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Panorama Bombensprengung in Frankfurt eine "Meisterleistung"
Mehr Hessen Panorama Bombensprengung in Frankfurt eine "Meisterleistung"
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16:12 20.05.2021
Experten stehen auf Sandbergen, die zuvor die Wucht der Explosion im Rahmen der Bombensprengung abgemildert haben.
Experten stehen auf Sandbergen, die zuvor die Wucht der Explosion im Rahmen der Bombensprengung abgemildert haben. Quelle: Frank Rumpenhorst/dpa
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Frankfurt/Main

Große Erleichterung nach der Bombensprengung im Frankfurter Nordend: Alles lief glatt, als Experten in der Nacht zum Donnerstag eine 500-Kilo-Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg gezielt zur Explosion brachten. "Das war eine Meisterleistung", bilanzierte der Leiter des Kampfmittelräumdienstes am Regierungspräsidium Darmstadt, Dieter Schwetzler. "Nicht mal eine Scheibe ist zu Bruch gegangen."

Zwar werden bei Bauarbeiten öfter Bomben gefunden, aber diesmal war es so brisant wie selten: Der Zünder war beschädigt, die Bombe hätte jederzeit hochgehen können. Und der Fundort lag in einem dicht besiedelten Gebiet. "Es war Gefahr in Verzug", sagte Schwetzler. Normalerweise haben die Behörden mehrere Tage Vorlauf, diesmal musste es ganz schnell gehen. Binnen weniger Stunden mussten 25 000 Menschen ihre Häuser verlassen.

Der Kampfmittelräumdienst legte 4,5 Kilo Sprengstoff an die Bombe an. Knapp 50 Lastwagen karrten den ganzen Abend über tonnenweise Sand herbei, um den Blindgänger damit abzudecken und die Detonation abzuschwächen. Schwetzler und seine Kollegen zündeten die Bombe nach Mitternacht zwei Straßen weiter mit einem Fernauslöser. "Die Erde hat gebebt, aber richtig", berichtete Schwetzler am Donnerstag.

Noch in der Nacht konnten die Menschen zurück in ihre Häuser. Am Morgen freuten sich die Anwohner über einen Riesensandkasten: Kinder und Eltern kletterten auf die meterhohen Sandhügel. Die Sprengung hatte einen rund drei Meter tiefen und zehn Metern breiten Krater am Rande eines Spielplatzes hinterlassen. Selbst die Spielgeräte blieben unversehrt, nur ein paar kleine Bäume ragten schräg aus dem Sand.

Die 500-Kilo-Bombe war am Mittwochmittag bei Baggerarbeiten in der Schwarzburgstraße neben einem Hochbunker entdeckt worden. Das Gebiet wurde in einem Radius von 700 Metern evakuiert. In der Zone lag auch ein Krankenhaus. Die meisten Patienten wurden nach Angaben eines Sprechers nur innerhalb des Gebäudes verlegt. In der Eissporthalle wurde eine Betreuungsstelle eingerichtet - inklusive eines speziellen Bereichs für Corona-Infizierte.

"Aufgrund von Bauart und Zustand der Bombe hatten die Sicherheitsbehörden dieses Mal äußerst schnell reagieren müssen und auch mit möglichen Schäden gerechnet", teilte die Stadt am Morgen mit. "Auch der Aufwand an der Fundstelle zur Absicherung der kontrollierten Explosion war dieses Mal enorm."

Die Einsatzkräfte waren mehr als zufrieden. "Alles ist sehr gut und sehr schnell gelaufen", sagte ein Sprecher der Frankfurter Feuerwehr. Die Polizei kontrollierte am Morgen die Umgebung auf Schäden - ohne welche zu finden. Beide können sich an keinen anderen Fall erinnern, an dem zwischen Fund und Entwarnung so wenig Zeit verging.

"Es war für alle eine Gefahr, sagte Schwetzler. Nicht nur für Anwohner und Hilfskräfte, Kampfmittelräumdienst, Polizei und Feuerwehr, sondern etwa auch für die Lastwagenfahrer, die ihre Ladung in unmittelbarer Nähe der Bombe entladen mussten. Dass Kinder im Bombentrichter spielten, verwunderte ihn: Im Sand könnten Splitter oder Bombenteile sein.

© dpa-infocom, dpa:210520-99-672346/6

dpa