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Panorama Poetikvorlesungen: Einblick in das Entstehen von Literatur
Mehr Hessen Panorama Poetikvorlesungen: Einblick in das Entstehen von Literatur
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09:47 29.02.2020
Der Schriftzug «Johann Wolfgang Goethe-Universität» ist über dem Eingang zum Hauptgebäude zu lesen. Quelle: Frank Rumpenhorst/dpa/Archiv
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Frankfurt/Main

Vom Experiment zur Marke: Die Frankfurter Poetikvorlesungen haben Schule gemacht. Vor mehr als 60 Jahren wurde an der Goethe-Universität das neue Format erfunden. Rund 30 Hochschulen in Deutschland haben seither die Idee aufgegriffen. In Frankfurt ist 2020 Christoph Ransmayr ("Die Schrecken des Eises und der Finsternis", "Die letzte Welt") zu Gast. "Unterwegs nach Babylon" hat der Österreicher seinen Vortrag überschrieben, den er am Samstag, 7. März, an der Goethe-Universität hält. Im Sommer folgt dann die Lyrikerin Monika Rinck.

Sinn solcher Veranstaltungsreihen ist es laut Hochschule, eine andere Perspektive auf Literatur zu bieten: "nicht nur aus der akademischen Perspektive der Literaturwissenschaft, sondern auch aus der Sicht des über sein kreatives Wirken reflektierenden Schriftstellers".

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Die erste Gastdozentur für Poetik hatte die Goethe-Universität 1959 eingerichtet, erster Gast war Ingeborg Bachmann. Seither haben - trotz zehnjähriger Pause - 80 Autoren teilgenommen, darunter Heinrich Böll, Friedrich Dürrenmatt oder Uwe Johnson. In jüngster Zeit kamen etwa Daniel Kehlmann, Christian Kracht oder Juli Zeh.

"Inzwischen gibt es nach Frankfurter Vorbild an über 30 deutschen Universitäten Poetikdozenturen", sagt Prof. Susanne Komfort-Hein, die die Reihe organisiert: Seit 2011 existiert in Saarbrücken eine Dozentur für Dramatik, in Hamburg eine "Gastprofessur für interkulturelle Poetik", in Tübingen wird grundsätzlich ein Duo eingeladen, in Bielefeld spricht ein "Poet in Residence" über Kinder- und Jugendliteratur. "Die Grenzen zu anderen Formaten sind fließend" sagt Komfort-Hein, zum Beispiel zu den "Stadtschreibern".

Poetikvorlesungen wollen "einen Dialog zwischen Akademie und Literaturbetrieb führen", sagt Komfort-Hein. "Sie leben unter anderem auch vom Versprechen, etwas von den Entstehungsbedingungen literarischer Texte zu erfahren, eine Stimme und ein Gesicht hinter den Texten wahrnehmen zu können".

Zu lange im Voraus geplant werden können die Veranstaltungen nicht: Einerseits müsse man den Autorinnen und Autoren genug Zeit zur Vorbereitung lassen, andererseits wollen die Veranstalter auf aktuelle Tendenzen und Debatten reagieren können. "Daher darf die Planung nicht über Jahre im Voraus in Stein gemeißelt sein."

dpa

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