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Panorama Angriff auf Sanitäterinnen: Ausmaß an Gewalt beklagt
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17:12 29.01.2019
Frankfurt/Main

Zwei Sanitäterinnen wurden im Notfalleinsatz am Frankfurter Hauptbahnhof angegriffen und verletzt - seit Dienstag steht deshalb ein 70-Jähriger vor Gericht. Er soll eine der Frauen geschlagen und verletzt haben. Auch die zweite Sanitäterin musste behandelt werden, ihr hatte der Angeklagte offenbar das Handgelenk verdreht. Der Mann bestritt die Vorwürfe zu Prozessbeginn vor dem Amtsgericht.

Das Verfahren wirft ein Schlaglicht auf eine Entwicklung, die von den Betroffenen schon länger beklagt wird: Zunehmende Gewalt gegen Einsatzkräfte.

In dem Prozess sprachen mehrere Zeugen von einer außergewöhnlich großen Aggression bei dem Angeklagten, der sich zunächst als Arzt ausgegeben habe. Eine Sanitäterin stürzte - von der Faust des Rentners im Gesicht getroffen - mehrere Stufen die Rolltreppe hinunter. Die 34-Jährige erlitt Prellungen und eine Gehirnerschütterung und war monatelang krank geschrieben. Nach einer Schwangerschaft habe sie bis heute nicht wieder in ihrem Beruf gearbeitet. "In zwölf Berufsjahren habe ich schon Angriffe auf Rettungspersonal erlebt, aber nicht in diesem Ausmaß", sagte die Zeugin, die eigenen Angaben zufolge noch heute an den psychischen Folgen des Vorfalls leidet.

Den Noteinsatz auf der Treppe musste ein zweites Rettungsteam fortsetzen - es sei dabei zu einer erheblichen Verzögerung bei der Versorgung des verletzten Patienten gekommen, sagte die Zeugin. Der Mann war auf einer Rolltreppe an einem S-Bahn-Gleis gestürzt und zog sich schwere Kopfverletzungen zu.

Der Angeklagte soll zudem Sicherheitsbedienstete als "Schweine" bezeichnet haben. Der 70-Jährige beschuldigte dagegen die Sicherheitsleute zu Prozessbeginn, ihn geschlagen zu haben.

Angriffe auf Rettungssanitäter sind keine Seltenheit. In den vergangenen drei bis vier Jahren habe die Rücksichtslosigkeit und Gewaltbereitschaft gegenüber Rettungskräften spürbar zugenommen, berichteten Sanitäter und Feuerwehrleute, die vor etwa einem Jahr eine Demonstration in Frankfurt organisiert haben. Rund 250 Helfer forderten bei der Kundgebung mehr Respekt für ihre Arbeit.

Auch andere Berufsgruppen, deren Job es ist, Menschen zu helfen, klagen über Angriffe - von Pöbeleien bis zu tätlichen Angriffen. Die Hochschule Fulda hat das Personal in 51 hessischen Notaufnahmen befragt, Zwischenergebnisse wurden vergangene Woche veröffentlicht. Knapp 76 Prozent von 354 Befragten gaben an, in den letzten zwölf Monaten körperliche Gewalt erlebt zu haben. Bei der verbalen Gewalt liegen die Zahlen mit 97 Prozent noch deutlich höher.

In Bad Karlshafen wurde im März vergangenen Jahre ein Rettungsassistent bei einem Notfalleinsatz in einem Mehrfamilienhaus verletzt. Familienangehörige einer hilfebedürftigen Frau beleidigten und bedrohten die Rettungskräfte. Der 21-jährige Sohn der Frau warf laut Polizei einem der Rettungsassistenten einen Telefonhörer an den Kopf, der Mann erlitt eine Platzwunde.

Im April 2017 wurde im Bundestag ein Gesetz verabschiedet zur "Stärkung des Schutzes von Vollstreckungsbeamten". Damit sollen Polizisten, Retter und Feuerwehrleute besser vor tätlichen Angriffen geschützt werden. Solche Attacken können demnach mit bis zu fünf Jahren Haft geahndet werden. Die Mindeststrafe beträgt drei Monate. Hessen macht sich für eine Verschärfung auf sechs Monate stark.

dpa

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