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Panorama Uni-Kliniken: Kein Coronavirus bei getesteten Patienten
Mehr Hessen Panorama Uni-Kliniken: Kein Coronavirus bei getesteten Patienten
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16:08 27.01.2020
Am UKGM in Marburg gab es einen Corona-Virus-Verdachtsfall, der sich nicht bestätigt hat. Quelle: Thorsten Richter
Frankfurt/Main

Passagierabfertigung wie üblich am Frankfurter Flughafen und nur blinder Alarm in den Uni-Kliniken - dennoch haben die Behörden angesichts von Coronavirus-Fällen in Europa die Sicherheitsvorkehrungen erhöht. Auch in Hessen wurden bereits verschiedene Vorkehrungen getroffen, teilte Sozialminister Kai Klose (Grüne) am Montag mit. So sei der öffentliche Gesundheitsdienst in besondere Bereitschaft versetzt worden. Am Frankfurter Flughafen seien Maßnahmen zur Untersuchung und Isolierung von Verdachtsfällen etabliert. Seit Samstag bekommen demnach Reisende nach China und aus den betroffenen Regionen Infoblätter über das Virus.

Die Krankheitsfälle in Frankreich zeigten, dass trotz der in China getroffenen Maßnahmen einzelne infizierte Personen nach Europa kommen könnten, sagte Klose. "Deshalb erhöhen wir die Aufmerksamkeit für das Coronavirus und sensibilisieren sowohl medizinisches Personal als auch Öffentlichkeit." Hessens sei vorbereitet, im Fall des Falles schnell zu reagieren, damit es nicht zu einer Verbreitung komme. Derzeit gebe es aber keine Hinweise auf eine Ansteckungsgefahr in Deutschland.

Das spiegelt sich auch in den Krankenhäusern wider: Zwar hat die Frankfurter Uni-Klinik bereits mehrere Patienten untersucht, die eine Ansteckung mit dem Coronavirus befürchteten. Alle Tests seien aber negativ gewesen, teilte eine Sprecherin der Klinik am Montag mit. "Bei keinem dieser Patienten konnte bisher das neue Coronavirus nachgewiesen werden." Nach Angaben der Sprecherin hatte sich in den vergangenen Tagen eine geringe Zahl von Patienten mit dem Verdacht auf eine Infektion mit der neuartigen Lungenkrankheit vorgestellt, etwa weil sie einen Bezug zum Risikogebiet und Symptome gezeigt hatten.

Die Patienten werden nach Angaben der Uni-Klinik isoliert - ein Standardverfahren in solchen Fällen. Es stehe ein spezielles Diagnoseverfahren zur Verfügung, das die Abklärung von Verdachtsfällen "innerhalb kürzester Zeit" ermögliche. Zuvor hatten darüber mehrere Medien berichtet.

Das Universitätsklinikum Gießen und Marburg (UKGM) hatte bislang nur mit einem Coronavirus-Verdachtsfall zu tun. Ein Patient mit Kontakt zu China sei am Marburger Standort untersucht worden, berichtete ein Sprecher. Der Verdacht habe sich aber nicht bestätigt. Die Uni-Klinik sieht sich im Fall des Falles gut vorbereitet: Das Wichtigste sei in einer Situation, in der sich eine Infektionskrankheit rasch ausbreite, schnell und sicher zu diagnostizieren. Das sei am UKGM gewährleistet.

"Betroffene Patienten müssen innerhalb kürzester Zeit von Nicht-Betroffenen getrennt und in isolierten Räumen behandelt werden, um eine weitere Verbreitung zu stoppen", erläuterte Andreas Jerrentrup, der Chefarzt der Zentralen Notaufnahme in Marburg.

Das UKGM sieht sich auch deshalb gerüstet, weil einige Ärzte und Forscher sowohl in Marburg als auch in Gießen auf Virus- und Lungenerkrankungen spezialisiert sind. So gibt es etwa in Gießen die Klinische Forschungsgruppe "Virus-induziertes Lungenversagen". Und am Institut für Virologie der Uni in Marburg erforschen Wissenschaftler hochansteckende Erreger. Das Institut ist auch daran beteiligt, einen Impfstoff gegen das Coronavirus zu entwickeln. Von dem Ausbruch des Virus ist insbesondere China betroffen, wo die Zahl der Toten auf 80 und die der bestätigten Infektionen auf rund 2700 stieg. Bestätigte Fälle gibt es unter anderem in den USA, Frankreich, Thailand, Japan, Singapur und Australien.

Deutschland ist nach Ansicht des Robert Koch-Instituts (RKI) gut vor dem neuen Coronavirus geschützt. An Flughäfen, wo das Virus eingeschleppt werden könnte, sei man dank stetiger Übungen "sehr gut gewappnet", sagte der Präsident des RKI, Lothar Wieler, am Montag im ZDF-"Morgenmagazin". Falls das Virus nach Deutschland eingeschleppt werden sollte, sei es wichtig, dies früh zu erkennen. Die Gefahr für die deutsche Bevölkerung durch das Virus sei weiter "sehr gering".

Am Frankfurter Flughafen wurden nach Angaben einer Sprecherin bisher keine besonderen Vorsichtsmaßnahmen getroffen. Neu seien lediglich die Hinweise auf Monitore im Sicherheitsbereich, mit denen Reisende unter anderem an Hygienemaßnahmen wie regelmäßiges Händewaschen und Vorsicht bei Kontakt mit Kranken erinnert würden. Außerdem werde Reisenden, die sich in der betroffenen Region aufgehalten hätten, bei gesundheitlichen Problemen zur schnellen medizinischen Untersuchung geraten.

dpa