiter über einem kritischen Messwert liegen, registrierte die Polizei am gesamten Wochenende 135 Verstöße gegen die Corona-Verordnung. Als Konsequenz aus der Corona-Entwicklung hatte die Nachbarstadt von Frankfurt bereits schärfere Regeln bei der Maskenpflicht und den persönlichen Kontakten der Bürger erlassen.

Auch in Hessens größter Stadt gelten seit Montag strengere Regeln und wegen der steigenden Corona-Zahlen eine präventive Maskenpflicht für alle Kinder und Jugendlichen im Unterricht an weiterführenden Schulen. Frankfurts Gesundheitsdezernent Stefan Majer (Grüne) begründete den Schritt mit den zahlreichen gemeldeten Covid-19-Fällen, die auf Reiserückkehrer aus Risikogebieten zurückzuführen seien. Die Pflicht zum Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung soll zunächst für zwei Wochen gelten.

Der hessische Landesverband der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hält derweil eine Maskenpflicht über den gesamten Schultag für unzumutbar. Die GEW forderte, an den Schulen, an denen bereits eine Maskenpflicht herrsche, den Unterricht auf zwei Doppelstunden am Tag mit einer halben Stunde Pause zu begrenzen. Neben Frankfurt ist in Teilen des Landkreises Groß-Gerau sowie in Offenbach das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes auch während des Unterrichts Pflicht - in Offenbach anders als in Frankfurt sogar in allen Schulen.

Nach Angaben der Gewerkschaft hat es aus den Schulen Berichte über Kopfschmerzen, fehlende Konzentration und Übelkeit gegeben. Die Masken behinderten die pädagogische Arbeit. Es sollten Vorbereitungen getroffen werden, um kurzfristig wieder zu einem Unterricht in kleineren Gruppen zurückkehren zu können.

Diese Forderung der GEW wies ein Sprecher des Wiesbadener Kultusministeriums zurück. Es sei für die Kinder wichtig, dass es Plätze und Zeiträume gebe, an denen sie ohne Maske in der Schule sein können. Die Schulen schafften dafür auch kreative Lösungen. Den Unterricht auf zwei Doppelstunden am Tag mit einer halben Stunde Pause zu begrenzen, würde jedoch etwa zu einer Halbierung des Unterrichts führen. Ziel sei, den Kindern möglichst viel Unterricht in der Schule zu ermöglichen.

Insgesamt ist in Hessen die Zahl der nachgewiesenen Corona-Infektionen am Montag um 70 Fälle gestiegen. Damit sind 14 657 Corona-Fälle im Land registriert worden, wie das Sozialministerium in Wiesbaden mitteilte (Stand: 14.00 Uhr). Die Zahl der Todesfälle in Zusammenhang mit Sars-CoV-2 blieb unverändert bei 528.

Die Stadt Offenbach verzeichnete einen erneuten Anstieg der Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen und bewegt sich weiter über einem kritischen Messwert. Die sogenannte 7-Tage-Inzidenz lag nach Angaben der Kommune bei 57,5. Eine von Bund und Ländern vereinbarte Schwelle für verschärfte Beschränkungen des öffentlichen Lebens liegt bei einer 7-Tage-Inzidenz von 50, das ist auch im mehrstufigen Landesplan eine wichtige Marke. Die Stadt erklärte am Montag, seit Sonntag seien sieben neue Infektionsfälle registriert worden, alle Reiserückkehrer. Aktuell seien 109 Menschen in Offenbach nachweislich mit Sars-CoV-2 infiziert.

In Offenbach sind seit dem Wochenende Aufenthalte im öffentlichen Raum nur allein, in Gruppen von höchstens fünf Menschen oder mit den Angehörigen des eigenen und eines weiteren Hausstandes gestattet. Für Gaststätten und Bars gilt eine Sperrstunde ab 0.00 Uhr. Die Stadt führt die Neuinfektionen im Moment zu einem großen Teil auf Reiserückkehrer zurück.

Angesichts des Anstiegs der Corona-Infektionen in und um Hanau sind auch dort und im Main-Kinzig-Kreis am Montag die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie verschärft worden. Dazu gehören verschärfte Auflagen bei Veranstaltungen, privaten Treffen und Freizeitbeschäftigungen. Der praktische Sportunterricht wird abgesagt, hieß es in einer gemeinsamen Ankündigung mit der Stadt Hanau, Eine Maskenpflicht gilt nun für alle weiterführenden Schulen, - zunächst für vier Wochen und begrenzt auf die Städte Bruchköbel, Erlensee, Hanau, Maintal, Neuberg und Nidderau. Für alle weiteren Kommunen im Altkreis Hanau gilt den Angaben zufolge jedoch die Empfehlung, diese Maßnahmen ebenso zu beherzigen.

Gesundheitsdezernentin Susanne Simmler begründete die Schritte mit einem Infektionsgeschehen, "das es zuletzt im Frühjahr in unserer Region gegeben hat". Sechs Städte und Gemeinden haben beim maßgeblichen Inzidenzwert der vergangenen sieben Tage die Schwelle von 20 überschritten. In Hanau liegt der Wert seit dem Wochenende sogar bei mehr als 50 Infizierten auf 100 000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen.

Ähnlich wie auch in Offenbach gelten nun unter anderem Einschränkungen für Veranstaltungen unter freiem Himmel mit Begrenzung auf 100 Teilnehmer, bei Veranstaltungen in geschlossenen Räumen dürfen maximal 50 Personen zusammen kommen. Treffen von Gruppen in der Öffentlichkeit und in Restaurants werden auf fünf Teilnehmer höchstens aus zwei Haushalten beschränkt. Zu Treffen von Gruppen im privaten Umfeld und bei Vereinsveranstaltungen dürfen höchstens 20 Menschen kommen.

Am Montag haben die Labore für den Main-Kinzig-Kreis weitere 20 neue Infektionen mit Covid-19 bestätigt. Erneut liegt der Schwerpunkt mit neun Fällen in Hanau. Jeweils zwei betroffene Personen kommen aus Maintal, Rodenbach und Bruchköbel. Jeweils eine Meldung kommt aus Nidderau, Langenselbold, Gelnhausen, Steinau und Schlüchtern. Damit steigt die Zahl der aktiven Fälle auf aktuell 186. Erfreulich ist weiterhin die Entwicklung im stationären Bereich, aktuell wird nur ein Fall im Krankenhaus betreut, teilte ein Sprecher des Kreises am späten Nachmittag mit.

Der Hanauer Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) kündigte verstärkte Kontrollen zur Umsetzung der Auflagen im öffentlichen Raum an, ebenso in ÖPNV, Gaststätten, Gewerbebetrieben und im Einzelhandel. "Wir dürfen mit der Disziplin beim Maskentragen, Abstandhalten, Händewaschen und bei der Niesetikette auf keinen Fall nachlassen", betonte er. Für alle Bars, Kneipen und Restaurants gilt eine Sperrzeit von 24 bis 8 Uhr, öffentliches Grillen oder Picknicken sind untersagt. Einschränkungen gibt es auch für den Besuch von Alters- und Pflegeheimen.

dpa