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Panorama Schwimmbäder: Sicherheitsdienste sollen vor Gewalt schützen
Mehr Hessen Panorama Schwimmbäder: Sicherheitsdienste sollen vor Gewalt schützen
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08:49 17.07.2022
Ein Mitarbeiter vom Waldschwimmbad Rosenhöhe beobachtet das Geschehen im Becken.
Ein Mitarbeiter vom Waldschwimmbad Rosenhöhe beobachtet das Geschehen im Becken. Quelle: Andreas Arnold/dpa/Archivbild
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Wiesbaden (dpa/lhe)

An einem heißen Badetag Anfang Juli erhitzen sich im Schwimmbad in Langen im Rhein-Main-Gebiet die Gemüter. Vermutlich wegen einer Eifersuchtsgeschichte geraten mehrere Badegäste in Streit, es gibt Platzwunden und Kratzer, die Polizei rückt mit mehreren Streifenwagen an. Ist dies ein unrühmlicher Einzelfall - oder gibt es in hessischen Schwimmbädern regelmäßig Probleme mit aggressiven Gästen? Eine stichprobenartige Umfrage ergibt, dass sich einige Bäder inzwischen Unterstützung von Sicherheitsdiensten holen. Gewalt gegen die Mitarbeiter oder unter Gästen ist jedoch eher eine Ausnahme.

«99 Prozent der hessischen Bäder haben das unter Kontrolle», sagte die Vorsitzende des Landesverbandes Hessen im Bundesverband deutscher Schwimmmeister, Michaela Fisseler-Weinrich. «Frei- und Hallenbäder stellen in Hessen keinesfalls einen Kriminalitätsschwerpunkt dar», erklärte auch ein Sprecher des Innenministeriums in Wiesbaden. Die Fallzahlen seien in den vergangenen drei Jahren rückläufig. Sollten Schwimmbadbetreiber eine Sicherheitsberatung der Polizei benötigen, dann stehe diese jederzeit zur Verfügung. Der Sprecher rief alle Betroffenen dazu auf, sich bei Körperverletzungsdelikten in Schwimmbädern umgehend an die Polizei zu wenden. Die gelte auch für Sexualdelikte.

Im Waldschwimmbad Rosenhöhe in Offenbach sind seit Jahren regelmäßig Sicherheitsleute im Einsatz, wie der Vorsitzende des Ersten Offenbacher Schwimm-Clubs, Matthias Wörner, sagte. Auslöser sei eine Pfefferspray-Attacke gegen eine Kassierin gewesen. Mit der Unterstützung des Sicherheitsdienstes hätten die Badmitarbeiter auch an heißen Wochenenden «alles im Griff», betonte Wörner. «Die Beckenaufsicht muss schließlich darauf achten, dass niemand ertrinkt.» Sie könne sich nicht mit Streitigkeiten außerhalb des Beckens befassen.

«In den Fuldaer Frei- und Hallenbädern beobachten wir seit einiger Zeit, dass hin und wieder Jugendliche und junge Erwachsene grundlos aggressiv Streit mit unserem Personal und/oder anderen Badegästen suchen», erklärte die Pressestelle der RhönEnergie Fulda. «Vor diesem Hintergrund setzen wir inzwischen in unserem großen Freibad Rosenau an sonnigen Tagen mit hohen Aufkommen an Badegästen externes Sicherheitspersonal ein.» Das senke erheblich das Konfliktpotenzial.

«Natürlich kann es in sehr vollen Bädern auch bei uns hektischer und auch wenig überschaubar werden», erklärte der Sprecher der Kasseler Verkehrs- und Versorgungs-GmbH, Ingo Pijanka. Dies gelte etwa für das Auebad, ein kombiniertes Hallen- und Freibad mit einem großen Freizeitbereich. «Dort müssen wir tatsächlich auch mal Jugendliche des Bades verweisen und Hausverbote aussprechen», erläuterte Pijanka. «Dazu verstärken wir uns, wenn es sehr voll ist, mit Sicherheitspersonal.» Übergriffe auf Mitarbeiter habe es allerdings in Kasseler Bädern nicht gegeben.

Nur in einem der fünf Darmstädter Freibäder habe es Streitereien und Pöbeleien gegeben, worauf die Stadt schnell reagiert habe, teilt ein Sprecher mit. «Um die Lage zu entspannen, wird dort am Wochenende ein Sicherheitsdienst eingesetzt, der die Lage im Blick behält und - wenn nötig - deeskalierend interveniert.» Auch die offene Kinder- und Jugendarbeit sei vor Ort mit Angeboten für die jungen Badegäste aktiv.

«In Wiesbaden sind eskalierende Streitigkeiten kein Thema», erklärte Thomas Baum, Betriebsleiter des Wiesbadener Bäderbetriebs mattiaqua. «Auch können wir keinen Anstieg von Aggressionen verzeichnen.» Natürlich gebe es immer wieder einmal Konfliktpotenziale. «Diese entsprechen jedoch der normalen Situation, die es schon immer in Schwimmbädern gab», sagte Baum. In der Regel würden die Wiesbadener Bäder ohne zusätzliche Security-Dienste betrieben. «Nur wenn vorhersehbar ist, dass es zu einem extremen Besucheransturm kommen wird, setzen wir punktuell Sicherheitspersonal ein», sagte Baum.