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Panorama Deutlich mehr Nachweise von Wölfen in Hessen
Mehr Hessen Panorama Deutlich mehr Nachweise von Wölfen in Hessen
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13:56 24.10.2019
Ein Wolf steht in einem Gehege im Wildpark Neuhaus.  Quelle: Swen Pförtner/dpa
Gießen

Die Zahl der Sichtungen und Spuren von Wölfen in Hessen ist in diesem Jahr sprunghaft gestiegen. Das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) listet für 2019 bislang 26 Fälle auf. Im Vorjahr hatte es keinen einzigen Nachweis gegeben, 2017 waren es fünf gewesen. "Dieses Jahr ist es viel", sagte die Wolfsexpertin Susanne Jokisch auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur in Gießen. Allerdings bedeute dies nicht, dass 26 verschiedene Wölfe in Hessen unterwegs sind oder waren. Allein knapp zehn Nachweise ließen sich einer bestimmten Wölfin im Vogelsberg zuordnen.

2019 sind in Hessen nach den Worten von Jokisch bislang sechs verschiedenen Wölfe sicher genetisch identifiziert worden. "Darunter ein Rüde, der jedoch inzwischen weitergezogen ist." Von den übrigen fünf Wölfinnen seien zwei überfahren worden - eine davon Ende September im Spessart. "Bei drei Fähen gehen wir davon aus, dass sie noch da sind", sagte Jokisch.

Die Wolfsnachweise beruhen auf unterschiedlichen Quellen. Zum Teil liegen sehr gute Fotos oder Videos vor, so dass Fachleute die Art eindeutlich bestimmen können. Allerdings ist meist nur dann eine Individualisierung möglich, wenn das Tier genetische Spuren hinterlassen hat.

Am 2. Oktober beispielsweise filmte ein Mann von seinem Traktor aus einen Wolf in Waldkappel-Schemmern im Werra-Meißner-Kreis. Auf dem Video ist zu sehen, wie sich das Tier nachts auf einem Acker neugierig der Maschine nähert und dann wieder verschwindet. Ein Foto vom 6. Juni zeigt einen Wolf, der nahe Sontra-Ulfen - ebenfalls Werra-Meißner-Kreis - über einen Waldweg spaziert.

Manchmal gelingt es, an gerissenen Beutetieren Wolfs-DNA zu sichern. Ist das genetische Material gut genug, kann es einem Tier individuell zugeordnet werden. Daher wissen die HLNUG-Expertinnen, dass die Wölfin mit der Nummer "GW1166f" am 21. Februar in Kathus im Kreis Hersfeld-Rotenburg ein Reh gerissen hat und am 3. September in Unter-Seibertenrod im Vogelsbergkreis ein Kalb. Auch im Kot von Wölfen finden sich DNA-Spuren, die beweisen, dass ein Tier in einem Gebiet unterwegs war.

Wird ein individuell bekannter Wolf über einen Zeitraum von sechs Monaten mehrmals in einer Region sicher nachgewiesen, dann gilt er als sesshaft. Üblicherweise gilt nur ein genetischer Nachweis als sicher. Individuen mit besonderen äußeren Merkmalen, wie etwa auffälligen Zeichnungen, können auch anhand von Fotos individualisiert werden.

Einen Wolf mit eigenem Territorium in Hessen gab es zuletzt im nordhessischen Reinhardswald 2008 bis 2011. Dann wurde der Rüde tot gefunden.

dpa