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Panorama "War nur dabei": Geständnis im Prozess um falsche Polizisten
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14:56 08.01.2021
Ein Polizist steht im Regen vor einem Streifenwagen, dessen Blaulicht aktiviert ist. Quelle: Karl-Josef Hildenbrand/dpa/Illustration
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München

Schmuck, Gold und Zehntausende Euro Bargeld: Am Freitag hat am Landgericht München I der Prozess gegen zwei mutmaßliche Trickbetrüger begonnen. Sie sollen sich als falsche Polizeibeamte ausgegeben und mehrere alte Leute um ein Vermögen gebracht haben. Einer der Angeklagten räumte seine Beteiligung an mehreren Taten vor allem in Berlin ein. Zeitgleich spielte der 23-Jährige seinen Anteil daran aber herunter: "Ich war ja nur dabei."

Die Staatsanwaltschaft wirft ihm und einem gleichaltrigen mutmaßlichen Komplizen vor, mehrere alte Leute um ein Vermögen gebracht haben. Sie sind wegen gewerbs- und bandenmäßigen Betrugs und Bandendiebstahls angeklagt. Der Prozess gegen weitere mutmaßliche Mitglieder der Bande hatte bereits am Donnerstag begonnen.

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Die Tatorte der angeklagten Taten sind Berlin, Frankfurt und München. In einem Fall soll die Bande eine betagte Münchnerin dazu gebracht haben, Goldmünzen und Geldscheine auf einem Grünstreifen hinter ihrem Haus abzulegen, wo sie dann - mutmaßlich von den beiden Angeklagten - abgeholt wurden. Die beiden Männer, die seit Freitag vor Gericht stehen, sollen insgesamt vor allem die Aufgabe gehabt haben, die Wertsachen von ihren Opfern abzuholen.

"Er meinte, wir müssen nur was abholen und kriegen dafür 500 Euro", sagte der Angeklagte zum Prozessauftakt über einen Bekannten, der ihn mit der Bande in Verbindung gebracht haben soll. "Irgendwelche Taschen abholen bei irgendwelchen Leuten." Er selbst habe keinen Kontakt zu den Opfern aufnehmen wollen und meistens im Auto gewartet und seinen Komplizen vorgeschickt - "weil ich mir so'was nicht angucken kann wie die dann so weinen".

Immer wieder fallen vor allem ältere Menschen auf die verbreitete Betrugsmasche herein, bei der angebliche Polizisten - meist aus Callcentern in der Türkei - anrufen und ihre Opfer dazu bringen, Geld, Schmuck und andere Wertgegenstände herauszugeben. Die Polizei warnt immer wieder davor, dennoch sind Betrüger oft erfolgreich.

Das liegt nach Angaben des bayerischen Landeskriminalamts (LKA) auch daran, dass beim Anruf mit Hilfe manipulierter Rufnummern (des sogenannten Call-ID-Spoofings) oft die örtliche Vorwahl in Verbindung mit dem Polizeinotruf oder der Zentralnummer des LKAs oder des Bundeskriminalamtes (BKA) angezeigt wird. Meist wird der Angerufene dann aufgefordert, einem angeblichen Kollegen Wertgegenstände zu übergeben - entweder um sie vor Diebstahl zu schützen oder weil angebliche Spuren wie Fingerabdrücke gesichert werden müssten.

"Die verwendete Legende wird über Stunden hinweg ausgebaut und die Geschädigten immer stärker unter Druck gesetzt", teilt das LKA dazu mit. "Hierbei werden die Geschädigten so dirigiert, dass eine fortwährende Telefonverbindung besteht, damit die Täter die Kontrolle über die Situation behalten."

Nach LKA-Angaben steigt die Zahl dieser oder ähnlicher Betrugsdelikte (wie Enkeltrick). 2018 wurden 17 000 Fälle angezeigt, 2019 waren es schon 21 000. Im Schnitt erbeuteten die Betrüger etwa 8000 Euro. "Es wurden jedoch bereits einige Fälle bekannt, bei welchen die Opfer um sechsstellige Beträge betrogen wurden", sagte ein LKA-Sprecher.

Insgesamt lasse sich seit 2016 ein starker Anstieg des Callcenter-Phänomens erkennen, teilt das LKA mit. Der Schwerpunkt liege dabei auf Trickbetrügereien mit falschen Amtsträgern oder Polizeibeamten. "Seit dem Jahr 2018 ist auch im Bereich des Enkeltricks eine signifikante Steigerung in Bayern festzustellen." Dabei geben Kriminelle vor, dass ein Enkel des Angerufenen in Gefahr ist. Das bayerische Justizministerium rechnet diese und ähnliche Straftaten meist der Organisierten Kriminalität zu.

"Die bayerische Justiz geht entschlossen gegen den sogenannten Call-Center-Betrug durch "falsche Polizeibeamte" vor, bei dem die Täter aus dem Ausland operieren und die Sorgen der vor allem älteren Bevölkerung schamlos ausnutzen", sagte Bayerns Justizminister Georg Eisenreich (CSU). "Wichtig ist auch: Verbrechen darf sich nicht lohnen. Die Erträge aus Straftaten werden deshalb in Bayern konsequent abgeschöpft. Im Jahr 2019 konnten in 27 Verfahren knapp 30 Millionen Euro vorläufig sichergestellt werden.

Die Ermittler gehen insgesamt von einer hohen Dunkelziffer solcher Betrugsdelikte aus - vor allem dann, wenn es beim Versuch bleibt: "Einem Anbahnungsversuch wird durch die Opfer oft wenig Bedeutung beigemessen, insbesondere wenn kein Schaden eingetreten ist oder die Opfer empfinden Scham, wenn sie erkennen, dass sie Betrügern aufgesessen sind und erstatten keine Anzeige."

dpa