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Panorama Ersatzeltern für Kinder in Not: Pflegefamilien gesucht
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11:29 28.04.2019
Eine Frau steht mit ihrem Pflegekind vor einem Plakat mit der Aufschrift «Pflegekinder machen dein Leben bunter». Quelle: Marc Tirl/Archivbild
Wiesbaden

Konflikte, eine kranke Mutter oder Gewalterfahrung: Mehrere Tausend Kinder in Hessen können nicht bei ihren Eltern aufwachsen und leben für eine gewisse Zeit oder auf Dauer in Pflegefamilien. Der Bedarf an Ersatzvätern und -müttern sei im gesamten Bundesgebiet kontinuierlich gestiegen, berichtet das Sozialministerium in Wiesbaden. Die Jugendämter versuchen daher, für die Aufnahme von Kindern aus Problemfamilien zu werben.

"Pflegeeltern übernehmen eine sehr verantwortungsvolle Rolle, da sie Kindern eine Ersatz- oder Ergänzungsfamilie bieten, wenn die leiblichen Eltern vorübergehend oder dauerhaft nicht in der Lage sind, die Betreuung und Erziehung des Kindes wahrzunehmen", heißt es aus dem Ministerium. In Hessen lebten demnach zuletzt (Stand Ende 2017) rund 4400 Kinder und Jugendliche bei Pflegeeltern, im Jahr 2007 waren es knapp 3300.

"In den vergangenen Jahren sind die Bedarfe wegen Kindeswohlgefährdungen generell gestiegen, so dass in der Folge mehr Kinder in Pflegefamilien untergebracht wurden", erläutert das Ministerium. Mit ihrem "familiären Setting" seien diese oft eine Alternative etwa zur Heimunterbringung. Die Ersatzeltern bekommen für ihren Einsatz ein Pflegegeld sowie einen Erziehungsbeitrag gezahlt.

"Es ist natürlich immer gut und besser für Kinder, in einer familienähnlichen Struktur aufzuwachsen", sagt die Bundesgeschäftsführerin des Deutschen Kinderschutzbundes, Cordula Lasner-Tietze. "Das hat etwas mit Bezugspersonen und Bindungen zu tun, aber auch mit Stigmatisierung." Wo ein Kind am besten unterkomme, könne man aber nicht pauschal sagen. "Es ist immer auch ganz wichtig, dass das Kind bei der Entscheidung, wo es leben soll, mit einbezogen wird. Und dafür muss man sich Zeit nehmen."

Jugendämter in Hessen werben unter anderem mit Flyern für die Aufnahme eines Pflegekindes und informieren über die Voraussetzungen und Anforderungen sowie die Formen der Begleitung und Beratung. Der Kreis Marburg-Biedenkopf etwa bietet Schulungen an. Wiesbaden hat unter anderem eine Broschüre aufgelegt mit "Informationen für Pflegeeltern und solche, die es werden wollen".

In der Landeshauptstadt gibt es einen deutlichen Bedarf an Ersatzeltern für Kinder ab einem Alter von zwei bis sechs Jahren. Das sei eine Entwicklung der vergangenen Jahre, Tendenz steigend, sagt eine Sprecherin. Zwar hätten auch Babys teils einen schwierigen Hintergrund. Für diese Altersgruppe gebe es aber noch genügend Bewerber.

Pflegeeltern entschieden sich aus den unterschiedlichsten Gründen dafür, ein fremdes Kind aufzunehmen, berichtet Carmen Thiele vom Bundesverband der Pflege- und Adoptivfamilien. "So gibt es Eltern, die Zeit und Lust haben, Eltern zu bleiben, obwohl die eigenen Kinder schon groß sind. Andere nehmen ein Pflegekind auf, weil sie genau diesem Kind etwas Gutes tun möchten." Oder es entschieden sich kinderlose Paare dafür.

Pflegeeltern sollten bereit sein, sich auf die "Bedürfnisse des Kindes mit ihrem Erziehungsverhalten einzustellen", meint Thiele. Und sie benötigten eine "hohe Frustrationsschwelle". Probleme ergeben sich demnach beispielsweise aus dem oft unerwarteten Verhalten ihrer Schützlinge. Zu beachten sei auch: "Kinder, die in eine Pflegefamilie kommen, haben eine Geschichte und eine Familie vor der Pflegefamilie. Es ist für Pflegeeltern wichtig, dieses zu akzeptieren und zuzulassen. Dieser Teil der Lebensgeschichte des Kindes wird immer wichtig bleiben."

Pflegeeltern müssten sich über ihre Aufgabe im Klaren sein, sagt auch Lasner-Tietze vom Kinderschutzbund. "Die Kinder sind in einer sehr schwierigen Situation, weil sie aus sehr belasteten Familienverhältnissen kommen. Eine große Herausforderung für Pflegefamilien ist, dass sie mit der schwierigen Vergangenheit des Kindes konfrontiert werden." Das Kind könne aber die Situation meistern, wenn es gut begleitet werde: "Es braucht Pflegeeltern, die gut geschult sind und soziale Kompetenzen mitbringen."

dpa

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