Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Panorama OB: Roths Pläne Ausdruck «kaum zu überbietender Arroganz»
Mehr Hessen Panorama OB: Roths Pläne Ausdruck «kaum zu überbietender Arroganz»
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
05:48 01.07.2022
Deutschlands Kulturstaatsministerin Claudia Roth (Grüne).
Deutschlands Kulturstaatsministerin Claudia Roth (Grüne). Quelle: Britta Pedersen/dpa/Archivbild
Anzeige
Kassel (dpa)

Der Kasseler Oberbürgermeister Christian Geselle (SPD) hat im Streit um die documenta Rückendeckung seiner Amtsvorgänger bekommen. Geselle, der Aufsichtsratsvorsitzender der documenta ist, hatte in einem Brief an Kulturstaatsministerin Claudia Roth mit einem Alleingang bei der Finanzierung der documenta gedroht. Damit reagierte er auf Roths Forderung nach strukturellen Reformen angesichts des Antisemitismus-Eklats auf der Schau.

In einer gemeinsamen Erklärung lehnen Geselle und die drei ehemaligen Oberbürgermeister von Kassel, Hans Eichel, Wolfram Bremeier und Bertram Hilgen, den Fünf-Punkte-Plan Roths «als Angriff auf die documenta» entschieden ab. Im Kern gehe es der Beauftragten um mehr Einfluss des Bundes auf die Entscheidungen der documenta-GmbH. Begründet werde dies unter anderem damit, «dass die vor allem lokale Verantwortlichkeit der documenta in einem Missverhältnis zu deren Bedeutung ... steht.»

Mit anderen Worten bedeute dies, dass Kassel zu provinziell sei und künftig «durch das klügere, weltgewandte Berlin an die Hand genommen werden» müsse, hieß es in der Erklärung. «Diese Haltung ist Ausdruck kaum zu überbietender Arroganz und übersieht, dass sich die documenta in ihrer über 60-jährigen Geschichte in «lokaler Verantwortlichkeit» zu dem entwickelt hat, was sie heute ist - und das ohne oder nur mit sehr bescheidener finanzieller Unterstützung durch den Bund.»

«Die in dem Fünf-Punkte-Plan offen ausgesprochene Drohung: Ohne mehr Einfluss kein Geld! muss uns nicht schrecken», heißt es weiter. Die documenta könne im Zweifel auch ohne die bescheidenen Bundesmittel finanziert werden. Kassel sei darauf nicht angewiesen. «Sollte die Beauftragte auf diesem Junktim bestehen, muss die Stadt sie auffordern, die finanzielle Unterstützung umgehend und vollständig einzustellen - und künftig in öffentlicher Funktion zur documenta zu schweigen.»