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Panorama Zu wenig Retter: Pendler sind Problem für Feuerwehren
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09:26 24.11.2019
Kassel/Wiesbaden/Mühlheim

Der hohe Pendler-Anteil in Hessen stellt Freiwillige Feuerwehren zunehmend vor Probleme. Die Abwesenheit der ehrenamtlichen Einsatzkräfte gefährde die Einsatzbereitschaft am Tage, sagt Harald Popp, Geschäftsführer des Landesfeuerwehrverbandes Hessen: "Die Leute arbeiten nicht mehr am Wohnort und stehen in dieser Zeit in Regel nicht zur Verfügung." Eine Debatte um Pflichtfeuerwehren hält der Verband dagegen für wenig hilfreich. Diese funktionierten nicht.

72 000 Frauen und Männer leisten laut Popp Dienst in den Einsatzabteilungen der 2600 Freiwilligen Feuerwehren in Hessen. Die Zahl schwanke leicht, sei grundsätzlich aber stabil. Wenn es brennt, rückten die Retter in unterschiedlicher Personalstärke aus. "Das richtet sich nach dem Ereignis", sagt Popp. Es gebe Einsätze die könne man in Gruppenstärke mit neun Personen bewältigen, bei anderen ist Zugstärke - 25 Personen - nötig.

Die Personenzahl ist nicht allein ausschlaggebend. Je nach Einsatz sind speziell geschulte Retter nötig - beispielsweise mit Atemgerät oder mit Vollschutz bei Gefahrgutunfällen. Dauere ein Einsatz länger seien weitere Einsatzkräfte mit gleicher Ausbildung nötig. Die Wehren könnten durch Zusammenarbeit fehlende Einsatzkräfte bis zu einem gewissen Grad ausgleichen. Doch gerade bei kleineren Ortschaften könne es auch eng werden - auch wegen der Pendler, sagt Popp.

Laut dem Statistischen Landesamt pendelten in Hessen zuletzt knapp 55 Prozent der Erwerbstätigen aus ihrer Heimatkommune heraus. In einzelnen Kreisen kann dieser Durchschnittswert wesentlich höher liegen. Auch der Hessische Städte- und Gemeindebund kennt die Sorgen der Freiwilligen Feuerwehren: "Das ist ein sehr großes Problem", sagt Direktor Karl-Christian Schelzke. Alternativen gebe es nicht, Berufsfeuerwehren seien für die meisten Gemeinden nicht bezahlbar.

Für Schlagzeilen sorgten kürzlich die Personalsorgen der Freiwilligen Feuerwehr Ginsheim-Gustavsburg (Kreis Groß-Gerau). "Im Stadtteil Ginsheim gibt es genügend Einsatzkräfte in der Feuerwehr, im Stadtteil Gustavsburg herrscht aktuell ein Mangel an Einsatzpersonal", sagte Marcus Gerngroß, Sprecher des hessischen Innenministeriums.

Deshalb sei in Erwägung gezogen worden, Einwohner im Stadtteil Gustavsburg zum ehrenamtlichen Dienst in der Feuerwehr zu verpflichten. Das erlaubt das hessische Brandschutzgesetz. Es sieht die Verpflichtung von Bürger und eine komplette Pflichtfeuerwehr vor. Diese werde eingerichtet, wenn eine Freiwillige Feuerwehr nicht zustande kommt. "Die Einrichtung einer Pflichtfeuerwehr sollte aber immer nur die letzte Möglichkeit sein, um den Brandschutz und die Allgemeine Hilfe innerhalb einer Gemeinde sicherzustellen", erklärt Gerngroß.

In anderen Bundesländern sind Feuerwehren bereit diesen Schritt gegangen. So verpflichtete Grömitz in Schleswig-Holstein Bürger zum Dienst in der Feuerwehr. Auch in Hessen gab es laut Innenministerium so etwas schon: In der Gemeinde Lindenfels (Kreis Bergstraße) wurden im Ortsteil Seidenbuch im Jahr 2002 ebenfalls Einwohner für den Feuerwehrdienst herangezogen. Nach zwei Jahren sei die Freiwillige Feuerwehr in diesem Ort wieder funktionsfähig gewesen.

Der Feuerwehrverband hält von solchen Modellen nichts. "Sie funktionieren nicht, das haben viele Pflichtfeuerwehren in benachbarten Bundesländern gezeigt", sagt Harald Popp. Wer keine Lust habe, finde viele Gründe nicht, bei Einsätzen mitzufahren. Zudem lebten Freiwillige Feuerwehren von der Überzeugung ihrer Mitglieder. Popp sieht auch die Kommunen bei der Lösung des Problems in der Pflicht: Sie sollten Feuerwehrangehörige bevorzugt einstellen, um sie im Ort zu halten. Laut dem Städte- und Gemeindebund sind dabei aber Grenzen zu beachten: Nur bei gleicher Eignung und Qualifikation der Bewerber dürfe so etwas ausschlaggebend sein.

Einigkeit herrscht dagegen, dass die Würdigung des ehrenamtlichen Feuerwehrdienstes entscheidend ist, damit genug Einsatzkräfte in Zukunft verfügbar sind. "Damit das Ehrenamt im Brand- und Katastrophenschutz trotz steigender Anforderungen im Beruf und knapper werdender Freizeit erhalten bleiben kann, braucht es Rückendeckung", erklärt das Innenministerium. Respekt, Verständnis und Flexibilität im sozialen Umfeld und der Arbeitswelt würden dazu beitragen.

dpa

Rund 11 000 offene Haftbefehle gibt es in Hessen. Bei den meisten Fällen handelt es sich nach Angaben des Innenministeriums um Alltagskriminalität und geringfügige Straftaten wie das Erschleichen von Leistungen, Fahren ohne Führerschein oder einfache Körperverletzung.

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