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Panorama Nabu: Forste könnten rasch in Naturwald umgewandelt werden
Mehr Hessen Panorama Nabu: Forste könnten rasch in Naturwald umgewandelt werden
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09:07 12.12.2020
Eine Flagge weht im Vogelschutzzentrum des Naturschutzbund Deutschland (Nabu).
Eine Flagge weht im Vogelschutzzentrum des Naturschutzbund Deutschland (Nabu). Quelle: Marijan Murat/dpa
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Wetzlar

Nach dem Vergleich eines forstwirtschaftlich genutzten mit einem sich selbst überlassenen Waldstück betonte der Nabu: "Naturwälder sind wie Klimaaggregate in der Landschaft." Ihre Kronen seien geschlossener und auch der Holzvorrat höher.

Die Naturschützer verglichen in diesem Jahr zwei nebeneinander liegende Areale eines Waldstückes bei Rockenberg-Oppershofen im Wetteraukreis: ein Naturwaldreservat auf der einen Seite, auf der anderen die forstwirtschaftlich genutzte Fläche. Auf Luftbildern zeigte sich laut Nabu ein deutlicher Unterschied: Der Naturwald sei geschlossener, der bewirtschaftete Forst lückig und offen. Offene Bestände aber trockneten schneller aus. Am Ende des Sommers habe es im Wirtschaftswald mehr Baumschäden gegeben als im Naturwald.

Der Anteil der sich selbst überlassenen Zonen im hessischen Staatswald soll laut den entsprechenden Zielvorgaben zehn Prozent betragen und der auf der gesamten bewaldeten Fläche, die auch in privater und kommunaler Hand liegen kann, bei fünf Prozent.

Nach Angaben des Umweltministeriums wurde 2019 das Ziel erreicht, zehn Prozent der Fläche in Staatseigentum als Naturwald auszuweisen. Die Gebiete verteilen sich demnach auf das gesamte Bundesland, mit großen zusammenhängenden Flächen etwa im Reinhardswald, in der Rhön oder im Nationalpark Kellerwald-Edersee. Wie viel Fläche im Kommunal- und Privatwald stillgelegt wurde, will das Land noch ermitteln.

Nabu-Experte Harthun zufolge wäre das für Ende 2020 anvisierte Fünf-Prozent-Ziel bereits erreicht, wenn die zwölf vorgeschlagenen Waldgebiete aus der Holznutzung genommen würden. Die Naturschützer schlagen Areale unter anderem im Lahn-Dill-Kreis vor, im Main-Kinzig-Kreis oder im Kreis Waldeck-Frankenberg.

Hessens Wälder leiden unter der Trockenheit der vergangenen Jahre, Schädlinge wie der Borkenkäfer haben leichtes Spiel. Der Zustand des Waldes sei so schlecht wie seit dem Beginn der Erhebung im Jahr 1984 nicht mehr, hatte Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) Anfang November bei der Vorstellung des Waldzustandsberichts gesagt. Vor allem bei den Beständen der Fichte seien die Schäden verheerend.

dpa