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Panorama Tafeln in Hessen: Lebensmittelmangel und Nachwuchssorgen
Mehr Hessen Panorama Tafeln in Hessen: Lebensmittelmangel und Nachwuchssorgen
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12:01 23.12.2019
Bedürftige bedienen sich an den Lebensmitteln bei der Tafel. Quelle: Boris Roessler/dpa
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Berlin/Wetzlar

Rund 100 000 Menschen in Hessen werden von den Tafeln mit Lebensmitteln unterstützt. 2019 waren das rund zehn Prozent mehr Empfänger als im Vorjahr, wie der Vorsitzende von Tafel Hessen, Willi Schmidt, am Montag der Deutschen Presse-Agentur sagte. 57 Tafeln gibt es in Hessen, 5800 Ehrenamtliche engagieren sich dort. Deren Arbeit werde immer schwerer, berichtete der Vorsitzende des in Wetzlar ansässigen Landesverbands.

"Es wird immer schwieriger für die Tafeln, die benötigten Lebensmittel zu erhalten", sagte Schmidt: "Der Anteil der zu unterstützenden Menschen steigt - die Menge der Spenden stagniert." Supermarktketten und Discounter optimierten permanent ihre Planungen oder verkauften Lebensmittel kurz vor dem Verfallsdatum selbst. "Da bleibt nicht mehr viel übrig", sagte Schmidt. Ein weiteres Problem seien Nachwuchssorgen bei den ehrenamtlichen Helfern. Sie seien im Durchschnitt 65 Jahre alt und bräuchten dringend Unterstützung von jüngeren Mitarbeitern.

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Rund 1,65 Millionen Menschen erhalten nach Angaben des Bundesverbands Hilfe von 940 Tafeln in Deutschland. Auch bundesweit waren das rund zehn Prozent mehr als im vergangenen Jahr. Besonders groß sei die Nachfrage bei älteren Menschen. "Die Zahl der Rentner unter den Tafelkunden ist innerhalb eines Jahres um 20 Prozent auf 430 000 gestiegen", sagte der Vorsitzende des Bundesverbandes der Tafeln, Jochen Brühl, kürzlich der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Darunter seien auch 500 000 Kinder und Jugendliche.

In Hessen sei der Anteil der Senioren etwas weniger stark gewachsen als im Bundesschnitt, sagte Schmidt. Dafür habe man in Hessen einen ziemlich hohen Anteil von Kindern und Jugendlichen mit zu versorgen. 25 400 Minderjährige leben Schmidt zufolge in den Familien, die von den hessischen Tafeln unterstützt werden. "Das ist schon eine sehr hohe Zahl." Auch der Anteil der Alleinerziehenden habe überdurchschnittlich stark zugenommen.

dpa