Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Panorama Möglicherweise weniger Suizide seit Corona
Mehr Hessen Panorama Möglicherweise weniger Suizide seit Corona
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
05:26 08.10.2020
Anzeige
Frankfurt/Main

Die Wissenschaftler warnen aber vor voreiligen Schlüssen. Zum einen handle es sich nur um Zahlen aus Frankfurt - bundesweite Vergleichszahlen gebe noch nicht, sagte Projektadministration Christiane Schlang der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Außerdem seien die Zahlen vorläufig mit einer geschätzten Dunkelziffer von rund zehn Prozent zu ergänzen.

Die Suizidrate wird anhand von Leichenschau-Scheinen ermittelt wird. In den Jahren 2014 bis 2018 lag die bundesdeutsche Rate bei durchschnittlich 11,8 Suiziden pro 100 000 Einwohnern. Ziel des FRAPPE-Projekts ist es, herauszufinden, welche Maßnahmen Suizide am effektivsten verhindern.

Anzeige

Für die möglicherweise gesunkene Suizidrate seien mehrere Gründe denkbar, sagte Schlang. "Die wahrscheinlichste Erklärung" ist für die Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, dass sich in der Zeit, als das öffentliche Leben massiv eingeschränkt war, weniger Menschen in der Stadt aufhielten. Unter den Suizidopfern in Frankfurt seien nicht nur Ortsansässige, sondern zum Beispiel auch Pendler, Reisende oder Wohnsitzlose.

Dazu kommt, dass während des allgemeinen Stillstands auch weniger "Suizidmittel" zur Verfügung standen. Zum Beispiel fuhren weniger Züge und öffentliche Gebäude waren geschlossen. Denkbar sei auch, dass mehr Menschen von ihrem Vorhaben abließen, weil die "Interventionen" des Hilfsnetzwerks sich als wirkungsvoll erwiesen.

dpa