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Panorama Versuchter Mord an Kollegen? Prozess gegen Krankenschwester
Mehr Hessen Panorama Versuchter Mord an Kollegen? Prozess gegen Krankenschwester
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14:32 09.03.2020
Eine Statue der Justizia. Quelle: Peter Steffen/dpa/Archivbild
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Gießen

Eine Bad Nauheimer Krankenschwester soll ihre Kollegen mit Medikamenten vergiftet haben - untergemischt in Kaffee und selbst gebackenen Plätzchen. Zu Beginn des Prozesses am Montag vor dem Landgericht Gießen bestritt die 53 Jahre alte Angeklagte die Vorwürfe. "Ich war es nicht", betonte sie. Ihr Verteidiger erklärte: "Sie hat gegen niemanden irgendetwas gehabt und hat das nicht getan." Die Staatsanwaltschaft wirft der Deutschen gefährliche Körperverletzung und in einem Fall versuchten Mord vor.

Die Krankenschwester soll mehrfach im September 2017 sowie im März 2019 den Kaffee und die Kekse mit Schlaf- und Beruhigungsmitteln versetzt und ihren Kollegen in der Teeküche eines Bad Nauheimer Krankenhauses zum Zugreifen aufgetischt haben. Fünf Kollegen bekamen laut Anklage gesundheitliche Probleme bis hin zu Bewusstlosigkeit - ein Opfer geriet sogar in Lebensgefahr.

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Eine Kollegin berichtete, wie ihre Knie weich geworden seien und sie Doppelbilder gesehen habe. Mit einem Rettungswagen wurde die heute 36-Jährige in ein Gießener Krankenhaus gebracht. Ein weiteres Opfer, ein Arzt, geriet laut Anklage in einen lebensbedrohlichen Zustand und kam auf die Intensivstation.

Der Verdacht gegen die 53-Jährige verdichtete sich nach Angaben der Staatsanwaltschaft im Jahr 2019. Ermittler fanden in der Restmülltonne der Frau Klinikpackungen der Beruhigungsmittel sowie Rückstände davon in einem Mixgerät in ihrer Küche. Seit einigen Monaten sitzt die Frau bereits in Untersuchungshaft.

Die Angeklagte erklärte, dass sie für eine Kollegin, die öfter bei ihr übernachtet und auf ihren Sohn aufgepasst habe, die Beruhigungsmittel mitgebracht habe. Der Vertreter der Staatsanwaltschaft wies sie darauf hin, dass laut der Chargen-Nummer auf der Verpackung das Arzneimittel erst später auf den Markt gekommen sei. Den Mixer benutzte die 53-Jährige nach eigener Aussage ein paar Mal am Arbeitsplatz, um sich Smoothies zuzubereiten. Sie könne sich nicht erklären, wie darin Medikamentenrückstände gefunden werden konnten.

Die Kollegin der Angeklagten beschrieb diese als "sehr zuverlässige" und kompetente Mitarbeiterin, die aber auch laut werden konnte. Besondere Konflikte und Spannungen habe es auf der Station nicht gegeben. Die Teeküche war nach ihren Worten nicht abgeschlossen, es hätte jeder in einem unbemerkten Moment hineingehen können. Die Meinungen zu der Angeklagten auf der Station gehen der 36-Jährigen zufolge auseinander, aber: "100 Prozent überzeugt, dass sie schuldig ist, sind wenige von uns."

Die 53-Jährige steht auch wegen einer Trunkenheitsfahrt vor Gericht - die sie über ihren Verteidiger einräumte. Die Vorwürfe und die Ermittlungen gegen sie hätten die Angeklagte psychisch so sehr belastet, dass sie vermehrt Alkohol getrunken habe. Der Prozess wird fortgesetzt. Das Urteil wird im April erwartet.

dpa

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