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Panorama Sohn: Mutmaßliche Sekten-Chefin war "eiskalt"
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17:29 05.06.2020
Eine Statue der Justitia hält eine Waage in der Hand. Quelle: David-Wolfgang Ebener/dpa/Symbolbild
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Hanau

Er war 14 Jahre alt, als im August 1988 im Haus der Gruppe in Hanau ein vierjähriger Junge ums Leben kam. Das Kind soll zur Züchtigung von der Anführerin in einen Leinensack verschnürt worden sein. Er wurde im Badezimmer abgelegt, wo er wohl erstickte. Der 46-Jährige beschrieb seine Mutter als "erbarmungslos", "eiskalt" und als "totale Instanz", die "unfehlbar" Menschen gefügig machen wollte.

Der Zeuge berichtete von Tattag-Erinnerungen, als das Opfer erneut in einem Sack eingeschnürt gewesen sei. Der drangsalierte Junge habe verzweifelt geweint. "Das Schreien hat sie überhaupt nicht interessiert", sagte er über seine Mutter, die auf den Jungen aufpassen sollte. Die Eltern des Jungen waren Anhänger der mutmaßlichen Sekte und zur Tatzeit nicht im Haus. Die Chefin sei wegen der Schreie ins Badezimmer gegangen. "Plötzlich war absolute Ruhe", sagte der Zeuge. Wenig später habe er gesehen, wie Erbrochenes aus dem Mund des bleichen und leblosen Jungen geholt worden sei. Seine Mutter habe nie eine Risikoabwägung vorgenommen und keine Vorsichtsmaßnahmen getroffen, wenn sie Kinder in Säcke gesteckt habe.

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Die Verteidigung versuchte am Freitag offenbar die Glaubwürdigkeit des Zeugen in Zweifel zu ziehen. Dabei kam zur Sprache, dass er vor Jahrzehnten Diebstahl und Versicherungsbetrug begangen haben soll. Der Zeuge räumte dies teilweise ein. 1992 verließ er die Gruppe als 19-Jähriger und brach als Aussteiger den Kontakt zur Mutter ab.

Laut Anklage sah die mutmaßliche Sekten-Chefin den kleinen Jungen als vom Bösen besessen an und habe ihn deswegen töten wollen. Die Anwälte der Frau wiesen den Mordvorwurf zurück. Damals wurde der Tod des Jungen als Unfall dargestellt. Der Prozess wird fortgesetzt.

dpa

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