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Panorama Rufe nach Schulschließungen in Hessen werden immer lauter
Mehr Hessen Panorama Rufe nach Schulschließungen in Hessen werden immer lauter
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14:53 13.03.2020
Stühle stehen in einem Klassenzimmer in einer Grundschule auf den Tischen. Quelle: Caroline Seidel/dpa
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Frankfurt/Main

Angesichts der starken Zunahme an bestätigten Corona-Infektionen werden die Rufe nach Schulschließungen in Hessen immer lauter. Der Philologenverband forderte am Freitag in Wiesbaden, die Bildungseinrichtungen landesweit unverzüglich zu schließen. Es bestünden deutliche Hygiene- und Infektionsrisiken, da Tausende Kinder und Jugendliche in den Klassenräumen und in den Pausen aufeinandertreffen. Die Abiturprüfungen sollten jedoch wie geplant durchgeführt werden.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) forderte eine schnelle und verlässliche Information für die Schulen, wie sie mit der Krise umgehen sollen. Dabei müsse die Notwendigkeit einer Schließung der Bildungseinrichtungen bis zu den Osterferien ernsthaft geprüft werden. Einzelmaßnahmen wie die Unterrichtsbefreiung für Abiturienten würden dem Ernst der Lage nicht gerecht.

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Auch die Fraktionen von SPD und FDP im Landtag machten sich für eine Schließung der Schulen ab nächster Woche stark. Um die Ausbreitung des Virus Sars-CoV-2 zu verlangsamen, sollten die Schüler in vorgezogene und verlängerte Osterferien geschickt werden, erklärten die Fraktionsvorsitzenden Nancy Faeser (SPD) und René Rock (FDP).

Hessens Regierungschef Volker Bouffier (CDU) wollte in einer Sondersitzung des Kabinetts mit seinen Ministern über Maßnahmen zur Eindämmung der Krise beraten. Das Treffen wurde für den späten Freitagnachmittag in der Wiesbadener Staatskanzlei angesetzt (16 Uhr). Als Konsequenz aus der Corona-Pandemie haben bereits einzelne Bundesländer die Schließung von Schulen und Kitas ab nächstem Montag beschlossen.

Die Ausbreitung des Virus zieht immer weitere Kreise. Krankenhäuser schränkten zum Schutz ihrer Patienten ihre Besuchszeiten teilweise drastisch ein. Das Klinikum Frankfurt Höchst verhängte einen generellen Besuchsstopp. In den Lahn-Dill-Kliniken in Wetzlar und im Universitätsklinikum in Frankfurt durfte jeder Patient pro Tag nur noch einen Besucher empfangen.

Die Uni Gießen sagte alle öffentlichen Veranstaltungen bis zunächst Mitte April ab. Zudem sollen sämtliche Lehrveranstaltungen des auslaufenden Wintersemesters wie Praktika oder Blockkurse von der kommenden Woche an nicht mehr stattfinden, wie die mittelhessische Hochschule mitteilte. Prüfungen würden unter besonderen Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen durchgeführt.

Opel schickte nach einer bestätigten Infektion in der Belegschaft Hunderte Mitarbeiter vorübergehend ins Homeoffice. Die Organisatoren des Hessentags in Bad Vilbel machten sich nach Angaben der Stadt an eine Risikoanalyse, "die alle Unwägbarkeiten erfassen und abwägen soll". Die Berufsinformationszentren der hessischen Agenturen für Arbeit schlossen vorsorglich für den Besucherverkehr.

Im südhessischen Lampertheim (Kreis Bergstraße) wurden vier Schulen geschlossen, weil sich ein Lehrer möglicherweise infiziert hat. Der Rheingau-Taunus-Kreis will nach eigenen Angaben von Montag an sämtliche Kindertageseinrichtungen schließen. Die evangelische Landeskirche empfahl ihren Pfarrern, sämtliche Gottesdienste abzusagen. Die Stadt Darmstadt strich eine für Freitag geplante Einbürgerungsfeier.

dpa