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Panorama Friedliches Feiern auf Frankfurter Opernplatz
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13:52 26.07.2020
Polizisten zwischen den Säulen der Alten Oper in Frankfurt. Quelle: Frank Rumpenhorst/dpa
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Frankfurt/Main

Eine Woche nach den Ausschreitungen in Frankfurt ist auch in der Nacht auf Sonntag die Räumung des Opernplatzes wie auch das vorangehende Feiern friedlich verlaufen. In der Nacht hielten sich zuletzt noch einige Dutzend Menschen auf dem Platz auf, verließen ihn jedoch vor Beginn der Sperrstunde um 1 Uhr. Die Polizei war seit dem frühen Abend mit zahlreichen Beamten im Einsatz, im gesamten Stadtgebiet war ein größeres Polizeiaufgebot zu sehen.

"Ich bin sehr erleichtert, dass es an diesem Wochenende friedlich geblieben ist und dass es glücklicherweise keine weiteren Ausschreitungen gab", sagte Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD), der an beiden Abenden vor Ort war, am Sonntag. "Uns allen war klar, dass wir solche Szenen nicht noch einmal zulassen dürfen. Gewaltexzesse wollen wir in Frankfurt nicht sehen." Polizisten waren vor einer Woche aus der Menge der Feiernden heraus mit Flaschen angegriffen worden. Mindestens fünf Beamte wurden nach Polizeieingaben verletzt, mehrere Polizeifahrzeuge beschädigt.

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Der Frankfurter Sicherheitsdezernent Markus Frank (CDU) sieht das Sicherheitskonzept von Polizei und Stadt bestätigt. "Wir sind sehr zufrieden mit diesem Wochenende", sagte Frank am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur. Stadt- und Landespolizei hätten mit zahlreichen Personenkontrollen und Präsenz im Stadtgebiet dafür gesorgt, "dass wir wieder ein friedliches Wochenende in Frankfurt hatten."

Nach Angaben der Polizei waren an den beiden Abenden des Wochenendes insgesamt rund 10 000 Menschen auf den "Hotspots" im Frankfurter Stadtgebiet unterwegs. Auf dem Opernplatz waren dabei an beiden Tagen insgesamt etwa 1000 Menschen zusammengekommen, sagte ein Sprecher am Sonntag. Die Polizisten kontrollierten knapp 2000 Menshen und sprachen 375 Platzverweise aus. Es gab 23 vorübergehende Festnahmen, sieben Menschen kamen etwa wegen Durchsetzung von Platzverweisen und Vollstreckung eines Haftbefehls in Polizeigewahrsam.

Erstmals galt an diesem Wochenende ab Mitternacht ein Betretungsverbot für den Opernplatz, auf dem es vor einer Woche zu Krawallen gekommen war. Die Nacht zum Samstag war ebenfalls ruhig geblieben.

Der Opernplatz hatte sich in den vergangenen Monaten auch angesichts der coronabedingten Schließung von Clubs und Diskotheken zur Freiluft-Partyzone entwickelt. Angesichts der starken Polizeipräsenz feierten an diesem Wochenende aber nur jeweils wenige hundert Menschen in kleinen Gruppen auf dem Platz. Die Polizei sprach von rund 300 Feiernden, die sich am Samstagabend auf dem Platz befanden. Ab Mitternacht wurden Scheinwerfer angeschaltet, die Polizei machte Durchsagen. Ab 1 Uhr musste der Platz geräumt sein.

Feldmann war am späten Samstagabend auf dem Opernplatz von Demonstranten zu Gesprächen aufgefordert worden, die auf dem Platz gegen sogenanntes Racial Profiling protestierten. Von Racial Profiling spricht man, wenn Menschen wegen ihrer Hautfarbe, Haarfarbe oder anderer äußerer Merkmale, aber ohne konkreten Anlass kontrolliert werden. Sie warfen der Frankfurter Polizei vor, gezielt Menschen mit Migrationshintergrund zu kontrollieren.

Feldmann befand sich zwischendurch mit mehreren Demonstranten in einem Ring von Polizisten, die wiederum von Demonstranten umgeben waren. Er sagte, für Diskriminierung und Rassismus sei kein Platz in Frankfurt, und bot weitere Gespräche an. Nach einem etwa 30-minütigen Meinungsaustausch verließ Feldmann den Platz.

Ob am kommenden Wochenende ein ähnliches Polizeiaufgebot eingesetzt wird, werde in den nächsten Tagen entschieden, sagte eine Sprecherin. Zunächst werde der Einsatz an diesem Wochenende ausgewertet. Feldmann sagte, wenn sich die Lage beruhigt habe, könne der Einsatz heruntergefahren werde. Das Betretungsverbot des Platzes ab Mitternacht soll zunächst weiter an den Wochenenden gelten.

Frankfurt werde seine öffentlichen Plätze auch weiterhin nicht komplett sperren, versicherte Feldmann. "Das wäre ein falsches und verheerendes Signal und würde die Probleme letztlich nur verlagern."

Gegen neun der mutmaßlichen Krawallmacher der vergangenen Woche, die von auswärts nach Frankfurt gereist waren, seien mittlerweile Aufenthaltsverbotsverfügungen ausgesprochen worden, sagte Frank. Es werde vermutlich zu weiteren solchen Verboten kommen. Derzeit würde noch umfangreiches Beweismaterial gesichtet. So seien mehr als 300 Hinweise von Zeugen gekommen. "Man muss ganz fein differenzieren: Die Menschen, die nur zusammensein wollen, und diejenigen, die solche Versammlungen stören."

dpa