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Politik Kritischer Corona-Anstieg in Offenbach
Mehr Hessen Politik Kritischer Corona-Anstieg in Offenbach
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17:32 08.10.2020
Ein Wattestäbchen mit einem Abstrich wird im Labor für einen Corona-Test verarbeitet. Quelle: Oliver Berg/dpa/Symbolbild
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Frankfurt/Main

Sperrstunde und Alkoholverbote in Frankfurt, abgesagte Flohmärkte in Offenbach: Angesichts deutlicher Anstiege bei den Coronavirus-Infektionen in der Rhein-Main-Region wollen die Kommunen mit neuen Maßnahmen gegensteuern. In Hessen haben sich binnen 24 Stunden 306 Menschen nachweislich mit dem Coronavirus infiziert. Die Zahl der Fälle seit Beginn der Pandemie kletterte auf insgesamt 20 662, wie das Sozialministerium in Wiesbaden am Donnerstag (14.00 Uhr) mitteilte.

Offenbach liegt bei der sogenannten 7-Tages-Inzidenz weiterhin über dem kritischen Wert von 50. Binnen sieben Tagen traten dort laut Ministeriumsangaben 51,3 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner auf. Die Stadt selbst sprach gar von 68,3 Fällen. "Die Fallzahlen in Offenbach und in der gesamten Region steigen seit Tagen drastisch an", sagte Oberbürgermeister Felix Schwenke (SPD). "Dieser Trend hat leider auch heute angehalten. Hinzu kommt, dass es auch wieder mehr Patienten in den Krankenhäusern gibt."

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Angesichts des Infektionsgeschehens wurden für das kommende Wochenende geplante Flohmärkte abgesagt. "Mit Überschreiten der 50er Grenze und kurz vor der fünften Warnstufe mit mehr als 75 Neuinfektionen können die Märkte an diesem Wochenende nicht stattfinden", betonte Ordnungsdezernent Peter Freier.

In Frankfurt ist von Freitag an eine Sperrstunde zwischen 23.00 und 6.00 Uhr geplant - ursprünglich sollte sie von 22.00 Uhr an gelten. Das hat der Corona-Verwaltungsstab der Stadt am Donnerstag beschlossen, wie eine Sprecherin des Gesundheitsdezernats mitteilte. Damit reagiere Frankfurt auf entsprechende Beschlüsse der Städte Offenbach und Berlin.

In Bayern hatte das Kabinett bereits im September die Möglichkeit für eine Sperrstunde von 23.00 bis 6.00 Uhr geschaffen. Frankfurt hatte in den vergangenen Tagen hohe Infektionszahlen verzeichnet und näherte sich der Warnstufe 4 der Eskalationsskala des Landes Hessen. "Einheitliche Regeln schaffen Akzeptanz und Vertrauen", sagte der Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) nach der Sitzung des Krisenstabs. Es werde zu Recht erwartet, "dass es keinen regionalen Flickenteppich aus Corona-Regeln gibt".

Mehrere Gastwirte haben Klagen gegen die Sperrstunde angekündigt. "Es wird Eilanträge geben, dann werden Gerichte das entscheiden", sagte der Vorsitzende der Initiative Gastronomie Frankfurt, Madjid Djamegari, am Donnerstag. Eine Sperrstunde um diese Zeit mache keinen Sinn und sei unbegründet.

Der Anstieg der Infektionszahlen gehe nicht auf die Gastronomie zurück. Problematisch seien private oder illegale Partys, gegen die die Stadt bisher nicht ausreichend vorgegangen sei. "Wir sehen nicht ein, dass wir der Sündenbock sein sollen", sagte Djamegari. In der Initiative sind zahlreiche Frankfurter Gastronomen vertreten. Sie würden eine Sperrstunde ab Mitternacht akzeptieren, sagte Djamegari.

Kritik gab es auch von der hessischen AfD - Landessprecher Klaus Hermann sprach am Donnerstag von einem "übertriebenen, nicht nachvollziehbaren Aktionismus" und nannte die Auflagen unverhältnismäßig.

Am Donnerstagvormittag betrug die Zahl der Erkrankten pro 100 000 Einwohnern an sieben aufeinanderfolgenden Tagen für Frankfurt 47. Im Vergleich zum Vortag waren 92 neue Infektionen verzeichnet worden. Insgesamt gibt es in Frankfurt derzeit 565 "aktive" Fälle.

"Mich besorgt sehr, dass wir nach längerer Zeit wieder ein Infektionsgeschehen in einem Alten-und Pflegeheim mit acht infizierten Bewohnerinnen und Bewohnern haben", sagte Gesundheitsdezernent Stefan Majer (Grüne). Zusätzlich besorgniserregend sei der steigende Anteil an positiven Testergebnissen.

Auf der Sitzung des Verwaltungsstabs ging es am Donnerstag auch um die Plätze, Straßen und Anlagen, auf denen von Freitag an bis mindestens Ende kommender Woche ein Alkoholverbot gilt. Betroffen sind unter anderem der Friedberger Platz, mehrere Straßen im Stadtzentrum, vor allem um Opernplatz und Hauptwache, sowie im Bahnhofsviertel und im Kneipenviertel Alt-Sachsenhausen. Auch die Einkaufsstraßen, in denen von Freitag an das Tragen einer Mund-Nase-Bedeckung vorgeschrieben ist, wurden benannt. Unter anderem handelt es sich um die Einkaufsmeile Zeil, die Berger Straße und weitere Straßen in Innenstadt und Bahnhofsviertel.

Nach einer Fortführung kostenloser Corona-Test für die Lehrer in Hessen hat die Landesregierung auch für Erzieherinnen und Beschäftigte in der Kindertagespflege diese Vorsichtsmaßnahme verlängert. Das vom Land finanzierte Angebot gelte nun bis zum 15. November, teilte das hessische Sozialministerium am Donnerstag mit. "Ein Test ist weiterhin alle 14 Tage möglich, um so diesen Beschäftigten in der Kinderbetreuung, einem Arbeitsfeld, in dem weder das Abstandsgebot eingehalten noch die Maskenpflicht umgesetzt werden kann, die Sicherheit zu geben", erklärte Staatssekretärin Anne Janz (Grüne). Das kostenlose Test-Angebot wäre am Donnerstag ausgelaufen.

dpa