Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Panorama Wetter bremst Feldhasen: Bestand 2021 leicht gewachsen
Mehr Hessen Panorama Wetter bremst Feldhasen: Bestand 2021 leicht gewachsen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:12 08.04.2022
Ein Feldhase sitzt auf einem Acker.
Ein Feldhase sitzt auf einem Acker. Quelle: Boris Roessler/dpa/Symbolbild
Anzeige
Bad Nauheim/Gießen

Regen und Kälte haben den Feldhasen im vergangenen Jahr zu schaffen gemacht. Dadurch sei der Bestand weniger stark gewachsen, als ursprünglich erwartet, sagte Markus Stifter vom Landesjagdverband (LJV) Hessen der Deutschen Presse-Agentur. Auf einer Fläche von einem Quadratkilometer Offenland lebten im Herbst 2021 in Hessen durchschnittlich 28 Feldhasen nach 25 im Frühjahr vergangenen Jahres. Dass der Zuwachs mit 10,5 Prozent nicht so hoch wie in den vorangegangenen Jahren mit teils 30 bis 35 Prozent ausgefallen sei, dürfte an den Witterungsbedingungen liegen. Weil die Hasen vorwiegend auf dem freien Feld leben, seien sie Wind und Wetter stark ausgesetzt und könnten bei ungünstigen Bedingungen auch erkranken. In Sorge um die Population sei man aber nicht, es handele sich um natürliche Schwankungen, sagte Stifter.

Hessen liegt mit seinem Feldhasen-Bestand über dem Bundesschnitt: Auf den Feldern und Wiesen in Deutschland hoppelten im Frühjahr 2021 nach Angaben des Deutschen Jagdverbandes im Schnitt 16 Tiere pro Quadratkilometer, das seien zwei Feldhasen mehr als bei der vorangegangenen Zählung 2020 gewesen und einer der höchsten Werte seit Beginn der bundesweiten Erhebung vor rund 20 Jahren.

Die hessenweit größten Bestände finden sich in einigen Revieren der Landkreise Groß-Gerau, Wetterau und Gießen. Hier lag die geschätzte Anzahl auch im vergangenen Jahr bei über 100 Feldhasen pro Quadratkilometer. Neben dem Landesjagdverband wertet auch der Arbeitskreis Wildbiologie an der Gießener Justus-Liebig-Universität (JLU) Daten zum Feldhasen-Bestand in Hessen aus. Gezählt wird mit standardisierten Scheinwerfern. Während bei der Auswertung des LJV Daten aus Referenzrevieren einfließen, arbeitet der Arbeitskreis Wildbiologie mit Zählungen aus Hegegemeinschaften - das sind Zusammenschlüsse jeweils mehrerer Reviere. Aufgabe des Arbeitskreises Wildbiologie ist die wissenschaftliche Begleitung der Umsetzung der Landesjagdverordnung. Die Zahlen des LJV wiederum fließen in das Wildtierinformationssystem der Länder Deutschlands ein. Beide Auswertungen greifen somit auf dieselben Erhebungen zurück, sagte Johann Lanz vom Arbeitskreis Wildbiologie der JLU.

Auch Lanz verwies auf die Witterung als wichtigen Einflussfaktor für die Feldhasen-Population. So sei auch das gegenwärtig nass-kühle Wetter ungünstig für die Tiere und könne ihrem Nachwuchs massiv zusetzen.

Nach der Roten Liste des Bundesamtes für Naturschutz wird der Feldhase in Deutschland als gefährdet eingestuft. Verglichen mit dem Beginn der Erhebungen Ende der 1980er Jahre hätten sich die Bestände auch in Hessen deutlich verringert, sagte Stifter. Größte Gefahr für die Tiere sei vor allem die Beschneidung ihres Lebensraumes. Wie andere Wildtiere auch benötigten die Feldhasen Nahrung und Deckung - gerade jetzt im Frühjahr, wenn ihre letzten Reserven aufgebraucht seien. Deshalb sei es auch von großer Bedeutung, abwechslungsreiche Feldflächen mit Blühstreifen und Hecken zu erhalten und weiter zu fördern, erklärte Stifter mit Blick auf die Debatte um die Nutzung brachliegender Agrarflächen für den Lebensmittelanbau. Sollte dies umgesetzt werden müssen, wäre es ein starker Einschnitt für den Artenschutz. Zum Problem speziell für die Feldhasen sei zudem die wachsende Zahl von Spaziergängern mit frei laufenden Hunden geworden, die Feldhasen aufschrecken oder gelegentlich sogar hetzen und töten.

Die Jäger selbst dürften derweil eigentlich deutlich mehr Feldhasen erlegen, als es tatsächlich der Fall sei. Die erlaubte Anzahl von jeweils über 20.000 Tieren sei in den Jagdjahren 2018/19 bis 2020/21 bei weitem nicht ausgeschöpft worden, weil sich die Jäger freiwillig zurückhielten, sagte Stifter. Generell gehe es den Jägern nicht um die Bejagung der Feldhasen, sondern um den Erhalt der Art. Für den Herbst 2020 hatte der Landesjagdverband von einem Bestand von knapp 25,5 Feldhasen auf einer Fläche von einem Quadratkilometer gesprochen, nach 18,2 Feldhasen im Frühjahr 2020.

© dpa-infocom, dpa:220408-99-842434/3

dpa