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Panorama "Nicht in unserem Namen!": Weiterhin Knatsch im PEN-Zentrum
Mehr Hessen Panorama "Nicht in unserem Namen!": Weiterhin Knatsch im PEN-Zentrum
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20:43 04.04.2022
Journalist Deniz Yücel.
Journalist Deniz Yücel. Quelle: Gerald Matzka/dpa/Archivbild
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Darmstadt/Berlin

"Was dieser Mann sagt und tut, das sagt und tut er nicht in unserem Namen!", heißt es zum Abschluss des Papiers.

Nach heftigen Auseinandersetzungen soll das komplette Präsidium der Autorenvereingung (PEN steht für "Poets, Essayists, Novelists") seine Posten räumen. Das sieht ein Abwahlantrag vor, über den eine Mitgliederversammlung im Mai in Gotha entscheiden soll. Nach PEN-Angaben reicht dafür eine einfache Mehrheit aus.

In der Geschichte des deutschen PEN-Clubs sei so ein Antrag noch nicht vorgekommen, schrieben die Mitglieder am Montag, doch "sehen wir diesen als einzige Möglichkeit, um weiteren Schaden vom PEN abzuwenden". In der Mitteilung wird "Yücel und seinen Mitstreitern" vorgeworfen, zwei Präsidiumsmitglieder loswerden zu wollen. Ein Mailwechsel dazu strotze vor "Bösartigkeiten, widerwärtigen Beleidigungen, Diskriminierungen und falschen Anschuldigungen". Der Mailwechsel liegt auch der Deutschen Presse-Agentur in Berlin vor.

Yücel pflege "einen autoritären Führungsstil, der ins 19. Jahrhundert, aber nicht in eine heutige Menschenrechtsorganisation im Zeitalter flacher Hierarchien passt", schreiben die Unterzeichnenden. Sie sehen zudem einen "nachhaltigen Amtsmissbrauch zum Schaden des PEN". Vertrauen in die Führung des PEN sein "in nie dagewesener Weise enttäuscht".

Kritisiert wird auch ein Auftritt Yücels, bei dem er sich während des Literaturfestivals Lit.Cologne für eine Flugverbotszone in der Ukraine und somit für ein direktes militärisches Eingreifen der Nato ausgesprochen habe. Daraufhin hatten bereits mit Gert Heidenreich, Christoph Hein, Johano Strasser, Josef Haslinger und Regula Venske fünf ehemalige Präsidenten des PEN-Zentrums den Rücktritt Yücels gefordert.

Die Charta, "das Herzstück des PEN", formuliere eindeutig den Anspruch, sich mit aller Kraft für ein friedliches Zusammenleben aller Menschen auf dieser Welt einzusetzen, hieß es nun von Seiten der Kritikerinnen und Kritiker. Yücel sagte der dpa am Montag auf Anfrage, er könne sich zunächst nicht zu den Vorwürfen äußern, weil es das neue Papier noch nicht kenne.

© dpa-infocom, dpa:220404-99-796384/3

dpa