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Panorama Wintereinbruch in Hessen: Entspannung nach Verkehrschaos
Mehr Hessen Panorama Wintereinbruch in Hessen: Entspannung nach Verkehrschaos
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16:12 01.12.2020
Die Leuchtschrift «Unfall» ist auf dem Dach eines Streifenwagens der Polizei zu sehen. Quelle: Carsten Rehder/dpa/Archivbild
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Frankfurt

Schnee und glatte Straßen haben in der Nacht zu Dienstag für Dutzende Unfälle mit zahlreichen Verletzten auf Hessens Straßen gesorgt. Das Polizeipräsidium Nordhessen in Kassel meldete bis zum Mittag mehr als ein Dutzend witterungsbedingte Unfälle mit insgesamt neun Schwerverletzten.

Im Bereich des Polizeipräsidiums Westhessen waren die Autobahn 3 in Richtung Frankfurt und die Hauptzufahrtsstraßen in Richtung Wiesbaden besonders vom Wintereinbruch betroffen. "Man konnte von chaotischen Zuständen sprechen", sagte ein Polizeisprecher. Zum Start des Berufsverkehrs seien Dutzende Lastwagen auf der Autobahn 3 in Richtung Niederhausen steckengeblieben. Die Autobahn musste voll gesperrt werden, es bildete sich ein 20 Kilometer langer Stau. Die Strecke sei seit dem Vormittag wieder frei, es habe allerdings erhebliche Verkehrsverzögerungen gegeben. An Mittag habe sich die Lage um Wiesbaden beruhigt, sagte der Sprecher. Insgesamt zählte die Polizei mehr als 20 Unfälle, die auf Straßenglätte zurückzuführen sind. Es sei aber überwiegend bei Blechschäden geblieben.

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Auf der A5 führten in der Nacht glatte Straßen nahe dem Gambacher Kreuz zu einem schweren Unfall mit mehreren Lastwagen. Ein Fahrer verlor die Kontrolle über seinen Sattelzug und kollidierte mit der Leitplanke. Laut Polizei wurde er leicht verletzt. Ein weiterer Sattelzug konnte dem quer über die Straße liegenden Auflieger nicht mehr ausweichen. Ein dritter Lastwagen sei durch umherliegende Fahrzeugteile beschädigt worden, so eine Sprecherin. Die Polizei bezifferte den Schaden auf 94 000 Euro. Zeitweise war die Fahrspur voll gesperrt, der Verkehr habe in beide Richtungen gestanden. Am Mittag waren die Bergungsarbeiten abgeschlossen.

Auf der A 45 lief der Verkehr seit Dienstagmittag nach mehr als neun Stunden wieder. In der Nacht war ein Gemüselaster zwischen Florstadt und Altenstadt in Fahrtrichtung Süden von den Straße abgekommen. Mithilfe eines Kranwagens und eines Luftkissens musste das Fahrzeug wieder aufgerichtet werden.

Mehr als 40 Unfälle gab es seit Beginn des Schneefalls im Zuständigkeitsgebiet des Präsidiums Südhessen rund um Darmstadt. Nach einer Pause in der Nacht habe der Berufsverkehr für weitere Unfälle gesorgt, so die Polizei am Dienstagmittag. Auf der B47 zwischen Bensheim und Lorsch (Kreis Bergstraße) geriet ein Sattelzug ins Schleudern. Wegen Bergungsarbeiten blieb die Straße zeitweise gesperrt. Auch in den übrigen Landkreisen und in Darmstadt habe es den ein oder anderen "Rutscher in die Leitplanke" gegeben, teilte die Polizei mit. Bis zum Morgen entspannte sich die Situation auf den Straßen. Die Unfälle aus der Nacht führt die Polizei zumeist auf fehlende Winterreifen zurück.

Bei Egelsbach (Landkreis Offenbach) verlor der Polizei zufolge der Fahrer eines Kleintransporters auf einer Kreisstraße die Kontrolle über seinen Wagen. Er war demnach auf der schneeglatten Straße wohl zu schnell unterwegs gewesen. Der Wagen kam von der Fahrbahn ab und blieb auf der Seite liegen. Die Feuerwehr musste den zunächst bewusstlosen Mann über die aufgeschnittene Frontscheibe aus dem Wagen ziehen, wie ein Sprecher mitteilte. Der 40-Jährige kam mit schweren, aber nicht lebensgefährlichen Verletzungen in ein Krankenhaus. Die K168 war laut Polizei zeitweise komplett gesperrt.

Auch auf den osthessischen Straßen führten Schneefall und Glätte zu mehreren Unfällen. Auf den Fernverkehrsstraßen kam es immer wieder zu Behinderungen wegen liegengebliebener Lastwagen. Bei einem misslungenen Spurwechsel wurde ein Mann bei einem Unfall auf der Autobahn 7 bei Fulda am Montagabend leicht verletzt. Der 49-jährige Fahrer eines Kleintransporters konnte einen Zusammenstoß mit dem Auto nicht mehr verhindern. Er kam mit leichten Verletzungen in ein Krankenhaus. Es habe jedoch keine Schwerverletzten gegeben, so ein Polizeisprecher, was sehr erfreulich sei. Jeder Unfall sei zwar einer zu viel. Er habe aber den Eindruck, dass sich die Leute ganz gut an die Witterungsverhältnisse anpassen würden.

Rund um Gießen führt die Polizei sechs von 21 Unfällen aus der Nacht direkt auf die Witterung zurück. Verletzte gab es nach Angaben eines Sprechers am Morgen nicht. Laut eines Sprechers sind am Vormittag weitere Unfälle dazugekommen, die aktuellen Zahlen seien jedoch noch nicht abrufbar. Die Frankfurter Polizei sprach von einer recht ruhigen Situation auf den Straßen. Größere Unfälle oder Staus waren am Mittag nicht bekannt, wie eine Sprecherin mitteilte. "In Frankfurt hält sich das in Grenzen."

Die Bahn vermeldete nach Angaben einer Konzernsprecherin am Morgen "keine größeren Auffälligkeiten". Der Vorhersage des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Offenbach zufolge sollten die Schneefälle vielerorts im Verlauf des Dienstagvormittags abklingen. Im Westen geht der Schnee demnach in Regen über, im Osten sei aber weiterhin Schneefall möglich.

Am Frankfurter Flughafen wurden noch in der Nacht die Start- und Landebahnen geräumt. "Zum Betriebsbeginn um 05.00 Uhr waren alle Bahnen schnee- und eisfrei", sagte ein Sprecher des Betreibers Fraport. Es habe keine Störungen gegeben. Wegen der Corona-Flaute herrscht nur geringer Betrieb am größten deutschen Flughafen. Die Flugzeuge wurden vor dem Start enteist.

dpa