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Panorama Mord-Prozess an 100-Jähriger eröffnet: Angeklagte schweigt
Mehr Hessen Panorama Mord-Prozess an 100-Jähriger eröffnet: Angeklagte schweigt
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15:43 06.04.2022
Die Justitia ist an einer Scheibe am Eingang zum Oberlandesgericht zu sehen.
Die Justitia ist an einer Scheibe am Eingang zum Oberlandesgericht zu sehen. Quelle: Rolf Vennenbernd/dpa/Symbolbild
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Frankfurt/Main

Eine Altenpflegerin steht in Frankfurt wegen Mordes vor Gericht. Sie soll eine 100 Jahre alte Frau erstickt haben. Am Mittwoch hat vor dem Landgericht der Prozess gegen 41 Jahre alte Pflegerin begonnen. Die Anklage legt ihr Mord aus Habgier und zur Verdeckung einer vorausgegangenen Straftat zur Last. Am ersten Verhandlungstag äußerte sich die Frau noch nicht zu den Vorwürfen.

Die Angeklagte hatte die Rentnerin früher einmal betreut. Im Januar vergangenen Jahres war sie mit einem damals zurückbehaltenen Schlüssel in die Wohnung der Frau in Frankfurt-Sachsenhausen eingedrungen. Dort soll sie das im Bett liegende Opfer mit einem Kissen erstickt haben. Unmittelbar nach der Tat soll sie die Schreibtischschublade des Opfers nach Wertsachen und Bargeld durchwühlt haben. Nach dem Vorfall wurden verschiedene Schmuckstücke der Seniorin vermisst.

Die frühere Pflegerin wurde laut Anklage von der Betreuerin der alten Dame überrascht. Diese kam gerade vom Einkaufen zurück und schlug die mutmaßliche Täterin in die Flucht. Gut zwei Wochen nach dem Vorfall wurde die 41-Jährige festgenommen und sitzt seither in Untersuchungshaft.

Die 67 Jahre alte Zeugin konnte die Angeklagte am Mittwoch jedoch nicht eindeutig identifizieren: Sie habe deren Gesicht bei einer Rangelei nur kurz von der Seite gesehen. Die Schwurgerichtskammer steht damit vor einem umfangreichen Indizienprozess. Gleichwohl hat das Gericht das Ende des Verfahrens bereits für die zweite Maihälfte ins Auge gefasst. Sollte es zu einer Verurteilung wegen Mordes kommen, droht der Angeklagten eine lebenslange Haftstrafe.

Das 100 Jahre alte Opfer war die Tochter des bekannten Biophysikers und Frankfurter Ehrenbürgers Friedrich Dessauer und selbst Schriftstellerin, Kinderbuchautorin und Übersetzerin. Sie hatte seit rund 50 Jahren die Wohnung unmittelbar am südlichen Mainufer bewohnt.

© dpa-infocom, dpa:220405-99-808225/4

dpa