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Panorama Nach Tod von Geschwistern in Hanau wird Vater festgenommen
Mehr Hessen Panorama Nach Tod von Geschwistern in Hanau wird Vater festgenommen
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12:22 15.05.2022
Ein gemaltes Bild mit zwei Kindern liegt vor dem Hochhaus.
Ein gemaltes Bild mit zwei Kindern liegt vor dem Hochhaus. Quelle: Sebastian Gollnow/dpa
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Hanau/Paris

Nach dem Tod eines Geschwister-Paars in der Innenstadt von Hanau hat die Polizei den gesuchten Tatverdächtigen in Frankreich festgenommen. Es handele sich um den 47-jährigen Vater der Kinder, erklärte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Hanau am Samstag. Das siebenjährige Mädchen und der elfjährige Junge waren am Mittwochmorgen auf einem Hochhausbalkon und neben dem Gebäude gefunden worden. Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln wegen Mordverdachts gegen den Mann. Auf dem Boden neben dem Hochhaus, in dem die Kinder gelebt hatten, lagen auch noch am Sonntag Teddybären, Blumen und eine bunte Kindersonnenbrille neben brennenden roten Kerzen und Kinderzeichnungen.

Zielfahndern des Hessischen Landeskriminalamtes sei es gelungen, die Spur des Verdächtigen aufzunehmen, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft Hanau am Samstag mit. "Mit Unterstützung weiterer Experten der Zielfahndung des Bundeskriminalamtes wurde der 47-Jährige am Samstagmorgen in der Nähe von Paris lokalisiert und dort festgenommen." Der Haftbefehl sei bereits am Mittwoch, dem Tag der mutmaßlichen Tat, von einer Hanauer Ermittlungsrichterin erlassen worden.

Der Vater sei im Rhein-Main-Gebiet wohnhaft. Er leistete den Angaben zufolge keinen Widerstand bei der Festnahme. "Bislang hat er sich zu der Tat nicht geäußert", hieß es. Die Staatsanwaltschaft Hanau gehe davon aus, dass er in wenigen Wochen nach Deutschland überstellt und dem Ermittlungsrichter vorgeführt werden wird. Nach den Worten der Sprecherin hat der Mann die indische Staatsbürgerschaft. Auch bei seiner Familie werde davon ausgegangen. Dem Hanauer Jugendamt hatten bereits vor mehreren Monaten Hinweise auf familiäre Probleme vorgelegen, wie die Stadt bekanntgegeben hatte.

Eine Obduktion hatte ergeben, dass das Mädchen an Verletzungen durch "scharfe Gewalteinwirkung im Halsbereich" starb. Bei dem Jungen hätten multiple innere Verletzungen zum Tod geführt, die auf einen Sturz aus großer Höhe zurückzuführen seien. Die Gründe für den Sturz seien Teil der Ermittlungen.

Passanten hatten die Polizei alarmiert, nachdem sie auf dem Boden vor dem Hochhaus nahe dem Hanauer Marktplatz den schwer verletzten Jungen entdeckt hatten. Er war kurze Zeit später im Stadtkrankenhaus gestorben. Auf dem Balkon einer Wohnung im neunten Stock hatten die Beamten das tote Mädchen gefunden.

Am Sonntag schaute ein älteres Paar vor dem Gebäude nach oben und schüttelte die Köpfe. Der Mann, der seinen Namen nicht nennen wollte, sagte: "Das macht fassungslos. Man kann das nicht verstehen." Auch andere Leute blieben stehen und sahen an den vielen Balkonen nach oben.

Die Ermittler hatten unter Hochdruck nach dem Tatverdächtigen gefahndet. Bereits am Mittwoch hatten sie von einem mutmaßlichen familiären Hintergrund der Tat gesprochen. Wo sich die Mutter zum Zeitpunkt der Tat aufhielt, war zunächst offen geblieben.

Die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Hanau sagte am Sonntag, an der geplanten Überstellung des Vaters von Frankreich nach Deutschland seien etliche Behörden beteiligt. "Alle beteiligten Kollegen sind von den tragischen Ereignissen unfassbar betroffen", ergänzte sie. Der Tatverdächtige könnte vermutlich in einem hessischen Gefängnis in Untersuchungshaft kommen, wenngleich dafür auch andere Bundesländer nicht ausgeschlossen seien.

© dpa-infocom, dpa:220514-99-287392/6

dpa