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Politik Ärzte kritisieren Umgang mit Masseninfektion in Erstaufnahme
Mehr Hessen Politik Ärzte kritisieren Umgang mit Masseninfektion in Erstaufnahme
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18:02 15.10.2020
Außenaufnahme von der Erstaufnahmeeinrichtung für Geflüchtete. Quelle: Swen Pförtner/dpa
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Kassel/Gießen

Nach einer Masseninfektion mit 112 Covid-Fällen in einer Kasseler Flüchtlingseinrichtung werfen dort eingesetzte Ärzte dem Regierungspräsidium Gießen Versäumnisse vor. "Weil zu viele Menschen auf zu kleinem Raum zu eng zusammen sind, ist es zu dieser Häufung gekommen", sagte der Allgemeinmediziner Helmuth Greger, Organisator des Ärzteteams der Erstaufnahme am Donnerstag. Die Mediziner kümmern sich dort seit Jahren als Honorarkräfte um die Gesundheit der Bewohner. Die Einhaltung der Hygieneregeln sei für die Flüchtlinge angesichts der Situation extrem schwierig. Zuvor hatten verschiedene Medien über das Thema berichtet.

Nach Corona-Fällen Anfang Oktober hätten die Mediziner darauf hingewiesen, dass die positiv Getesteten in anderen Einrichtungen untergebracht werden müssten. "Wir hatten das Gefühl, das wir nicht ernst genommen werden", erklärte Greger. Eine Isolation der Erkrankten unter strengen hygienischen Bedingungen sei dort problematisch. "Man muss die Infizierten von den Nichtinfizierten trennen, dafür reichen die Räumlichkeiten nicht aus." Auch bei einem Krisengespräch Anfang dieser Woche seien die Bedenken der Mediziner offenbar nicht ernst genommen worden. "Daher war völlig klar, dass sich die Situation so entwickelt."

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Das für die Erstaufnahme zuständige Regierungspräsidium erklärte am Donnerstag, eine Verlegung infizierter Personen komme aus fachlichen Gründen nicht in Betracht. Dadurch könnten neue Infektionsketten ausgelöst werden. Zudem sei angesichts von 480 zur Verfügung stehenden Plätzen und einer Belegung mit 300 Personen eine adäquate Unterbringung gewährleistet. "Wir werden das Ausbruchsgeschehen genau analysieren und anhand der ermittelten Infektionsketten in Kooperation mit dem Gesundheitsamt geeignete Maßnahmen ergreifen", sagte ein Sprecher.

Der Corona-Ausbruch hatte Kassel über Nacht in die höchste Infektionswarnstufe des Landes Hessen katapultiert. In der nordhessischen Stadt lag die Zahl der Infektionen pro 100 000 Einwohner in sieben Tagen am Donnerstag bei 97,6. Sie ist damit die Region mit der höchsten Inzidenz in Hessen.

Kassel gilt als Gebiet mit erhöhtem Infektionsrisiko - obwohl es ohne den Ausbruch im Flüchtlingsheim unter dem kritischen Wert von 50 geblieben wäre und die Einrichtung bereits seit Tagen unter Quarantäne stand. "Ob es gerechtfertigt ist oder nicht: Wir müssen gemeinsam Anstrengungen unternehmen, damit diese Inzidenz wieder runtergeht", sagte Kassels Oberbürgermeister Christian Geselle (SPD). Angesichts steigender Infektionszahlen hätte Kassel vermutlich ohnehin in den nächsten Tagen die kritische Schwelle überschritten.

Die Stadt hatte als Reaktion auf die Entwicklung unter anderem eine Waffenbörse verbieten wollen, zu der Tausende Besucher erwartet werden. Doch die dürfte am Donnerstag zunächst starten, nachdem das Verwaltungsgericht in einem Eilverfahren dem Veranstalter, der Expo Management GmbH, Recht gegeben hatte. Es herrsche große Erleichterung bei Ausstellern und Besuchern, endlich wieder "Business as usual" - wenn auch unter Auflagen - auf der Traditionsmesse machen zu können, erklärte der Veranstalter. Zudem gebe es ein Hygienekonzept. Die Veranstaltung soll bis Sonntag gehen.

Geselle kündigte Beschwerde vor dem Verwaltungsgerichtshof in Kassel an. Wenn die Messe weiter stattfinde, sei alles hinfällig, was an Corona-Beschränkungen in den vergangenen Tagen beschlossen worden sei.

dpa