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Panorama Rollstuhlfahrer vor U-Bahn gestoßen: Affekthandlung
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17:12 03.11.2020
Vor dem Gerichtsgebäude hält eine Statue der Justitia eine Waagschale. Quelle: Stefan Puchner/dpa/Symbolbild
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Frankfurt/Main

Er soll einen schwerbehinderten Rollstuhlfahrer vor eine U-Bahn gestoßen haben - seit Dienstag muss sich deshalb ein 69 Jahre alter Mann vor dem Landgericht Frankfurt verantworten. Die Anklage legt dem Deutschen versuchten Mord aus Heimtücke zur Last.

Der Vorfall soll sich Anfang Januar an einer U-Bahn-Station im Frankfurter Stadtteil Dornbusch ereignet haben, wo es zu einem Streit zwischen dem Angeklagten und dem ihm flüchtig bekannten 32-Jährigen gekommen sein soll. Das spätere Opfer bezichtigte demnach den 69-Jährigen, ihm Alkohol weggenommen zu haben. Ein 20 Sekunden langer Videofilm, der im Rahmen der Verhandlung gezeigt wurde, zeigt den 69-Jährigen, wie er den Mann im Rollstuhl von der Bahnsteigkante in das Gleisbett stieß und dann den Bahnsteig wechselte.

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Nachdem sich der 69-Jährige zunächst nicht zur Sache geäußert hatte, sprach er am Dienstagnachmittag von einem Affekt, aus dem heraus er die Tat begangen habe. Er habe das Opfer kurze Zeit vorher an einer anderen U-Bahn-Station kennengelernt und habe ihm helfen wollen, am späten Abend noch Schnaps zu besorgen. Als er ihn schließlich des Diebstahls bezichtigt habe, sei er "ausgetickt". Er habe den Mann nicht töten wollen, "ich wollte doch mit 70 nicht nochmal in den Knast".

Nachdem der Angeklagte seine frühere Verlobte in einer Badewanne ertränkt hatte, war er 2002 vom Landgericht Marburg zu lebenslanger Haft verurteilt worden, die er bis Juni 2019 verbüßte. Mit der anschließenden Entlassung zur Bewährung und der Unterbringung in einem Wohnheim sei er unzufrieden gewesen. Auch deshalb habe er gereizt reagiert.

Bei dem Vorfall im vergangenen Januar war wenige Augenblicke nach dem Sturz ein U-Bahn-Triebwagen eingefahren, der rechtzeitig zum Stehen kam, nachdem der Zugführer den Rollstuhlfahrer im Gleisbett erkannt hatte. Der 32-Jährige trug leichte Blessuren davon. Der Prozess soll nach drei Verhandlungstagen Mitte November abgeschlossen werden.

dpa