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Panorama Hessen erwartet Ansturm auf Corona-Hilfen: Neue Infektionen
Mehr Hessen Panorama Hessen erwartet Ansturm auf Corona-Hilfen: Neue Infektionen
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19:02 25.03.2020
Das Schild der Helios-Kliniken «Dr. Horst Schmidt Kliniken Wiesbaden» ist an einer Mauer angebracht. Quelle: Andreas Arnold/dpa/Archivbild
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Wiesbaden

Das Coronavirus wirkt sich weiter auf fast alle Lebensbereiche in Hessen aus. Während die Zahl der Infizierten steigt, stehen auch die wirtschaftlichen Auswirkungen weiter im Fokus. Die wichtigsten Themen des Tages zu Covid-19 im Überblick:

HILFE FÜR WIRTSCHAFT

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Die schwarz-grüne Koalition rechnet mit einem riesigen Ansturm auf die finanziellen Hilfsprogramme für die Wirtschaft in der Corona-Krise. Der Großteil der Unternehmer im Land sei von den wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie betroffen, erklärten Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) und Finanzminister Thomas Schäfer (CDU) am Mittwoch in Wiesbaden. Bei vielen Betroffenen gehe es nicht nur um leere Auftragsbücher oder geschrumpfte Einnahmen, sondern um die Existenz. Er rechne mit weit über 200 000 Betrieben in Hessen, die wegen der Corona-Krise die Hilfsprogramme von Bund und Land beantragen werden, sagte der Finanzminister. Die Zahl der potenziellen Antragsteller liege insgesamt bei rund 250 000 Firmen in Hessen.

FALLZAHLEN UND TODESFÄLLE

In Hessen haben sich weitere Menschen mit dem Coronavirus angesteckt. Die Zahl der bestätigten Fälle lag am Mittwoch (Stand 14.00 Uhr) bei 1909, wie das Sozialministerium mitteilte. Damit gab es 292 mehr Infizierte als am Vortag. Die Zahl der Todesfälle, die auf den Erreger Sars-CoV-2 zurückgeführt werden, stieg auf sechs. Die Stadt Frankfurt meldete mit 212 Fällen die meisten Infizierten, gefolgt vom Landreis Groß-Gerau (118) sowie den Kreisen Limburg-Weilburg und Fulda (beide 110). Die wenigsten Fälle - zehn - wurden bislang im nordhessischen Werra-Meißner-Kreis registriert.

KONTAKTVERBOT

Im Kampf gegen die Corona-Krise halten sich nach Einschätzung des Innenministeriums fast alle Hessen an die strengen Kontaktregeln. Landesweit seien in den zwei Tagen seit Inkrafttreten am Montag 179 Verstöße registriert worden. In diesen Fällen seien Menschengruppen mit mehr als zwei Personen in der Öffentlichkeit angetroffen worden, die nicht zu einem Hausstand zählen oder geschäftlich unterwegs sein müssen. "Die Betroffenen reagierten fast alle nach der Ansprache durch die Polizei verständnisvoll und lösten die Zusammenkünfte auf oder hielten sich danach an den wichtigen Abstand von mindestens 1,5 Metern", erklärte das Ministerium. Sieben Menschen mussten den Angaben zufolge zeitweise in Gewahrsam genommen werden, weil sie zum Beispiel Widerstand gegen die Anweisungen der Beamten leisteten.

KLINIKEN RÜSTEN SICH

Krankenhäuser in Hessen rüsten sich für einen Zustrom von Coronavirus-Patienten. Die Dr.-Horst-Schmidt-Kliniken in Wiesbaden etwa wollen schon beim Einlass Patientenströme trennen und solche mit Atemwegsinfekten auf separate Infektionsstationen leiten. Auch das Universitätsklinikum Frankfurt und das Klinikum Darmstadt hatten bekanntgegeben, Vorkehrungen zu treffen. Deutschlands größter privater Klinikbetreiber Fresenius Helios verzeichnet derweil keinen Andrang von Coronavirus-Patienten. "Es tut sich was, aber wir verzeichnen noch keinen sprunghaften Anstieg", sagte eine Sprecherin.

BRIEF AN HESSEN

Landtagspräsident Boris Rhein (CDU) hat sich in einem offenen Brief an die Bürger in Hessen gewandt und ihnen Mut in der Corona-Krise zugesprochen. "Uns alle umtreiben Unsicherheit und Ungewissheit. Und dennoch zeigen Sie alle in besonders hohem Maße Hilfsbereitschaft und Kreativität", schrieb Rhein in der Veröffentlichung am Mittwoch. "Das gibt Zuversicht und berührt auch mich sehr."

