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Panorama Schönes Wetter, heiße Öfen: Beginn der Motorradsaison
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07:43 15.04.2021
Ein Motorradfahrer und seine Maschine werfen Schatten auf den Asphalt.
Ein Motorradfahrer und seine Maschine werfen Schatten auf den Asphalt. Quelle: Frank Rumpenhorst/dpa/Archivbild
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Darmstadt/Schmitten/Waldeck

Mit Beginn des Frühjahrs zieht es auch in Hessen wieder viele Biker auf ihre Motorräder. Teilweise zum Leidwesen der Anwohner: Die Lärmbelastung ist auf beliebten Strecken wie am Feldberg im Taunus, aber auch im Odenwald oder an der Bergstraße seit Jahren ein Thema. Bürgerinitiativen und Kommunen versuchen, einen Weg zu finden, Vereine wie Biker for Freedom wollen vermitteln.

"Leider führen hohe Unfallzahlen, Verkehrsgefährdungen - verbunden mit erheblichem Lärm - immer wieder zu Beschwerden in großen Teilen der Bevölkerung", teilte eine Sprecherin des Hochtaunuskreises, zu dem der Feldberg gehört, mit. Die Polizei geht mit Kontrollen im Feldberggebiet, aber auch im Wisper- und Aartal (Rheingau-Taunus-Kreis) gegen Regelbrecher vor.

"Grundsätzlich haben wir auch im letzten Jahr massiv Kontrollen durchgeführt", sagte Sprecher Ingo Paul und stellte fest: "Der Großteil der Motorradfahrer verhält sich absolut konform." Es gebe Ausnahmen, die negativ auffallen. "Die haben wir aber auch immer dabei." Neben Geschwindigkeits- führt die Polizei demnach Anhaltekontrollen durch, bei denen die Beamten der Zustand der Maschinen und eventuelle Veränderungen beispielsweise am Auspuff überprüfen. Dazu gehören auch Messungen der Lärmpegel.

Der Verein Biker for Freedom setzt mit "Brennpunktdialogen" auf Diskussionen mit den Beteiligten vor Ort. "Es geht uns um einseitige temporäre Aussperrung der Motorräder", erklärte Pressesprecher Jürgen Lindenkamp. Dafür gehen die Biker "dahin, wo es wehtut" - unter anderem Ende März auf den Feldberg, um dort ins Gespräch unter anderem mit den Anwohnern zu kommen.

Maßnahmen wie Lärmdisplays, verstärkte Kontrollen oder Geschwindigkeitsmessungen halten die Biker for Freedom für richtig. "Wir distanzieren uns deutlich von denen, die ihre Motorräder manipulieren", sagte Lindenkamp. Auch Fahrer, die durch Runterschalten der Gänge in Ortschaften nochmal extra auf die Lärmtube drücken, lehnt der Verein ab. "Man wird immer mit denen über einen Kamm geschert, die sich nicht an die Regeln halten."

Sperrungen aber sind laut Lindenkamp nicht das richtige Mittel: Es gebe ja beispielsweise in Frankfurt eine Autoposer-Szene, "aber da wird die Innenstadt für Autos am Wochenende auch nicht dichtgemacht". Für Lindenkamp sind die Ausflüge mit dem Motorrad, auch mit einer größeren Gruppe, gerade auch in Corona-Zeiten wichtig: "Wir frönen unserem Hobby, das ist für uns Entspannung."

Das Polizeipräsidium Westhessen kontrollierte eigenen Angaben zufolge im gesamten Präsidiumsbereich zwischen April und Oktober mehr als 3600 "motorisierte Zweiräder". In 312 Fällen seien technische Veränderungen festgestellt worden, insgesamt 233 Motorräder davon durften nicht weitergefahren werden.

Der Verein Feldberginitiative hält Sperrungen für das einzig probate Mittel, um dem Lärm Herr zu werden. Bisherige Maßnahmen wie Kontrollen, aber auch Blitzer, Geschwindigkeitsbegrenzungen oder Überholverbote hätten nicht zum gewünschten Erfolg geführt, teilte Vorstand Olaf Gierke mit. "Temporäre Streckensperrungen sind daher der konsequente nächste Schritt." Diese sollten auch "präventiv" eingesetzt werden.

2019 im Mai und im September sperrte der Hochtaunuskreis versuchsweise über je zwei Wochenenden - insgesamt für je neun Tage - Teilstrecken auf dem Feldberg. Wie eine Sprecherin des Kreises mitteilte, wurden währenddessen unter anderem Daten zum Lärmschutz gesammelt. Diese werden den Angaben zufolge derzeit ausgewertet. "Bis das abschließende Ergebnis vorliegt, sind keine weiteren Sperrungen geplant."

Der Große Feldberg gehört zur kleinen Gemeinde Schmitten, einem anerkannten Luftkurort mit knapp 9500 Einwohnern. Bürgermeisterin Julia Krügers (CDU) wünscht sich "für die Gemeinde mehr Kontrollen, auch an den Wochenenden und Abendstunden". Verkehrslärm müsse im Sinne der Anwohner und Gäste reduziert werden und gleichzeitig die Verkehrssicherheit gewährleistet sein. "Sperrungen würden ich nach Möglichkeit vermeiden wollen, auch im Sinne der Einwohner in Schmitten, die selbst Motorrad fahren, der Gastronomie und Hotellerie sowie auch im Sinne der Gäste und Besucher."

Auch Strecken im Odenwald oder an der Bergstraße sind in Hessen bei Bikern beliebt. Zahlreiche Motorradfahrer hätten "die ersten Sonnenstrahlen und frühlingshaften Temperaturen bereits für die ersten Ausfahrten genutzt", wie das Polizeipräsidium Südhessen mitteilte. Auch hier kontrolliert die Polizei unter anderem Geschwindigkeiten, aber verstärkt auch Lärmpegel. Mehrere Motorräder mit technischen Veränderungen beispielsweise an der Auspuffanlage seien bereits sichergestellt worden, hieß es. Verstärkte Kontrollen in Südhessen soll es während der gesamten Saison geben.

Zu den beliebtesten Biker-Strecken in Nordhessen gehört die Uferstraße am Edersee. Dort fanden zuletzt am Karfreitag umfangreiche Verkehrskontrollen statt - unter anderem war ein Motorradfahrer mit Tempo 100 doppelt so schnell unterwegs wie erlaubt. In den nächsten Tagen werde im Rahmen des Streifendienstes weiter am Edersee kontrolliert, sagte ein Sprecher.

© dpa-infocom, dpa:210415-99-209944/2

dpa