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Panorama Wetterextreme werden zur Belastungsprobe für Feuerwehren
Mehr Hessen Panorama Wetterextreme werden zur Belastungsprobe für Feuerwehren
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07:40 25.07.2022
Ein Feuerwehrmann löscht in Wächersbach brennende Strohballen.
Ein Feuerwehrmann löscht in Wächersbach brennende Strohballen. Quelle: 5vision media/dpa
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Kassel (dpa/lhe)

Der trockene und heiße Sommer in diesem Jahr bedeutet Dauerstress für die Feuerwehrleute in Hessen: In praktisch allen Regionen mussten sie in den vergangenen Tagen und Wochen schon zu Wald-, Feld- und Böschungsbränden ausrücken und teils über viele Stunden Löscharbeiten leisten. Gerade für die Mitglieder der rund 2600 Freiwilligen Feuerwehren im Bundesland, die neben dieser ehrenamtlichen Tätigkeit im Berufsleben stehen, sei das eine erhöhte Belastung, sagt der Geschäftsführer des Landesfeuerwehrverbandes Hessen, Harald Popp, der Deutschen Presse-Agentur.

Er geht davon aus, dass die Aufgaben mit dem fortschreitenden Klimawandel und aktuellen Entwicklungen wie der erwarteten Gasknappheit in diesem Winter noch zunehmen dürften. So könne es zu Stromausfällen kommen, die beispielsweise die Telekommunikation, aber auch die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln oder Kraftstoff einschränken könnten. «Das wird unter Umständen den Katastrophenschutz vor ganz neue Herausforderungen stellen», sagte Popp. Aus seiner Sicht sollte deshalb jeder Einzelne die Empfehlung des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe befolgen, eine gewisse Menge an Nahrung und Wasser zu bevorraten.

Erst in der vergangenen Woche hatte ein großer Waldbrand bei Cölbe im Landkreis Marburg-Biedenkopf die Freiwilligen Feuerwehren der Umgebung über viele Stunden in Atem gehalten, zeitweise waren dort rund 400 Einsatzkräfte vor Ort, neun von ihnen wurden durch Rauchgas verletzt. Ein unwegsames Gelände, das nicht mit Fahrzeugen angefahren werden konnte, kein direkter Zugang zu Löschwasser, sodass Schläuche verlegt werden mussten, Hitze und Winde, durch die das Feuer seine Richtung wechselte - all das machte den Einsatz zu einer körperlichen Belastung und auch gefährlich für die Feuerwehrleute, wie Popp sagte.

Besonders verwerflich findet er es deshalb, wenn Feuer mutwillig gelegt werden, wie es bei einer Reihe von Bränden rund um das südhessische Heusenstamm in den vergangenen Tagen als Ursache vermutet wird. Hier könne auch das Leben anderer Menschen in Gefahr geraten, wenn die Flammen beispielsweise auf Wohnhäuser übergreifen. Solche Fälle müssten deshalb konsequent verfolgt und geahndet werden, forderte der Geschäftsführer des Landesfeuerwehrverbandes.

Dass bei dem Waldbrand bei Cölbe mit einer Ausdehnung über 50 bis 60 Fußballfelder so viele Einsatzkräfte halfen, verdanke sich der Zusammenarbeit der Wehren, wie Popp deutlich machte: Sofern Kräfte oder auch Löschwasser fehlen, wird nachalarmiert und Feuerwehren aus Nachbarorten kommen - im Falle von Cölbe-Schönstadt auch mit Tankwagen - zur Unterstützung zum Brandort. Landwirte brachten zudem Wasserfässer für die Löscharbeiten. Derzeit erweist sich dieses Vorgehen als besonders wichtig, denn durch die Urlaubszeit und viele Krankheitsfälle sind weniger Einsatzkräfte als üblich im Notfall verfügbar, wie Popp sagt.

Dass die Feuerwehrleute derzeit stärker gefordert sind, können auch ihre Arbeitgeber zu spüren bekommen, wenn die Mitarbeiter etwa nach einem nächtlichen Einsatz an einem Brandort am nächsten Tag später oder gar nicht zur Arbeit erscheinen können. Hier sei Verständnis und Unterstützung, auch seitens der Kollegen gefragt, die gegebenenfalls auch mal für einen Feuerwehrmann oder eine Feuerwehrfrau, der oder die am Arbeitsplatz fehlt, mit anpacken müssen. Um Firmen zu würdigen, die ein feuerwehrfreundliches Arbeitsumfeld bieten und die betreffenden Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen bei Bedarf freistellen, wird seit einiger Zeit die Auszeichnung «Partner der Feuerwehr» verliehen. Hessenweit sei sie schon an rund 1300 Unternehmen vergeben worden, sagte Popp.

Aber nicht nur mehr Brände durch die zunehmende Trockenheit in den Sommermonaten, sondern auch Starkregenereignisse mit Überflutungen dürften die Feuerwehren in den kommenden Jahren verstärkt beschäftigen. Auch wenn Hessen im Bundesvergleich gut dastehe, wäre es aus Popps Sicht wichtig, gerade für Waldbrände und Hochwassereinsätze noch mehr Spezialfahrzeuge und -geräte anzuschaffen.

Das hessische Innenministerium sieht das Bundesland bereits gut gerüstet: Seit dem Jahr 2008 seien mehr als 70 Millionen Euro in die umfängliche Ausstattung und technische Modernisierung des hessischen Katastrophenschutzes investiert worden, erklärt das Ministerium. Dank einer Ausstattungsoffensive sei die Zahl der Landesfahrzeuge im Katastrophenschutz in diesem Zeitraum von 278 auf über 700 mehr als verdoppelt worden. «Dabei hat das Land stets auch die sich verändernden Einsatzlagen und Aufgabengebiete im Blick. Auch die Herausforderungen aufgrund des fortschreitenden Klimawandels werden hierbei berücksichtigt.»

In den vergangenen Jahren seien deshalb schwerpunktmäßig Einsatzmittel zur Bekämpfung von Waldbränden und zur Bekämpfung von Starkregen- und Hochwasserereignissen beschafft worden, darunter etwa 26 Gerätewagen Hochwasserschutz, neun Gerätewagen-Taucher für die Wasserrettungseinheiten sowie 426 Waldbrand-Einsatzsets, die flächendeckend an die Einheiten übergeben worden seien, wie das Ministerium angibt.