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Panorama Hessen schwitzt in erster Hitzewelle des Jahres
Mehr Hessen Panorama Hessen schwitzt in erster Hitzewelle des Jahres
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15:52 16.06.2021
Die Sonne scheint durch leichte Zirrus-Wolken hindurch.
Die Sonne scheint durch leichte Zirrus-Wolken hindurch. Quelle: Markus Scholz/dpa/Symbolbild
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Frankfurt/Main

Plötzlich ist gefühlt Hochsommer: Mit weit über 30 Grad macht sich in diesen Tagen die erste Hitzewelle des Jahres bemerkbar. Rekordverdächtig ist sie zwar nicht, kam aber für die Menschen nach dem deutlich zu kühlen Mai und Frühjahr unvermittelt, wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) in Offenbach erklärt. "Der Hitzerekord für Juni liegt in Hessen bei 39,3 Grad in Frankfurt am 30. Juni 2019 - da kommen wir diesmal nicht ran", sagt Sprecher Andreas Friedrich. Die Lage im Überblick:

ABKÜHLUNG - Bei strahlendem Sonnenschein freuen sich Eisdielen, Schwimmbäder und Badeseen über Andrang, der allerdings weiter coronakonform abgewickelt werden muss. Nicht immer zur Freude der Gäste: "Wir sind ausgebucht", heißt es am Mittwochmittag im Fuldaer Freibad Rosenau. Dort müssen die Badegäste ebenso online ein Zeitfenster reservieren wie im Usa-Wellenbad in Bad Nauheim und in den anderen hessischen Bädern. In die Freude über die Wiedereröffnung mischt sich deshalb auch Unmut, wie eine Mitarbeiterin berichtet. Wer nicht im Voraus im Freibad des Wellenbades reserviert hat, kann das zwar vor Ort noch nachholen, das dauere jedoch eine Weile. Viele Gäste schimpften deshalb auch. Im Strandbad Großkrotzenburg im Main-Kinzig-Kreis muss die Gästezahl von üblicherweise bis zu 8000 halbiert werden, stellenweise gilt Maskenpflicht.

HITZEJOBS - Andernorts muss weitergearbeitet werden, da es Termine einzuhalten gilt. Maurer Jonas Kirchner, Metallbauer David Pößel und Steinmetz Reinhart Vierkant sind auf ihrem derzeitigen Arbeitsplatz der Sonne besonders nah: Sie sind am Mittwoch in rund 80 Metern Höhe mit der Demontage des Kreuzes auf dem Turm der Dreikönigskirche am Frankfurter Mainufer beschäftigt. Sonnenschutz auftragen, ausreichend Wasser mit nach oben nehmen und wenn möglich Erholungspausen im Schatten einlegen, das sind nach Auskunft ihres Arbeitgebers die Maßnahmen an heißen Tagen. Mit Hilfe eines Autokrans soll das Turmkreuz an diesem Donnerstag abgenommen werden.

GESUNDHEITSTIPPS - Wem die Wahl bleibt, der sollte angesichts der hohen UV-Strahlung körperliche Anstrengung besser meiden, warnt DWD-Gesundheitsmeteorologe Andreas Matzarakis - vor allem, wenn Vorerkrankungen ein besonderes Risiko darstellen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Sport und andere körperliche Anstrengungen sollten auf den frühen Morgen und in die Abendstunden verlegt werden. Mittags sollte ein Aufenthalt im Freien möglichst vermieden werden. Auch EM-Spiele in der Mittagszeit sollten am besten von zu Hause aus verfolgt werden. Die Sonnenbrandgefahr sei erhöht, da die Haut der meisten Menschen dieses Jahr noch nicht vorgebräunt sei, mahnt der DWD.

CORONA-IMPFUNG - Gegen eine Spritze zum Schutz vor dem Coronavirus spricht aus ärztlicher Sicht auch derzeit allerdings nichts. Hitze sei kein Hinderungsgrund für eine Impfung, erklärt die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Hessen. Es gebe keine Studien, die darauf hinweisen würden, dass die Impfung zu Kreislaufproblemen führe, sagt KV-Sprecher Karl Matthias Roth. Auch die Lagerung und Kühlung der Impfstoffe sei sichergestellt. Das Innenministerium verwies auf die Möglichkeit zur ärztlichen Beratung auch in den Impfzentren, bei der Fragen zum Thema Hitze geklärt werden könnten. Zudem könne man sich dort nach der Spritze zunächst im Wartebereich erholen und sicherstellen, alles gut verkraftet zu haben.

LANDWIRTSCHAFT - Nach dem kalten Frühjahr herrscht beim Bauernverband Freude über Sonnenschein und Wärme. Die Wärme führe nun zunächst dazu, dass die Entwicklung etwa von Getreide und Raps schnell voranschreite, sagt der Sprecher Bernd Weber. Wichtig sei allerdings, dass die Reife nicht zu früh erfolge. "Nicht besser sein" könnte das Wetter für die derzeit laufende Heuproduktion. Die Versorgung mit Wasser sei noch gut. "Wir brauchen allerdings, um einen guten Getreideertrag zu erzielen, richtig schöne, voll ausgebildete Körner. Damit wir diese haben, muss es natürlich auch mal wieder regnen." Fatal wären heftige Gewitter mit Hagel. Vielen Weidetieren geht es wie Menschen: Es ist ihnen zu warm und sie brauchen ein schattiges Plätzchen zur Erholung.

WALDBRANDGEFAHR - Und schon müssen Radfahrer und Wanderer im Wald wieder besonders vorsichtig sein. Der DWD erwartet an diesem Donnerstag die höchste Waldbrand-Warnstufe im Rhein-Main-Gebiet und an der Bergstraße. Die zweithöchste Stufe 4 werde in Hessen ebenfalls weit verbreitet sein. Eine mittlere Waldbrandgefahr bestehe lediglich in den Höhen der Mittelgebirge. Entspannung sei voraussichtlich am Wochenende in Sicht, wenn mit den erwarteten Gewittern auch wieder Niederschläge für mehr Feuchtigkeit in den Wäldern sorgen.

© dpa-infocom, dpa:210616-99-11461/3

dpa