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Panorama Tödlicher Flugunfall: Pilot zu Bewährungsstrafe verurteilt
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18:32 18.03.2021
Die Statue der Justitia steht mit einer Waage und einem Schwert in der Hand.
Die Statue der Justitia steht mit einer Waage und einem Schwert in der Hand. Quelle: Arne Dedert/dpa/Symbolbild
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Fulda

Im Prozess um den Flugunfall mit drei Toten auf der Wasserkuppe hat das Landgericht Fulda den angeklagten Piloten wegen fahrlässiger Tötung in drei Fällen zu einer sechsmonatigen Bewährungsstrafe verurteilt. Die Bewährungszeit beträgt zwei Jahre. Auf Bewährungsauflagen verzichtete das Gericht. Es sei davon auszugehen, dass der 58-Jährige aus Ludwigshafen in Rheinland-Pfalz die Bewährungszeit straffrei bestehen werde, sagte der Vorsitzende Richter in seiner Urteilsbegründung. Außerdem geht das Gericht davon aus, dass der Pilot dem Vater der getöteten Kinder ein Schmerzensgeld von 5000 Euro zahlen werde, wie er es zuvor angekündigt habe.

Der Pilot war bei dem Unglück auf Hessens höchstem Berg vor knapp zweieinhalb Jahren mit einem kleinen Propellerflugzeug (Cessna) über die Landebahn hinausgeschossen. Auf dem Gehweg auf der gegenüberliegenden Straßenseite erfasste die Maschine mit laufendem Propeller eine 39 Jahre alte Frau und ihre beiden elf und zwölf Jahre alten Kinder und verletzte sie tödlich.

Der Pilot sei erfahren und zuverlässig und bereits mehrfach auf der Wasserkuppe gelandet, sagte der Richter. Bei der Landung habe er mehrere Fehler begangen. Er habe die Landebahn zu schnell angeflogen, bei der Landung sei das Flugzeug zu hoch gewesen, und der Pilot sei zu spät wieder durchgestartet. Er hätte sich sorgfältiger auf die Besonderheiten der Landebahn auf der Wasserkuppe vorbereiten müssen. Dass die Maschine außerdem voll betankt und mit vier Personen etwas überladen war, habe auch zu dem Unfall beigetragen, sei aber nicht die Hauptursache für den Unfall gewesen.

Tatsächlich sei das Gelände auf Deutschlands höchstem Flugplatz recht schwierig, erklärte der Richter weiter. Die Landebahn sei sehr kurz und schmal, ab der zweiten Hälfte dann auch noch stark ansteigend, und oft herrschten dort schwierige Windverhältnisse.

Den Piloten lobte der Vorsitzende für seine Art, mit den Geschehnissen umzugehen. Zugleich wünschte er dem Vater der getöteten Kinder, der als Nebenkläger an dem Prozess beteiligt war, dass er sein Schicksal irgendwann annehmen könne. In seinem letzten Wort hatte der Pilot unter Tränen gesagt, es vergehe kein Tag, an dem er nicht an die getötete Familie denke. Er habe Kontakt zu den Hinterbliebenen aufgenommen und wolle mit ihnen gemeinsam das Grab besuchen. Das Urteil ist bereits rechtskräftig, da die Beteiligten auf Revision verzichteten.

© dpa-infocom, dpa:210317-99-864100/6

dpa