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Panorama Häuser des Jugendrechts: Ganzheitlicher Ansatz bewährt sich
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14:59 18.07.2022
Das Haus des Jugendrechts in Frankfurt-Höchst.
Das Haus des Jugendrechts in Frankfurt-Höchst. Quelle: Boris Roessler/dpa
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Frankfurt/Main (dpa/lhe)

Im Haus des Jugendrechts im Frankfurter Stadtteil Höchst sind die Wege kurz. Polizei, Staatsanwaltschaft, Jugendgerichtshilfe und Täter-Opfer-Ausgleich haben sich hier unter einem Dach versammelt. Sie alle sitzen auf einem Stockwerk, viele Türen stehen zumeist offen. Der Vorteil ist, dass man regelmäßig miteinander ins Gespräch kommt und keine Informationen auf der Strecke bleiben, wie die Leiterin des Hauses, Reinhilde Morbitzer, bekräftigt.

Alleine in der Einrichtung in Frankfurt Höchst wurden im vergangenen Jahr 2241 Verfahren eingeleitet. Hessenweit gibt es sieben Häuser des Jugendrechts. Drei in Frankfurt sowie jeweils eins in Kassel, Offenbach und in Wiesbaden. Dazu kommt seit vergangenem Jahr ein virtuelles Haus des Jugendrechts in Fulda. Für 2023 ist eine weitere Einrichtung in Hanau geplant. Ein Schwerpunkt soll dort auf der Bekämpfung von Rechtsextremismus liegen.

Die Häuser seien ein «zentraler Baustein der Sicherheitsarchitektur», sagte Hessens Justizminister Roman Poseck. Der ganzheitliche Ansatz sei effektiv und habe sich bewährt. «Gerade bei einem jungen Menschen ist es besonders wichtig, eine kriminelle Entwicklung so früh und so nachhaltig wie möglich abzubrechen», erklärte der CDU-Politiker. Das verhindere ein weiteres Abdriften der jungen Menschen in Kriminalität und eröffne Zukunftsperspektiven.

Dass das Konzept der Häuser ein Erfolg ist, soll nun auch eine Studie belegen, die am Montag vorgestellt wurde. Demnach wurden Jugendliche und Heranwachsende, die zwischen 2016 und 2019 in Höchst betreut wurden, weniger oft rückfällig als solche in anderen Frankfurter Stadtteilen, für die in diesem Zeitraum kein Haus des Jugendrechts zuständig war.

Konkret wurden zwei Probandengruppen untersucht, die laut den Angaben etwa hinsichtlich Alter, Geschlecht oder ihrer Delikte vergleichbar sind. Zum einen 103 junge Menschen aus dem Zuständigkeitsbereich des Hauses in Höchst und zum anderen 70 Jugendliche und Heranwachsende aus dem Frankfurter Osten. Den Ergebnissen zufolge wurden bei 70 Prozent der Betreuten aus der Einrichtung in Höchst keine neuen Straftat bekannt; dagegen waren es bei der anderen Gruppe ohne diese besondere Betreuung nur 41 Prozent.

Das hessenweit erste Haus des Jugendrechts wurde 2010 in Wiesbaden eröffnet, im vergangenen Jahr ging die Einrichtung in Kassel an den Start. Wenn ein junger Mensch eine Straftat begangen habe und es zu Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft und möglicherweise einer Gerichtsverhandlung kommt, sei die Situation für die ganze Familie belastend, erklärt das Kasseler Jugendamt auf der Homepage der Stadt zu dem Thema. Mit dem Haus ziele man vor allem auf Beratung sowie pädagogische, psychologische und soziale Hilfen. «Wir beziehen während der gesamten Begleitung die Jugendlichen beziehungsweise Heranwachsenden und deren Eltern unmittelbar mit ein. Es wird nichts über Eure/Ihre Köpfe hinweg geschehen.»

Speziell auf den ländlichen Raum zugeschnitten ist das virtuelle Haus des Jugendrechts in Fulda. Damit soll das Modell aus den Ballungsräumen in die Fläche gebracht werden. Der erste digitale Ableger verfolgt die gleichen Konzepte und Ziele wie die realen Häuser des Jugendrechts und soll die Zusammenarbeit zwischen Polizei, Staatsanwaltschaften und Jugendhilfe verbessern. Außerdem fungiert das virtuelle Haus des Jugendrechts als Anlaufstelle für Fortbildungs- und Informationsveranstaltungen zu aktuellen Themen des Jugendstrafrechts.