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Panorama Tausende Scooter flitzen durch Hessen: Beschränkung geplant
Mehr Hessen Panorama Tausende Scooter flitzen durch Hessen: Beschränkung geplant
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08:45 21.08.2021
Eine Frau fährt auf einem E-Scooter auf einem Weg entlang.
Eine Frau fährt auf einem E-Scooter auf einem Weg entlang. Quelle: Uwe Anspach/dpa/dpa-tmn/Symbolbild
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Frankfurt/Main

Nach einer Corona-Delle wächst das Geschäft mit Elektrorollern zum Ausleihen weiter. In den großen hessischen Städten sind mehrere Unternehmen aktiv, die Fahrten mit E-Scootern anbieten. Sie berichten von einer großen Nachfrage besonders jetzt im Sommer. Mit einem weiteren Anstieg wird gerechnet. Doch die Scooter machen in den Kommunen nach wie vor Probleme, etwa wenn sie so abgestellt werden, dass sie Gehwege blockieren. Die Stadt Frankfurt will darauf mit der Zuweisung bestimmter Parkzonen reagieren. Allein in der Mainmetropole sind nach Schätzungen mehr als 10.000 Leih-Scooter unterwegs.

Bis Jahresende soll eine entsprechende Regelung gegen das Parkchaos von der neuen Stadtregierung vorgelegt und beschlossen sein, sagt der scheidende Frankfurter Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD). Die Roller könnten dann nur noch in festgelegten Bereichen abgestellt werden. Bislang kann man sie überall auf Gehwegen oder am Straßenrand im Stadtgebiet parken, wo sie andere Verkehrsteilnehmer nicht behindern oder gefährden. Der nächste Nutzer kann dann einfach von dort aus losfahren. Aktiviert und bezahlt werden die Roller mit einer App auf dem Smartphone.

Das Geschäft läuft nach Angaben der Anbieter gut, konkrete Zahlen oder Vorhaben nennen sie jedoch nicht. "Wir stehen aktuell mit weiteren Städten in Hessen in Verhandlungen, können zum aktuellen Zeitpunkt aber noch keine konkreten Angaben machen, wann und wo wir genau starten werden", teilt etwa ein Sprecher des E-Scooter-Anbieters Tier mit. Das Unternehmen ist im Bundesland bisher in Frankfurt, Wiesbaden, Kassel und Darmstadt aktiv.

In der Pandemie seien die Nutzerzahlen zunächst stark zurückgegangen, nun erweise sie sich als Treiber: "In der aktuellen Situation bieten E-Scooter eine Möglichkeit, um sicher, mit dem nötigen Abstand und an der frischen Luft von A nach B zu kommen", teilt Tier mit. Auch die Anbieter Lime und Voi haben registriert, dass die Scooter nun häufiger für längere Fahrten etwa zur Arbeit oder zum Einkaufen genutzt werden.

Die Unternehmen beteuern, sie gingen gegen wild geparkte Scooter vor und versuchten zu verhindern, dass sie in Gewässer geworfen werden - letzteres ist insbesondere im Frankfurter Mainabschnitt ein Problem. Dabei handele es sich um gezielten Vandalismus, sagt ein Sprecher von Lime. Mitarbeiter versuchten, die Roller mit speziellen Haken aus dem Wasser zu ziehen, wenn sie in Reichweite seien. Seit April 2021 seien mehr als 20 geborgen worden.

Darmstadt schätzt die Zahl der Leih-Scooter im Stadtgebiet auf knapp 1000, vier Anbieter sind präsent. Beschwerden etwa über vollgestellte Bürgersteige würden unmittelbar an diese weitergeleitet, sagt ein Stadtsprecher. Die Betreiber bemühten sich, innerhalb weniger Stunden störende Roller zu beseitigen. Auch das Ordnungsamt habe bei seinen Routinerunden ein Auge auf die Situation. Die Scooter seien in Darmstadt von Anfang an kritisch gesehen worden, da in Frage stehe, ob sie einen positiven Beitrag zur ökologischen Mobilitätswende leisteten. "Eine rechtliche Handhabe, dagegen vorzugehen, gibt es jedoch nicht", sagt der Sprecher.

In Wiesbaden herrscht eine moderate Beschwerdelage über die rund 1250 Tretroller, die dort unterwegs sind. Mit den drei in der Landeshauptstadt tätigen Anbietern gebe es einen regen Austausch, sagt ein Sprecher des Verkehrsdezernats. Sie seien aufgefordert worden, "ihr Personal besser zu schulen, um die Aufstellung von E-Tretrollern zum Beispiel in Kreuzungsbereichen und Bushaltestellen zu unterbinden". Nutzer sollen auf die Regeln hingewiesen und Lösungen für eine bessere Kontrolle gefunden werden. In den Fußgängerzonen und Parks in Wiesbaden ist es nicht möglich, die Scooter abzustellen, da sich dort der Mietvertrag nicht beenden lasse. Geprüft wird auch eine Obergrenze für die Roller, um eine zu starke Konzentration in der Innenstadt zu vermeiden.

In Kassel gibt es nach Auskunft von Stadtsprecher Claas Michaelis kaum Beschwerden über falschparkende Scooter. Mit den inzwischen vier Verleihern stehe man in regelmäßigen Austausch. Auch in Kassel werde das Abstellen und Fahren in bestimmten Bereichen - wie etwa im Weltkulturerbe Bergpark Wilhelmshöhe - mittels technischer Lösungen unterbunden. Die Lage werde weiter beobachtet, nötigenfalls werde man einschreiten, sagte Michaelis.

© dpa-infocom, dpa:210821-99-916360/3

dpa