Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Panorama Mit Feuchtsalz und Salzticker durch den Winter
Mehr Hessen Panorama Mit Feuchtsalz und Salzticker durch den Winter
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:31 11.11.2021
Ein Räumfahrzeug der Straßenmeisterei Usingen steht unter einem Salzsilo bereit für den Einsatz im Winterdienst.
Ein Räumfahrzeug der Straßenmeisterei Usingen steht unter einem Salzsilo bereit für den Einsatz im Winterdienst. Quelle: Arne Dedert/dpa
Anzeige
Usingen

Der Winter kann kommen: Hessen Mobil hat rund 90.000 Tonnen Salz eingelagert. Alle Salzhallen und Silos in den 46 Straßenmeistereien seien randvoll, berichtete die für Straßen- und Verkehrsmanagement zuständige Behörde am Donnerstag in Usingen. In der vergangenen Saison hatte das Land viel Salz nachbestellen müssen, nun wurde gleich mehr geordert. "Wie viel Salz wir hessenweit verbrauchen, können Sie auch in diesem Jahr wieder online nachschauen", sagte Heiko Durth, der Präsident von Hessen Mobil. Der "Salzticker" ist bereits online.

Im Winterdienst sind bei Hessen Mobil rund 1000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und rund 350 Fahrzeuge im Einsatz. Sie betreuen insgesamt etwa 15.200 Kilometer Bundes-, Landes- und Kreisstraßen - Autobahnen sind in der Verantwortung des Bundes. Je nach Bedarf arbeiten die Kollegen in Schichten von 6 bis 22 Uhr, wie der Abteilungsleiter Betrieb und Verkehr, Rupert Pfeiffer, erklärte. Hessen Mobil nutzt dafür regionale Daten des Deutschen Wetterdienstes und "Glättefrüherkennungssysteme" im hessischen Straßennetz.

Hessen Mobil setzt nach eigenen Angaben auf vorbeugenden Winterdienst: "Wenn Glätte gar nicht erst entsteht, wird weniger Salz benötigt. Das schont die Umwelt und erhöht die Verkehrssicherheit." Um möglichst wenig Salz zu verbrauchen, nutzt Hessen Mobil eine computergesteuerte Streutechnik sowie Feuchtsalz, das sich gleichmäßig verteilt, sehr gut haftet und schon bei kleiner Menge große Tauwirkung erzielt. "Pro Quadratmeter genügt ein Teelöffel", erklärten die Experten.

"Bei Streu- und Räumeinsätzen setzen wir Prioritäten", sagte Durth: "Strecken mit hoher Verkehrsbelastung oder neuralgische Punkte fahren wir zuerst an, Parkplätze oder Verbindungsrampen beispielsweise eher nachrangig."

Im vergangenen Winter verbrauchte Hessen Mobil 110.000 Tonnen Streusalz. In den beiden milden Wintern davor hatten 55.000 beziehungsweise 40.000 Tonnen ausgereicht. Im besonders harten Winter 2009/10 waren es dagegen mehr als 150.000 Tonnen gewesen. Sollte sich herausstellen, dass mehr gebraucht wird als eingelagert, sei Nachbestellen kein Problem, hieß es sowohl bei der Autobahn GmbH als auch bei Hessen Mobil. Es gebe keine Lieferschwierigkeiten.

Für den Winterdienst auf Autobahnen ist seit 2021 die neu gegründete Autobahn GmbH des Bundes zuständig. Deren regionale Niederlassungen arbeiten über die Ländergrenzen hinweg. "Betriebliche Daten, die sich über Niederlassungsgrenzen hinweg auf einzelne Bundesländer beziehen, werden nicht mehr erhoben", erklärte eine Sprecherin zum Stand der Winterdienstvorbereitungen. Die Autobahnen in Hessen werden von den drei Niederlassungen betreut, dort laufe alles planmäßig.

Auch die Städte rüsten sich für die kalten Tage. In Frankfurt etwa lagern - wie im Vorjahr - 8500 Tonnen Salz in den Depots, wie ein Sprecher der Frankfurter Entsorgungsbetriebe FES berichtete. Dazu kommen 200.000 Liter Sole, 2000 Tonnen Salz-Split-Gemisch und 19 Tonnen "Schnee+Eisfrei" für den Einsatz auf der Zeil.

Bei der Streusalzmenge sind die Kommunen flexibel: Je nach Bedarf werde nachgeordert. Allerdings sind die Preise teilweise leicht gestiegen. Kassel etwa berichtet von 1,4 Prozent Mehrkosten beim Streusalz, Fulda und Gießen hingehen sprechen von stabilen Preisen.

Die Kosten für den gesamten Winterdienst schwanken stark. In Taunusstein beispielsweise waren es im vergangenen Winter 450.000 Euro, zwei Jahre davor reichten 153.000 Euro aus. Trotz modernster Wettervorhersagen ließen sich Einsätze nicht immer planen, sagte ein Sprecher der Entsorgungsbetriebe Wiesbaden: Das mache die Planung und Organisation der Bereitschaft durchaus kompliziert.

© dpa-infocom, dpa:211111-99-959261/3

dpa