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Panorama Wildparker hoffen auf Abkühlung: Spaßbremse Abschleppwagen
Mehr Hessen Panorama Wildparker hoffen auf Abkühlung: Spaßbremse Abschleppwagen
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13:02 14.08.2020
Badegäste genießen den Sommertag am Langener Waldsee in Langen bei Frankfurt am Main, einem Baggersee. Quelle: Boris Roessler/dpa/Archivbild
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Langen

Temperaturen bis weit über 30 Grad lassen auf einen Liegeplatz am Badesee hoffen. Die Anreise per Auto ist manch einer Gemeinde aber ein Dorn im Auge. Der Langener Waldsee hat wegen eines Park-Chaos am vergangenen Wochenende am Dienstag vorerst gänzlich dicht gemacht, andere Kommunen blicken genau hin.

In Langen machten sich Badegäste trotz der Bitte, zu Fuß oder mit dem Fahrrad zu kommen, mit dem Auto auf den Weg. Die Fahrzeuge standen auf der teils vierspurigen Bundesstraße 44 und wurden auf Waldwegen abgestellt - trotz Waldbrandgefahr und gesundheitlich belastender Hitze. Rettungswege waren versperrt.

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Bürgermeister Jan Werner (parteilos) entschuldigte sich per Mitteilung für die Schließung, sah aber keinen anderen Weg. "Es wäre sicher neben dem Aspekt der Sicherheit für viele lehrreich gewesen, mit Sack und Pack vom See zu kommen und das Auto ist weg. Stattdessen kapituliert man und macht den Laden dicht", wurde via Twitter kritisiert.

Auch am Edersee hat die Sommerhitze der vergangenen Tage für einen starken Besucherzustrom gesorgt. Der Geschäftsführer der Edersee Touristic GmbH, Claus Günther, sprach von einem "starken Druck der Tagesbesucher". Vor allem an den Wochenenden seien die Parkplätze überfüllt gewesen, wohl auch, weil die rund um den See angebotenen Stellplätze für Wohnmobile nicht ausreichten und die Besitzer solcher Mobile andere Parkplätze mitnutzten. Die Situationen habe sich aber jeweils schnell regeln lassen.

An der Grube Prinz von Hessen in Darmstadt oder dem Twistesee in Bad Arolsen will man am Wochenende wieder genau hinsehen. "Auch in Darmstadt spielt die Waldbrandgefahr eine Rolle. Hinzu kommt das zuweilen rücksichtslose Zuparken von Rettungs- und Radwegen", sagte ein Sprecher der Stadt. Eine Schließung der Grube Prinz von Hessen sei derzeit nicht geplant. Zunächst solle es stärkere Kontrollen und Appelle geben. "Die Stadt beobachtet aber die Situation sehr genau." Aus dem Krisenstab der Covid-19-Pandemie hieß es schon zum Wochenstart, der Andrang sei aufgrund der heißen Temperaturen so groß gewesen, dass es praktisch unmöglich wurde, Abstandsregelungen durchzusetzen. Noch problematischer sei allerdings die Parksituation gewesen. Hier seien beide Straßenseiten inklusive der Fahrradwege mit zeitweise bis zu 300 Autos zugeparkt worden.

Auch der Twistesee bei Bad Arolsen im Landkreis Waldeck-Frankenberg war am vergangenen Wochenende stark frequentiert. Dabei kam es zu zahlreichen Parkverstößen, wie der parteilose Bürgermeister Jürgen van der Horst sagte. "Für das kommende Wochenende haben wir eine weitere Verstärkung der Kontrolltätigkeit der Sicherheitsbehörden vorgesehen." Das schließe insbesondere das konsequente Abschleppen von Fahrzeugen ein, die im Bereich von Rettungswegen abgestellt werden. "Wir sind logistisch auf eine größere Zahl von abzuschleppenden Fahrzeugen vorbereitet", drohte er Parksündern im Vorfeld.

Gewappnet sieht man sich am Strandbad Spessartblick in Großkrotzenburg im Main-Kinzig-Kreis. Es gebe knapp 2000 Parkplätze für Autos, hieß es bei der Bad-Verwaltung. Wenn es dort zu voll werde, würden die Leute abgewiesen, dabei helfe auch das Ordnungsamt. Am vergangenen Wochenende seien sechs Einweiser beschäftigt gewesen. Am Samstag und Sonntag habe man die Zufahrt zum See-Parkplatz geschlossen, weil es zu voll wurde. Den Badewilligen werde gesagt, dass sie eh nicht mehr in das Strandbad kämen.

Am Bärensee in Bruchköbel hat man in Pandemie-Zeiten die Tore für Tagesgäste gleich dicht gemacht, um Chaos zu verhindern. "Wir sind einer der größten Campingplätze", sagte der Leiter der wirtschaftlichen Betriebe der Stadt, Ralf Keim. Geöffnet sei nur für Dauercamper und derzeit seien rund 3000 Menschen auf dem Platz. Viele würden dort nun ihren Jahresurlaub verbringen, weil sie wegen der Pandemie nicht ins Ausland fahren. "Externe Badegäste, das schaffen wir nicht, das sprengt unsere Kapazitäten."

Die Polizei in Homburg appellierte extra vor dem Wochenende, sich etwa am Singliser See bei Borken im Schwalm-Eder-Kreis an Parkregeln und Abstandsregeln zu halten. Ordnungsamt, ein Sicherheitsdienst und Polizei würden verstärkt kontrollieren, Abschleppdienste stünden bereit. Auf Kreis- und Landstraßen bestehe außerhalb geschlossener Ortschaften ein Parkverbot. Auch bestehe eine erhöhte Brandgefahr, wenn Fahrzeuge am Fahrbahnrand, auf einem Feld oder einem Feldweg abgestellt würden. Rund um den See war es laut Polizei zuletzt immer wieder zu Parkverstößen gekommen. Durch rücksichtsloses Abstellen von Wagen seien wichtige Rettungs- und Zufahrtswege für Feuerwehr und Rettungsdienst blockiert und Anwohner verärgert worden. "Rund um den Singliser See wurden hundertfach Knöllchen verteilt und viele Kraftfahrzeuge mussten abgeschleppt werden."

Vom Baden in Flüssen oder in Seen, die nicht als Badegewässer ausgewiesen sind, raten Behörden dringend ab. In Flüssen bestehe die Gefahr von Strömungen durch den Schiffsverkehr oder auch wegen Hygienemängeln. Und auch bei den Seen würden nur die Badeseen auf Verunreinigungen überwacht, sagte Winfried Staudt vom Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie. Bei den derzeitigen Temperaturen könnten sich durchaus Blaualgen bilden und Bakterien auch zu Krankheitssymptomen führen. In Hessen seien derzeit 48 der 61 überwachten Badegewässer auch geöffnet.

Nach einem tödlichen Badeunfall an einem Baggersee bei Groß-Rohrheim im Kreis Bergstraße ziehen die Verantwortlichen noch vor dem Wochenende die Reißleine. Der See wird eingezäunt. "Baden war da schon immer verboten", sagte der Bürgermeister der Gemeinde, Rainer Bersch. Am vergangenen Samstag war dort ein 17 Jahre alter Nichtschwimmer ertrunken, der sich bei der Sommerhitze abkühlen wollte. Die alarmierten Rettungskräfte konnten den jungen Mann nur noch tot bergen.

dpa