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Panorama Wilder Ritt auf dem Rhein: Polizei übt für Großeinsätze
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17:42 10.09.2020
Boote der Wasserschutzpolizei. Quelle: Andreas Arnold/dpa/Archivbild
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Mainz

Erschreckt flattert eine Schar Enten davon. Mit großer Geschwindigkeit prescht eine Flotte von Polizeibooten heran. Acht Schnellboote aus Rheinland-Pfalz fahren in enger Formation den Rhein hinab an Mainz vorbei. Immer wieder wechseln sie mit hohem Tempo ihren Standort, mal nebeneinander, mal hintereinander, mal in Keilform. Diese Formationsfahrten sind Teil einer zweitägigen Übung, bei der die sogenannten Maritimen Einsatzgruppen der Wasserschutzpolizeien zeigen, dass mit ihnen nicht zu spaßen ist, falls es einmal ernst werden sollte.

Der Ernstfall an diesem Donnerstag: Ein PS-starkes Boot mit "Störern" nähert sich mit großer Geschwindigkeit einem fahrenden Schiff. Auf dem könnten sich beispielsweise wichtige Staatsgäste aufhalten, oder die Angreifer könnten versuchen, es zu entern und ein Plakat anzubringen. Doch die Polizeiboote im Begleitschutz des Schiffs sind auf Zack: Ruckzuck bilden sie eine Art Ring um das Schiff.

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Das Störerschiff hat der vereinten rheinland-pfälzischen-hessischen Polizeipower nichts entgegenzusetzen und lässt sich abdrängen. Die Beamten auf den Schnellbooten haben ihren Auftrag erfüllt. Die schwarz gekleideten Rheinland-Pfälzer und Hessen sind nur an der Farbe ihrer Helme auseinanderzuhalten: rot bei den linksrheinischen, dunkelblau bei den rechtsrheinischen Beamten.

Ausgerüstet sind sie ähnlich: Zum einen mit schwarzen Festrumpfschlauchbooten, die sie mit bis zu 70 bis 80 Stundenkilometer übers Wasser jagen können. Zum anderen gibt es noch die etwas älteren "Buster"-Boote aus Vollaluminium. Egal, ob aus Kunststoff oder Alu: Jedes dieser Boote ist mit drei Beamten besetzt. Und je drei Boote bilden eine sogenannte Maritime Einsatzgruppe (MEG), angeführt von einem Leitboot. Sieben dieser Einheiten hat die rheinland-pfälzische Polizei.

"Das taktische Vorgehen im Verbund muss intensiv geübt werden", sagte der Mainzer Innenminister Roger Lewentz (SPD), der die Übung am Nachmittag von einem Begleitboot aus verfolgte. Und sichtlich zufrieden ist: Alles läuft wie am Schnürchen.

Die drei Rheinanlieger Rheinland-Pfalz, Hessen und Baden-Württemberg hatten sich vor knapp vier Jahren auf die grenzüberschreitende Zusammenarbeit ihrer Maritimen Einsatzgruppen geeinigt, um so besser für größere Einsatzlagen gerüstet zu sein. Die Trainings finden in regelmäßigen Abständen statt, die drei Bundesländer wechseln sich mit der Organisation ab. An der Übung in Mainz hatten die Einheiten aus Baden-Württemberg diesmal wegen der Corona-Pandemie nicht teilgenommen.

Die MEG mit ihren Schnellbooten sind zweifelsohne das spektakuläre Aushängeschild der Wasserschutzpolizei. Sie kommen beispielsweise zum Einsatz, wenn Staatsgäste bei einer Fahrt auf Rhein oder Mosel geschützt werden sollen oder bei Großveranstaltungen wie dem Fest zum Tag der Deutschen Einheit in Mainz oder dem G-20-Gipfel in Hamburg vor drei Jahren. Also immer dann, wenn von einem Fluss aus Gefahr drohen könnte.

Die Alltagsarbeit der Wasserschutzpolizei wird allerdings nicht von Schnellbooten, sondern von den 15 großen sogenannten Streckenbooten aus geleistet, die in Rheinland-Pfalz auf Rhein, Mosel, Lahn und Saar unterwegs sind. Und Arbeit gibt es genug. Ein Frachtschiff läuft im Rhein auf den Grund, eine Motorjacht versinkt in der Lahn, oder in die Mosel stürzt ein Gleitschirmflieger: nur drei von vielen Aktionen der Wasserschutzpolizei der vergangenen Wochen. Rund 190 Wasserschutzpolizisten kümmern sich landesweit darum, den Schiffsverkehr zu überwachen, Umweltsünder zu fassen und notfalls auch Kriminelle zu verfolgen und Menschen in Gefahr zu retten.

Beamte, die zur Wasserschutzpolizei wechseln wollen, durchlaufen nach Angaben des Innenministeriums nach der erfolgreichen Prüfung zum Polizeikommissar eine zweijährige Sonderausbildung, die sowohl in Rheinland-Pfalz als auch an der Wasserschutzpolizeischule in Hamburg stattfindet. Dort werden sie beispielsweise im Umgang mit Funk und Radar ausgebildet.

Die Wasserschutzpolizei hat in Rheinland-Pfalz sieben Dienststellen: Germersheim, Ludwigshafen, Mainz, St. Goar, Koblenz, Andernach und Trier. Den Rhein als Revier teilen sich die ersten sechs Stationen auf. Koblenz teilt sich mit Trier die Aufsicht über die Mosel und kümmert sich um die Lahn; Trier ist zudem noch für die Saar zuständig. Zusätzlich gibt es noch Außenstellen in Bingen, Bernkastel und Cochem, die allerdings teils nicht das ganze Jahr über besetzt sind.

dpa