Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Panorama Neuer Zulauf für Sozialkaufhäuser durch Umweltbewusstsein
Mehr Hessen Panorama Neuer Zulauf für Sozialkaufhäuser durch Umweltbewusstsein
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:39 08.03.2020
Anzeige
Frankfurt/Kassel

Die Nachfrage nach kostengünstiger oder kostenloser gebrauchter Kleidung ist in Hessen weiter hoch. Die Angebote von Kleiderkammern und Sozialkaufhäusern werden gut genutzt, zeigt eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur. Probleme mit der Qualität gespendeter Kleidung oder mit Müll in den Sammelcontainern wie in anderen Bundesländern sind selten. Allerdings wurden einige Angebote wegen fehlender ehrenamtlicher Helfer eingestellt.

Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) in Sachsen beispielsweise hatte im Februar erklärt, Kammern geschlossen zu haben, weil diese nicht mehr finanzierbar seien. Die Gründe: Die Einnahmen für die Kleidung seien gesunken, die in den Kleiderkammern keine Interessenten finde und die zur Verwertung an Recyclingunternehmen verkauft werden. Außerdem sei die Qualität der Kleiderspenden schlechter geworden.

Anzeige

Das Deutsche Rote Kreuz in Hessen hat solche Probleme nicht: Bei den Kleiderspenden sei kein Müll dabei, erklärt Gisela Prellwitz, Sprecherin des DRK Hessen: "Die Leute geben keine schlechte Qualität ab." Zu Spenden in Containern könne das DRK zwar keine direkten Angaben machen, weil diese über einen Verwerter liefen. Aber auch dort sei erfahrungsgemäß nicht übermäßig Müll dabei. 60 Kleiderläden und 28 Kleiderkammern hat das Rote Kreuz in Hessen.

Läden könnten von allen Interessierten genutzt werden, um an günstige Kleidung zu kommen. Bedürftige erhalten dort gegen Nachweis aber Rabatt. Ziel dieser Einrichtungen sei soziale Durchmischung beim Einkauf: "Es geht darum, Normalität für Sozialschwache zu schaffen", sagt Prellwitz.

Bei der Arbeiterwohlfahrt (Awo) in Südhessen gibt es sieben Kleiderkammern und -läden. "Diese werden ehrenamtlich getragen und erhalten Kleidung und teilweise auch Spielzeug, Möbel und anderes als Spenden", erklärt Awo-Sprecher Swen Klingelhöfer. In der Regel würden die Spenden kostenfrei oder gegen einen Kleinstbetrag an Besucher abgegeben. "Eine Prüfung der Bedürftigkeit oder ähnliches erfolgt nicht. Jede und jeder kann das Angebot nutzen."

Die Angebote erfreuten sich einer gleichbleibend hohen Nachfrage. "Wir stellen jedoch fest, dass zunehmend ältere Menschen dieses Angebot in Anspruch nehmen", sagt Klingelhöfer. Hinzu kämen immer mehr Menschen, die aus Nachhaltigkeitsgründen gezielt gebrauchte Kleidung suchten. Schließungen dieser Angebote seien nicht geplant. "Die aktuelle Herausforderung liegt vielmehr darin, weitere Ehrenamtliche für diese Angebote zu gewinnen."

Der Mangel an Ehrenamtlichen hat bei der Awo Nordhessen dagegen zu einem Rückgang der Kleiderkammern geführt. Man betreibe nur noch eine - ehrenamtlich betreute - Kammer in Kirchhain (Landkreis Marburg-Biedenkopf). Üblicherweise würden die Kleiderspenden persönlich in der Kleiderkammer abgegeben und hätten daher in der Regel eine hohe Qualität, nicht verwertete Kleidung werde ohne Gewinn zum Recycling abgegeben.

"Ansonsten sind die Awo-Kleiderkammern schon vor längerem aus unterschiedlichen Gründen aufgegeben worden", sagt Jörg Scharf von der Awo Nordhessen: "Teilweise weil für die ehrenamtliche Arbeit keine Nachfolger gefunden wurden, bei anderen weil Möglichkeiten der Beschäftigungsförderung entfielen oder die Zuweisungsverfahren der Sozialämter verändert wurden."

Im Bereich der Diakonie Hessen gibt es Kleiderkammern, Secondhandläden, Sozialkaufhäuser und Mehr-Generationen-Häuser, die gebrauchte Kleidung abgeben. "Überwiegend sind es Einrichtungen in Trägerschaft der regionalen Diakonischen Werke", sagt Diakonie-Sprecher Eckhard Lieberknecht. Außerdem gebe es Kleiderkammern von Mitgliedseinrichtungen der Diakonie Hessen und von Kirchengemeinden oder Dekanaten. Eine Anzahl der Kleiderkammern liege daher nicht vor.

"Die Nachfrage nach gebrauchter Kleidung ist nach wie vor hoch. Schließungen sind kein Thema, im Gegenteil: Es wird ausreichend Kleidung gespendet", erklärt Lieberknecht. Die Qualität der gespendeten Kleidung variiere stark: Manches davon könne nicht mehr in den Weiterverkauf gehen. Diese Kleidung werde an andere Verwerter abgegeben.

dpa

Anzeige