SITUATION IN PFLEGE

Pflegeheime für Senioren und ambulante Pflegedienste in Hessen stemmen sich bisher erfolgreich gegen eine Verbreitung des Coronavirus. "Aktuell wurde uns nur eine Handvoll Fälle angezeigt, sowohl ambulant als auch stationär", sagte Michael Greiner, Geschäftsstellenleiter Mitte des Landesverbands Ambulante Dienste und Stationäre Einrichtungen (bad) in Frankfurt am Mittwoch. Betreiber von hessischen Pflegeeinrichtungen wie das Deutsche Rote Kreuz (DRK) und die Evangelische Altenhilfe Gesundbrunnen registrierten ebenfalls nur wenige oder gar keine Infektionen. Allerdings sind in vielen Einrichtungen die Besuchsmöglichkeiten mittlerweile stark geschränkt.

KÜNDIGUNGSSTOPP BEI WOHNUNGEN

Nach der Frankfurter ABG Holding kommen auch die Nassauischen Heimstätten (NH) in der Corona-Krise ihren Mietern entgegen. "Als Landesunternehmen mit überwiegend öffentlichem Auftrag haben wir eine Vorbildfunktion und eine besondere gesellschaftliche Verantwortung", sagte der Leitende Geschäftsführer Thomas Hain. Der Unternehmensgruppe mit Sitz in Frankfurt und Kassel gehören rund 59 000 Mietwohnungen in 140 Städten Hessens. Die NH kündigte an, sie werde "auf Kündigungen und Räumungen, die in Zusammenhang mit der aktuellen Corona-Krise stehen, verzichten".

Die NH kündigte an, sie werde "auf Kündigungen und Räumungen, die in Zusammenhang mit der aktuellen Corona-Krise stehen, verzichten". Sollten Mieter selbst gekündigt haben, aber aktuell nicht umziehen können, dürfen sie weiter in ihren Wohnungen bleiben, wenn diese nicht bereits neu vermietet sind. Alle noch nicht ausgesprochenen Mieterhöhungen würden auf das vierte Quartal verschoben.

MEHR DATENVERKEHR WEGEN KRISE

Am Internet-Knoten in Frankfurt hat sich der Datenverkehr von Videokonferenzen in der Coronavirus-Krise verdoppelt. Insgesamt sei der durchschnittliche Datenverkehr um zehn Prozent gestiegen, teilten die Betreiber des DE-CIX-Knotens am Mittwoch mit. "Die Nutzer sind nun auch tagsüber häufiger und länger online, das merken wir stark", berichtete Technikchef Thomas King. An Kapazitätsgrenzen stößt der Internet-Knoten angesichts der Nutzungssteigerung demnach aber nicht. Die notwendigen Bandbreiten könnten bereitgestellt werden, "selbst wenn alle Firmen Europas ausschließlich aus dem Home-Office arbeiteten und nebenher noch ein weltweites sportliches Großevent übertragen werden würde".

RUHESTÄNDLER WOLLEN HELFEN

Auch aus dem Ruhestand bieten derzeit Ärzte in Hessen ihren Kollegen Unterstützung zur Bekämpfung der Corona-Pandemie an. "Wir erhalten täglich viele freundliche Angebote", sagte eine Sprecherin der Hessischen Landesärztekammer. In Absprache mit dem Sozialministerium und anderen Partnern baue die Kammer seit Montag eine Datenbank auf, um darin die eingehenden Unterstützungsangebote systematisch zu erfassen und bedarfsgerecht als ein Angebot-Pool den "aktiven" Kolleginnen und Kollegen zur Verfügung zu stellen, hieß es.

INFIZIERTE BEI LANDESBANK

Im Helaba-Konzern mit seinen mehr als 6000 Beschäftigten haben sich nach Angaben der Landesbank vom Mittwoch bisher acht Beschäftigte mit dem Coronavirus infiziert. Allen gehe es gut, sagte der Vorstandsvorsitzende der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba), Herbert Hans Grüntker, in einer Telefonkonferenz. Das Institut habe die technischen Möglichkeiten zur Arbeit im Home Office stark ausgebaut. "Damit bleibt die Helaba auch in turbulenten Situationen arbeitsfähig", sagte Grüntker.

ABITURPRÜFUNGEN

Die hessischen Abiturprüfungen sind am Mittwoch wie geplant mit dem Fach Mathematik fortgesetzt worden. Das bestätigte ein Sprecher des Kultusministeriums in Wiesbaden. Am Donnerstag steht das Fach Französisch auf der Agenda. Hessen sehe keinen Konflikt mit den strengen Kontaktsperren, die die Ministerpräsidenten der Länder und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Wochenende vereinbart hatten, erklärte der Sprecher.

dpa

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