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Panorama Mord mit Auto und Axt: Angeklagter schildert Tat teilweise
Mehr Hessen Panorama Mord mit Auto und Axt: Angeklagter schildert Tat teilweise
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15:02 20.05.2020
Eine Statue der Justitia hält eine Waage in der Hand. Quelle: David-Wolfgang Ebener/dpa/Symbolbild
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Limburg

Im Mordprozess um den Angriff auf eine Frau mitten in Limburg hat der Angeklagte eingeräumt, mit einem Mietwagen von hinten auf seine Frau zugefahren zu sein. "Ich glaube, ich habe nicht gebremst", sagte der 34-Jährige am Mittwoch vor dem Landgericht Limburg. Es sei alles sehr schnell gegangen. Er habe die Fahrer-Assistenzsysteme ausgeschaltet, die Augen geschlossen und geschrien, erklärte der Angeklagte. An den weiteren Verlauf der Tat erinnere er sich nicht, nur an Schreie, an ein Handy neben einer Tasche und dass seine Frau unterhalb des Autos gelegen habe. "Es tut mir leid", sagte der Angeklagte.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten unter anderem heimtückischen und aus niedrigen Beweggründen begangenen Mord vor. Laut Anklage hatte der deutsche Staatsbürger im Oktober 2019 seine 31 Jahre alte Frau mit einem angemieteten Auto angefahren und danach mit einem Beil und einer Axt auf sie eingeschlagen. Die Ermittler gehen von etwa 18 Hieben gegen den Kopf- und Halsbereich aus. Die Frau habe aber bereits bei der Kollision tödliche Verletzungen erlitten.

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Zum Zeitpunkt der brutalen Attacke wohnte die 31-Jährige mit den zwei gemeinsamen Kindern in einem Limburger Frauenhaus. Der Angeklagte hatte einen Privatdetektiv engagiert, um den Aufenthaltsort seiner Frau herauszubekommen und sie dort mehrmals aufgesucht. Er habe gewollt, dass seine Frau denselben Schmerz verspüre wie er und wollte ihr zunächst die beiden Kinder "entreißen", erklärte der Angeklagte vor Gericht.

Kurz vor der Tat habe er den Entschluss gefasst, dass sowohl er als auch seine Frau sterben sollten. "Ich wollte, dass es da endet." Er habe zuvor geträumt, dass er sie "absteche" und sich selbst im Anschluss töte, indem er sich auf ein Messer fallen lasse. Im Auto hatte er eine Axt, ein Beil und eine Schreckschusspistole, einen konkreten Plan habe er jedoch nicht gehabt. Den Tag der Tat schilderte der Angeklagte teils stockend und mit leiser Stimme.

Er sei der Sohn einer tunesischen Gastarbeiterfamilie, berichtete der Angeklagte am Mittwoch. Seine Eltern seien in den 1970er Jahren nach Deutschland gekommen. Zu seinem Vater und seinem Bruder habe er ein schwieriges Verhältnis gehabt, es gebe Missbrauchserfahrungen in der Kindheit. Seine Frau, eine Tunesierin, lernte er bei einem Urlaub in Tunesien kennen, sie habe neben dem Ferienhaus seiner Eltern gelebt.

Die beiden heirateten 2013 und lebten mit zwei Kindern in Rheinland-Pfalz. Die beiden Kinder sind zwei und vier Jahre alt. Als die Frau zum dritten Mal schwanger wurde, begann im vergangenen Jahr die Krise, wie der Angeklagte vor Gericht schilderte. Das Paar stritt sich darüber, ob das Kind abgetrieben werden sollte. Die Frau erwirkte ein Kontaktverbot und kam in einem Frauenhaus in Limburg unter. "Ich war krank vor Sehnsucht nach meinen Kindern", schilderte der Angeklagte. Zunächst habe er gehofft und versucht, seine Familie noch retten zu können. "Aber ich bin jetzt zu dem Schluss gekommen, dass unsere Ehe zerrütteter war als ich dachte", sagte der 34-Jährige.

dpa

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