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Panorama Winter setzte Straßen zu: Viele Schlaglöcher füllen
Mehr Hessen Panorama Winter setzte Straßen zu: Viele Schlaglöcher füllen
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05:35 24.03.2021
Ein großes Schlagloch auf einer Straße.
Ein großes Schlagloch auf einer Straße. Quelle: Boris Roessler/dpa/Archivbild
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Frankfurt/Main

In vielen Straßen in den hessischen Städten und auf dem Land klaffen Schlaglöcher. Wechselhaftes Wetter mit Minusgraden und Regen hat den Fahrbahnen zugesetzt. Um Unfälle zu vermeiden, laufen die Ausbesserungsarbeiten auf Hochtouren, zunächst auf den Hauptverkehrsstraßen und oft auch erst einmal provisorisch. Viele Kommunen sehen deutlich höhere Kosten als in den Vorjahren auf sich zukommen.

Auch auf Bundes-, Landes- und Kreisstraßen wird kräftig repariert, wie die Verkehrsbehörde Hessen Mobil mitteilt. Die Schlaglöcher werden bei Kontrollfahrten entdeckt, bei denen jede Straße mindestens einmal pro Woche abgefahren werde. Bisher seien von den Straßenmeistereien zwar viele, aber noch nicht ungewöhnlich viele Schlaglöcher gemeldet worden. Die Bilanz stehe noch aus, sagt Sprecher Dirk Kronewald.

Richtig gefährlich können Schlaglöcher für Radfahrende sein, wie der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) warnt. Zur Sturzgefahr vor allem bei Regen oder Dunkelheit komme, dass plötzliche Ausweichmanöver nötig werden, mit denen der übrige Verkehr nicht rechne, sagt der stellvertretender ADFC-Vorsitzende in Hessen, Xavier Marc. Schlaglöcher müssten schnellstmöglich repariert werden, auch auf Radwegen. Ausbessern helfe aber nur kurzfristig. "Die einzig wirkliche Lösung ist, dass die Kommunen mehr Geld in die grundhafte Sanierung der Radverkehrsflächen investieren", sagt Marc. Im ADFC-Fahrradklima-Test zähle die Oberfläche von Radwegen und Radstreifen in Hessen seit Jahren zu den überwiegend schlecht bewerteten Kriterien.

Die Stadt FRANKFURT hat in diesem Jahr bisher mehr Schlaglöcher registriert und gemeldet bekommen als im Vorjahr, erklärt die Leiterin des Amts für Straßenbau und Erschließung, Michaela Kraft. Darunter war auch ein riesiges Schlagloch auf der stark befahrenen Nibelungenallee im Nordend, das die Stadt nun in einer Nachtaktion reparieren ließ: rund zwei Quadratmeter groß war das Loch. Allein hier liefen Kosten von etwa 20 000 Euro auf.

Insgesamt seien stadtweit mehr als 320 Schlaglöcher registriert worden, 2020 seien es 214 Fälle gewesen. Die dadurch entstandenen Kosten seien schwierig zu beziffern. Die provisorische Füllung koste im Schnitt rund 150 Euro. Würden weitere, umfänglichere Arbeiten nötig, könne dies schnell mehrere Tausend Euro kosten. Repariert würden zunächst sehr stark befahrende Hauptstraßen - außer, auf Nebenstraßen sei die Verkehrssicherheit gefährdet, dann sei auch dort Eile geboten.

Auch auf den Straßen in WIESBADEN hat der Winter mit häufigen Frost-Tau-Wechseln im Vergleich zu den vergangenen Jahren mehr Schlaglöcher verursacht. 1115 Schadstellen mit ein bis drei Schlaglöchern meldet das Verkehrsdezernat, im Winter zuvor seien es 880 gewesen. Bislang seien Aufträge an Tiefbaufirmen in Höhe von rund 50 000 Euro vergeben worden, hinzu kämen Eigenleistungen durch die Straßenmeisterei. "Die Beseitigung ist derzeit im vollen Gange. Vorrangig werden Hauptverkehrsstraßen behandelt", berichtet ein Sprecher.

Ein ähnliches Bild zeigt sich in DARMSTADT: "Das Kalenderjahr 2020 liegt bei den Schäden um etwas mehr als ein Drittel über 2019 und die Schäden haben subjektiv im ersten Quartal 2021 nicht nachgelassen", berichtet die Stadt. Anzahl und Intensität der Frostwechsel waren auch hier eine Herausforderung für die Straßen, die Kosten kann Darmstadt noch nicht einschätzen.

Durch den strengeren Winter stellt auch FULDA mehr Schlaglöcher fest. Zahlen liegen noch nicht vor. "An der Beseitigung der Schlaglöcher sind wir seit etwa vier Wochen, mit wenigen kurzen Unterbrechungen, dran", teilte ein Sprecher mit. Auch in Osthessen liegt dabei ein erhöhtes Augenmerk auf den Hauptverkehrsstraßen. "Dennoch werden Schlaglöcher, die ein mögliches großes Unfallrisiko darstellen, auch in untergeordneten Straßen mit Priorität behoben", heißt es in der Mitteilung. An Materialkosten seien bisher rund 15 000 Euro veranschlagt plus Arbeitsleistung des städtischen Straßenservice. Die Leistung von Fremdunternehmen werde auf rund 70 000 Euro geschätzt.

KASSEL geht nach Angaben eines Sprechers im Gegensatz zu den beiden vorangegangenen milden Wintern "von nicht unerheblichen Schäden" aus. Problem auch in Nordhessen: häufige Frost-Tau-Wechsel. Wie hoch die Kosten sind, werde erst im April feststehen. Die Reparaturarbeiten setzen in Kassel ein, sobald ein Schaden entsteht. "Zu Spitzenzeiten waren wir im Februar mit fünf Unterhaltungskolonnen im Einsatz", berichtet der Sprecher. Die Stadt habe in den vergangenen Jahren investiert, so dass der Anteil von Fahrbahnen mit baulich stark eingeschränktem Zustand verringert wurde - und damit die Zahl der Straßen, die für Schlaglöcher besonders anfällig sind.

© dpa-infocom, dpa:210324-99-945910/2

dpa