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Panorama Regierungskreise: Hessen plant Schließungen der Schulen
Mehr Hessen Panorama Regierungskreise: Hessen plant Schließungen der Schulen
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17:13 13.03.2020
Leere Stühle in einem Klassenzimmer einer Grundschule. Quelle: picture alliance / dpa/Archivbild
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Wiesbaden/Frankfurt

Wegen des Coronavirus sollen in Hessen landesweit die Schulen geschlossen werden. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur in Wiesbaden am Freitag aus Regierungskreisen. Unter Führung von Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) wollte das Kabinett am Nachmittag zu einer Sondersitzung zusammenkommen und ein Maßnahmenpaket beschließen. Im Anschluss will die Landesregierung über die eingeleiteten Schritte informieren (17.30 Uhr). Mit Hessen haben nun schon zehn Länder flächendeckende Schulschließungen geplant.

Die Zahl der bestätigten Infektionen stieg unterdessen weiter auf 133 am Freitagnachmittag (14.00 Uhr), am Vortag waren noch 91 gezählt worden. Die neuen Fälle stammen aus zahlreichen Landkreisen und gehen den Angaben zufolge unter anderem auf Reisen nach Italien (vor allem Südtirol) und Österreich (vor allem Skiort Ischgl) zurück. Allein neun neue Fälle sind etwa aus dem Rheingau-Taunus-Kreis aufgeführt, acht aus der Region Kassel.

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Als Konsequenz aus der Coronapandemie hatten am Vormittag bereits mehrere Bundesländer die Schließung von Schulen und Kitas ab nächstem Montag bis zu den Osterferien beschlossen. Ziel ist es, auf diesem Weg die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen.

Mehrere hessische Bildungsverbände und auch die Landtagsopposition hatten zuvor bereits nachdrücklich gefordert, wegen der Entwicklung unverzüglich die Bildungseinrichtungen im Land zu schließen. Es bestünden deutliche Hygiene- und Infektionsrisiken, da Tausende Kinder und Jugendliche in den Klassenräumen und in den Pausen aufeinandertreffen. Die Abiturprüfungen sollten jedoch wie geplant stattfinden.

Die Ausbreitung des Virus zieht unterdessen immer weitere Kreise. Krankenhäuser im Land schränkten zum Schutz ihrer Patienten ihre Besuchszeiten teilweise drastisch ein. Auch das öffentliche Leben ist zunehmend betroffen. Zahlreiche Gemeinden verzichten auf Gottesdienste. Kommunen kündigten an, Ämter zu schließen, teils bleiben gesamte Rathäuser zu, beispielsweise im Rheingau. Für dringende Angelegenheiten sollen Hotlines geschaltet werden.

Darmstadt sagte bis Ende April alle öffentlichen Veranstaltungen ab, Versammlungen und Demonstrationen mit größeren Menschenansammlungen wurden untersagt, Sportveranstaltungen nur ohne Zuschauer erlaubt. Alle Schwimmbäder wurden geschlossen, der Museumsbetrieb eingeschränkt. Die Kasseler Staatsanwaltschaft erklärte, Sprechzeiten nur noch telefonisch anzubieten und bat ansonsten um schriftliche Anfragen.

Auch die Organisatoren des Hessentags in Bad Vilbel geraten unter Druck. In den kommenden Tagen werde sich der Veranstaltungsstab des Landesfests mit allen Beteiligten zu Gesprächen treffen, um gemeinsam eine Vorgehensweise abzusprechen, teilte die Stadt mit. Die 60. Auflage des Hessenfests ist für den 5. bis 14. Juni geplant. Rheinland-Pfalz hatte sein Landesfest bereits abgesagt.

Der Landtag will im März planmäßig tagen. Bei den vom 24. bis 26.3. angesetzten Sitzungen werden aber keine Besucher anwesend sein, teilte Landtagspräsident Boris Rhein (CDU) mit. Außerdem sollen zunächst bis Ende der Osterferien keine Veranstaltungen mehr im Landtag stattfinden.

Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Hessen kündigte an, in der kommenden Woche weitere Coronavirus-Testcenter zu eröffnen. Zu den bereits arbeitenden zehn Einrichtungen sollen sechs hinzukommen. "Wir sorgen mit der Aufstockung der Testcenter dafür, dass fast jeder Bürger Hessens innerhalb eines Radius von 30 Kilometer ein Testcenter erreichen kann", teilte die KV mit. Es sei allerdings "realitätsfremd", in jedem Landkreis ein Testcenter einzurichten, da es nicht genügend Personal gebe.

Es sei medizinisch auch nicht sinnvoll, Massentests auf den Erreger Sars-CoV-2 ohne Indikation durchzuführen, betonten die KV-Vorstandsvorsitzenden Frank Dastych und Eckhard Starke der Mitteilung zufolge. "Denn auch die Labore sind mittlerweile an ihren Kapazitätsgrenzen angekommen - deshalb müssen wir die Tests dringend auf diejenigen Patienten beschränken, bei denen eine medizinische Indikation nach den Kriterien des Robert-Koch-Instituts besteht."

Die Folgen für Unternehmen zeigen sich immer deutlicher. Der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport erwartet wegen der Coronakrise in diesem Jahr einen herben Rückgang des Gewinns. Tagesbezogen liegen die aktuellen Passagierzahlen bereits 45 Prozent unter den Vorjahreswerten, sagte Vorstandschef Stefan Schulte bei der Bilanzvorlage. Das könne sich mit der US-Einreisesperre noch auf minus 60 Prozent steigern. Das Unternehmen plant für bis zu 10 000 Mitarbeiter Kurzarbeit.

Opel schickte nach einer bestätigten Infektion in der Belegschaft Hunderte Mitarbeiter vorübergehend ins Homeoffice. Mit der Messe für Veranstaltungstechnik "Prolight + Sound" wurde in Frankfurt eine weitere abgesagt, zudem kam das Aus für die "Rettmobil 202" in Fulda, nach eigenen Angaben die europäische Leitmesse für Rettung und Mobilität. Die hessischen Industrie- und Handelskammern sagten angesichts der steigenden Coronavirus-Infektionen alle anstehenden Abschlussprüfungen der Azubis ab. Wann die Prüfungen nachgeholt werden können, sei noch offen, hieß es.

dpa

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