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Panorama Hessens Böden trocknen aus: Waldbrandgefahr weiter erhöht
Mehr Hessen Panorama Hessens Böden trocknen aus: Waldbrandgefahr weiter erhöht
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11:51 23.04.2020
Laub liegt in einem Waldstück am Rand der Stadt Hanau zwischen den Bäumen. Quelle: Frank Rumpenhorst/dpa/Archivbild
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Hanau/Wiesbaden/Kassel

Viel Sonne, steigende Temperaturen und ein trockener Wind - das ist momentan eine gefährliche Kombination für Hessens Wälder. "Aufgrund der inzwischen lang anhaltenden Trockenheit besteht nahezu landesweit eine erhöhte Waldbrandgefahr", sagte Julia Stoye, Sprecherin des Umweltministeriums in Wiesbaden. Der Waldbrandgefahrenindex des Deutschen Wetterdienstes (DWD) zeigte am Donnerstag die dritte von fünf Stufen an, für Teile von Südhessen die vierte.

Ab Samstag soll das Risiko etwas zurückgehend. "Eine nachhaltige Entspannung ist allerdings nicht in Sicht", erklärt Stoye. Bisher in diesem Jahr gab es laut dem Land mindestens 15 Waldbrände. Im vergangenen Jahr waren es Ende April 25 bis 30 gewesen. Allerdings steigt die Zahl gerade: Am Mittwoch löschte die Feuerwehr in einem 400 Quadratmeter großen Waldstück zwischen Hanau und Mühlheim Flammen. Am selben Tag geriet bei Wiesbaden in der Nähe des Jagdschlosses Platte eine kleinere Fläche im Wald in Brand.

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Auch die Belastung für die Feuerwehren steigt: Das sei spürbar, "eine statistische Auswertung dazu gibt es aber nicht", sagt Harald Popp, Geschäftsführer des Landesfeuerwehrverbands in Kassel. Die Einsätze in den Wäldern seien eine besondere Herausforderung für die körperliche Leistungsfähigkeit der Einsatzkräfte: Ausrüstung muss weite Wege über unwegsames Gelände gebracht werden, Wasser über weite Strecken gepumpt. Bei der Ausrüstung für Waldbrände seien die Feuerwehren gut aufgestellt.

Doch selbst ohne weitere Brände leidet der Wald. Neben den Fichten seien auch Buchen und Eichen vom Wassermangel betroffen, erklärt Michelle Sundermann, Sprecherin von Hessen Forst. Wie groß der Schaden sei, werde man aber erst zum Laubaustrieb beobachten können.

Auch die Landwirte machen sich Sorgen. Das Wetter sei für April "sehr ungewöhnlich", sagt Peter Voss-Fels, Generalsekretär des Hessischen Bauernverbands. Dabei sind die Landwirte den Ausnahmezustand in der Natur fast gewohnt: "Wir haben nun zum dritten Mal in Folge eine ausgeprägte Frühjahrstrockenheit."

Was die Bauern im Berufsalltag beobachten, bestätigen die Meteorologen: Wie der Deutsche Wetterdienst kürzliche errechnete, fielen vom 14. März bis zum 18. April in Deutschland weniger als zehn Liter pro Quadratmeter Regen. Sonne und sehr trockene Luft sorgten zugleich für eine Verdunstungsrate von sechs Litern pro Quadratmeter am Tag. Daher mussten die Pflanzen ihren Bedarf aus im Boden gespeichertem Wasser decken. Die oberen Bodenschichten trockneten aus.

Die Auswirkungen auf die Landwirtschaft seien "sehr differenziert", erklärt Voss-Fels: Beim Wintergetreide sei das Wetter im Mai entscheidend, der Raps stehe dagegen in voller Blüte und habe daher den höchsten Wasserbedarf. "Wenn jetzt nicht genug Wasser kommt, wird das direkt ertragswirksam." Niederschläge im Mai würden die Verluste dann kaum noch ausgleichen können.

Gesät werden gerade Sommergetreide, Bohnen, Rüben und Mais. Dabei sei das Bild uneinheitlich: Einige Pflanzen hätten sich schon entwickelt, andere noch nicht. Ein unterschiedlicher Wachstumsstand verursacht später Bewirtschaftungs- und Ernteprobleme. "Je weiter es auseinanderwächst, desto schlimmer wird es", erklärt Voss-Fels. Wenn es regne, könnten sich die Unterschiede aber wieder verringern. Für das Grünland sieht es auch nicht gut aus: "Erst war es zu nass und kalt, jetzt ist es zu trocken und nachts zu kalt." Bereits der erste Schnitt auf den Wiesen habe fast 50 Prozent Mindererträge gebracht - den Tierhaltern könne dadurch später das Futter fehlen.

Ein großes Thema ist die Trockenheit normalerweise am nordhessischen Edersee. Das Wasser im See wird bei Bedarf abgelassen, um die Weser schiffbar zu halten. Gleichzeitig ist der See für den Tourismus in der Region entscheidend. Doch mit einem Füllstand von zuletzt 96 Prozent herrscht dank der Niederschläge aus dem Winter bisher kein Mangel. Zumindest der Tourismus profitiert davon bisher nicht - wegen der Corona-Krise sind Hotels und Gastronomie geschlossen.

dpa