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Panorama Zeuge im Drach-Prozess: "Ich träume jede Nacht davon"
Mehr Hessen Panorama Zeuge im Drach-Prozess: "Ich träume jede Nacht davon"
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16:51 12.05.2022
Der Angeklagte Thomas Drach (M) kommt mit dem Hubschrauber auf dem Gelände des Justizzentrums Köln an.
Der Angeklagte Thomas Drach (M) kommt mit dem Hubschrauber auf dem Gelände des Justizzentrums Köln an. Quelle: Thomas Banneyer/dpa
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Köln

Im Prozess gegen Reemtsma-Entführer Thomas Drach hat ein Nebenkläger geschildert, wie sehr er noch immer unter den Folgen eines Überfalls leidet. "Ich träume jede Nacht davon", sagte der Zeuge am Donnerstag. Regelmäßig habe er Panik-Attacken und sei immer noch in psychologischer Behandlung. An einem Gehstock und auf wackligen Beinen betrat er am Donnerstag Saal 112 im Kölner Landgericht.

Der 56-Jährige war im März 2019 bei einem Drach zur Last gelegten Raubüberfall auf einen Geldtransporter am Flughafen Köln/Bonn angeschossen und schwer an beiden Oberschenkeln verletzt worden.

Nach Verlassen des "Panzers" - wie der Zeuge den Geldtransporter bezeichnete - sei von hinten jemand auf ihn und seinen Kollegen zugelaufen. "Der hat geschnauft hinter mir wie ein älterer Herr." Dann habe jemand gesagt: "Leg dich hin!" Er habe das nicht sofort gemacht, sondern sich umgeschaut. "Es gibt Leute, die machen auch mal Witze", sagte er.

Doch diesmal war es kein Witz, denn er habe einen Maskierten gesehen mit einem "Maschinengewehr vor der Brust". Da er 2018 an beiden Hüften operiert worden war, habe er sich nicht einfach auf den Boden werfen können. Da sei auch schon der Schuss gefallen: "Mein Oberschenkelknochen ist quasi explodiert." Er sei dem Räuber wohl nicht schnell genug beim Hinlegen gewesen.

Die Polizei vermutete damals offensichtlich zunächst, dass Mitglieder der linken Terrorgruppe Rote Armee Fraktion (RAF) hinter dem Überfall stecken könnten. Als er kurz nach dem Überfall im Krankenhaus auf seine OP gewartet habe, habe man ihm ein RAF-Fahndungsplakat gezeigt und gefragt, ob er jemanden wieder erkenne, was er verneint habe.

Drach erlangte Bekanntheit nachdem er 1996 den Erben der Hamburger Tabakdynastie entführt und erst nach einer Lösegeldzahlung wieder freigelassen hatte. Der heute 61-Jährige war dafür zu 14 Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt worden. In dem jetzt laufenden Prozess in Köln werden ihm vier Raubüberfälle auf Geldtransporter in Köln, Frankfurt am Main und im hessischen Limburg vorgeworfen. Mitangeklagt ist ein mutmaßlicher Komplize aus den Niederlanden.

© dpa-infocom, dpa:220512-99-259241/5

dpa