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Panorama Mutmaßlich falsche Ärztin zeigte sich selbst an
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18:12 04.11.2019
Ein Kameramann filmt das Schild am Haupteingang der Klinik "Hospital zum Heiligen Geist". Quelle: Uwe Zucchi/dpa
Fritzlar/Frankfurt

Die mutmaßlich falsche Ärztin aus Nordhessen hat laut Staatsanwaltschaft die Ermittlungen gegen sich selbst in Rollen gebracht. Die Frau habe Selbstanzeige wegen Anstellungsbetrugs gestellt, sagte Behördensprecher Götz Wied am Montag in Kassel. Parallel sei aber auch eine Anzeige der Landesärztekammer Hessen eingegangen. Die Frau sitzt in Untersuchungshaft. Sie soll während ihrer Tätigkeit in einer Klinik in Fritzlar (Schwalm-Eder-Kreis) vier Todesfälle zu verantworten haben.

Anstellungsbetrug bedeutet, dass man für den Abschluss eines Arbeitsvertrags falsche Angaben macht. Die Frau soll sich mit gefälschter Arzt-Zulassung beworben haben. Dabei täuschte sie auch die Landesärztekammer Hessen. Die Verdächtige hatte vor einigen Jahren bei der Anmeldung als neues Kammermitglied eine angebliche Zulassung vorgelegt. "Uns ist nicht aufgefallen, dass die Unterlagen gefälscht sind", sagte eine Sprecherin der Kammer dem Sender Hit Radio FFH.

Mit Hilfe digitaler Anwendungen könnten Zeugnisse immer häufiger so gut gefälscht werden, dass sie von Originalen nicht oder so gut wie nicht unterscheidbar seien, sagte die Sprecherin der dpa. Das sei auch im Fall der Ärztin so gewesen. Der Ärztekammer zufolge war im Oktober 2018 aufgefallen, dass die angeblich in Rheinland-Pfalz ausgestellte Zulassungsurkunde nicht echt sein konnte. "Eine Annahme, die sich nach Prüfung durch die Approbationsbehörde in Rheinland-Pfalz als zutreffend erwies." Am 19. November 2018 habe die Landesärztekammer Hessen Strafanzeige gestellt.

Aufgeflogen war die mutmaßliche Betrügerin bei einem Mitgliedschaftswechsel der Ärztekammer von Hessen nach Schleswig-Holstein. "Einem Mitarbeiter der Ärztekammer Schleswig-Holstein sind im Zuge der Überprüfung der eingereichten Approbationsurkunde Unstimmigkeiten aufgefallen", erklärte ein Sprecher der Kammer in Bad Segeberg. Nach Rücksprache mit der Behörde, die die Zulassung angeblich ausgestellt hatte, sei die Fälschung erkannt und die Landesärztekammer Hessen informiert worden.

Angesichts der neuen Details bekräftigte die Deutsche Stiftung Patientenschutz ihre Forderung nach einer Reform des bisherigen Kontrollsystems: Um es Tätern im Vorfeld schwer zu machen, sollten die entsprechenden Prüfungsämter einbezogen werden und vor Ausstellung der Approbation die Echtheit des Staatsexamens bestätigen. Zudem brauche es ein Zentralregister bei der Bundesärztekammer und eine Pflicht für Krankenhausträger, dort die Zulassungen von Ärzten abzufragen.

Die 48-Jährige hatte von 2015 bis 2018 in der Klinik Hospital zum Heiligen Geist in Fritzlar als Assistenzärztin gearbeitet. Sie soll ohne entsprechende Ausbildung Patienten betäubt haben. Vier starben, in acht weiteren Fällen sollen Gesundheitsschäden eingetreten sein. Ob es weitere Opfer gibt, prüfen die Behörden. Staatsanwaltschaft und Polizei ermitteln unter anderem wegen des Verdachts des Totschlags, gefährlicher Körperverletzung, Urkundenfälschung, Betrugs und des Missbrauchs von Titeln.

Die Verdächtige war auch in anderen medizinischen Einrichtungen tätig: In Nordhessen arbeitete sie zeitweise für den Gesundheitsdienstleister Vitos - aber nur als freie Dozentin in einer Schule für Gesundheitsberufe, sagte eine Vitos-Sprecherin. Sie habe dort als Biologin Anatomie unterrichtet.

Laut Staatsanwaltschaft arbeitete die Verdächtige zudem nach ihrer Tätigkeit in Nordhessen in Schleswig-Holstein. Sie sei für rund zwei Monate in einer Reha-Klinik im Landkreis Plön tätig gewesen. "Ihre Tätigkeit beschränkte sich nach hiesigen Erkenntnissen auf den Reha-Bereich, das heißt Verschreiben von entsprechenden Anwendungen und ähnliches", sagte Götz Wied. Hinweise für eine Beteiligung an Operationen bestünden nicht. Doch auch dort soll sie sich die Anstellung mit falschen Angaben erschlichen haben.

Die Ermittler hatten am Freitag ein Telefon für Hinweise und mögliche weitere Geschädigte eingerichtet. Dort gingen bis Montag 18 Hinweise ein. Es handele sich aber hauptsächlich nicht um weitere potenzielle Geschädigte, sondern um mögliche weitere Zeugen, sagte ein Polizeisprecher in Homberg.

dpa

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