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Panorama Retter in Corona-Zeiten: Ungewissheit fährt mit
Mehr Hessen Panorama Retter in Corona-Zeiten: Ungewissheit fährt mit
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09:27 01.05.2020
Ein Rettungswagen mit der Aufschrift 112 fährt mit Blaulicht durch die Stadt. Quelle: Nicolas Armer/dpa/Symbolbild
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Frankfurt/Main

Rettungskräfte sehen sich angesichts der Coronavirus-Pandemie besonderen Herausforderungen ausgesetzt. "Unser Problem bei den Einsätzen ist, dass unsere Leute wirklich an der Front sind", sagte Thomas Müller-Witte, der Geschäftsführer des ASB-Regionalverbandes Frankfurt. "Man fährt zu einer Einsatzstelle und weiß nicht, was einen erwartet, ob es um einen Verdachtsfall oder Covid-19-Patienten geht - oder der Patient im Nachgang positiv getestet wird." Diese Ungewissheit sei eine "besondere Belastung für alle Einsatzkräfte".

Der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) Hessen bemerkt nach eigenen Angaben deutlich weniger Einsätze als vor der Pandemie. Die Anzahl der "Corona-Fahrten" sei "überschaubar", doch wenn es dazu komme und Verdachtsfälle oder Infizierte transportiert werden müssten, sei der Arbeits- und Zeitaufwand für das Anlegen der Schutzkleidung und spätere Desinfizieren der Fahrzeuge extrem hoch.

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In Frankfurt sind nach einer ersten Einschätzung von Müller-Witte die Einsatzzahlen um etwa 30 Prozent zurückgegangen. Das liege zum einen daran, dass wegen der Corona-Beschränkungen mehr Menschen zu Hause seien und es beispielsweise weniger Wegeunfälle gebe. Hinzu komme, dass Menschen "jetzt eher einen nicht so guten gesundheitlichen Zustand aushalten, weil Sie Angst haben, dass sie sich bei Kontakt mit dem Rettungspersonal anstecken könnten".

Einen ähnlichen Trend bemerkt auch die Johanniter-Unfall-Hilfe: "Es scheint Menschen zu geben, die sich in der aktuellen Lage nicht trauen, den Rettungsdienst zu alarmieren, obwohl wirklich ein ernsthafter Bedarf bestünde", sagte Dirk Rausch, Rettungsdienst-Bereichsleiter beim Regionalverband Mittelhessen. Man könne nur appellieren, den Rettungsdienst zu rufen, wenn man ihn benötige. Dieser stehe für Notfälle "wie gewohnt zuverlässig und bestens ausgerüstet" bereit.

Schutzausrüstung ist den Rettern zufolge nach anfänglichen Problemen inzwischen vorhanden: "Am Anfang war die Jagd nach Material", berichtete ASB-Landesgeschäftsführer Matz Mattern. Man fühle sich mittlerweile, mit Ausnahme von Schutzkitteln vor allem für die Pflege, gut ausgerüstet. "Allerdings gibt es Signale, dass wir noch stärker auf Fake-Material achten müssen, das im Umlauf ist."

Rausch von den Johannitern spricht - nach Beschaffungsschwierigkeiten zu Beginn bei Nachbestellungen - von einer wieder weitestgehend entspannten Lage. "Wir bedienen derzeit jeden Einsatz in Schutzkleidung, da in diesen Zeiten immer mit einer potenziellen Gefährdungslage zu rechnen ist."

Angesichts des Risikos appellieren die Retter an die Bürger, sich an die Abstands- und Hygieneregeln gegen die Pandemie zu halten. "Man sollte es nicht nur für sich selbst und sein engstes Umfeld tun", sagte Mattern. "Man sollte es einfach auch für alle anderen da draußen tun: neben den Risikogruppen vor allem auch für die, die sich engagieren, um diese Sondersituation so schnell wie möglich zu beenden. Immer dann, wenn ich das nicht einhalte, gefährde ich unter anderem Polizisten, Retter und medizinisches Personal."

dpa

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